1. NRW
  2. Wuppertal

Autos behindern die Feuerwehr

Autos behindern die Feuerwehr

Die Parkplatznot in den Quartieren sorgt besonders ab den Abendstunden immer öfter für zugeparkte Rettungswege. Oft verlieren Helfer wertvolle Minuten.

Zugeparkte Wohnquartiere sind mehr als nur ein Ärgernis für Anwohner. Die Feuerwehr stellt im Gespräch mit der WZ fest, dass die Helfer mit ihren Einsatzfahrzeugen immer schlechter in die Wohngebiete vordringen können, weil ungünstig oder rechtswidrig geparkte Autos die Durchfahrt erschweren. „Das ist ein Phänomen, das im Laufe der Jahre zugenommen hat“, stellt Tobias Krebber, Abteilungsleiter des vorbeugenden Gefahrenschutzes, fest.

Das Abstellen von Fahrzeugen unmittelbar in der Feuerwehrzufahrt ist in Zeiten der zunehmenden Parkplatzknappheit keine Seltenheit. Nach Zahlen des Ordnungsamtes notierte die Stadt im vergangenen Jahr 634 Autos, die in einer Feuerwehrzufahrt parkten und 29 Autos, die dort — mit Fahrer im Auto — hielten.

Die Feuerwehr behindern jedoch nicht nur Blockierer in den direkten Zufahrten, sondern auch Autos, die im ganz normalen öffentlichen Verkehrraum stehen. Denn: Falsch parken kann auch derjenige, der nicht im Halteverbot steht. „Fahrzeugführer müssen beachten, dass sie eine Durchfahrtsbreite von drei Metern auf der Straße frei lassen“, sagt Krebber. Dabei komme es nicht darauf an, ob an der entsprechenden Stelle ein Halteverbot eingerichtet ist oder nicht. Ebenso parken Autos häufig im Kreuzungsbereich ordnungswidrig, weil sie den vorgeschriebenen Abstand von fünf Metern nicht einhalten.

Und dann kann es für die Feuerwehr eng werden. „Wir haben gute Fahrer, die bis auf den Millimeter genau rangieren können“, sagt Krebber. Trotzdem rage manchmal ein Reifen oder ein Außenspiegel so in die Straße, dass der Platz für die breiten Fahrzeuge ausgereizt ist. „Wenn es um Menschenleben geht, ist der Spiegel dann auch mal nachrangig“, sagt der Feuerwehrmann. So komme es schon mal vor, dass es beim Brandeinsatz scheppert. Den Schaden hat am Ende trotzdem der Fahrer. „Wir sind grundsätzlich wie jeder andere Verkehrsteilnehmer auch für den Unfall verantwortlich“, sagt Krebber.

Bereits heute ist Fakt: Die Feuerwehr verliert auf der Fahrt zu Einsätzen wertvolle Sekunden und Minuten, weil die Helfer nur noch mit millimetergenauen Manövern vorankommen. „Darüber gibt es bei uns keine Statistik, aber es kommt immer wieder vor“, sagt Krebber. Schlimm sei die Situation gerade in den historisch gewachsenen Wohngebieten, wo die Familien heute im Schnitt ein Auto mehr besitzen also noch vor 30 Jahren, aber kaum neue Stellplätze hinzugekommen sind.

Problematisch ist, dass diese Extrazeit auf dem Papier nicht miteingerechnet wird. „Wir versuchen, in spätestens zehn Minuten am Einsatzort zu sein, weil wir davon ausgehen, dass wir dann noch eine Chance haben, bei einem Brand mit eingeschlossenen Menschen Leben retten zu können“, so Krebber. Personalstärke, die Lage der Feuerwachen — alles orientiert sich daran, dass die Hilfsfristen eingehalten werden. Nur sei die Rechnung komplett ohne die Falschparker gemacht. „Die sind nicht vorgesehen, dabei kommt der Fall in der Realität immer wieder vor“, sagt Krebber.

Im Februar kam es in Düsseldorf zu einem Fall, bei dem sich die Feuerwehr auf dem Weg zu einem Brand direkt an zwei Stellen wegen Falschparkern festfuhr. In den jüngsten Jahren habe es eine solche Situation in Wuppertal zum Glück nicht gegeben, so Feuerwehr-Sprecher Roland Volke. Theoretisch sei natürlich auch Wuppertal vor so einem Fall nicht sicher. „Abschleppen bringt uns ja nichts, wenn es bei einem Brandeinsatz auf Minuten ankommt“, sagt er.

Da hilft eigentlich nur, aufmerksam zu machen, bevor das Kind in den Brunnen fällt. Doch die Wuppertaler Feuerwehr hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Nach einer Testfahrt mit dem besonders breiten Leiterwagen durch die Stadt verteilte das Ordnungsamt vor Jahren Knöllchen und ließ überall dort Autos abschleppen, wo das Feuerwehrfahrzeug hängengeblieben wäre. „Die Anwohner haben sich über die Aktion beschwert — und kaum jemand hat sich gefreut, dass die Straße anschließend sicherer war“, sagt Tobias Krebber.