Wuppertaler Auslese Eine Welt ohne Lügen: Autorin Franzi Kopka spricht mit der WZ über ihre neuen dystopischen Roman „Honesty“

Wuppertal · Franzi Kopkas neuer dystopischer Roman „Honesty“ entführt in eine Welt ohne Lügen und negative Emotionen, überwacht von der Künstlichen Intelligenz AISS.

Autorin Franzi Kopka hat mit der WZ über ihren neuen Roman „Honesty“ und ihr Debüt „Gameshow“ gesprochen.

Autorin Franzi Kopka hat mit der WZ über ihren neuen Roman „Honesty“ und ihr Debüt „Gameshow“ gesprochen.

Foto: Johanna Christoph

Eine Welt, in der niemand lügen kann. Weder Politiker, Arbeitgeber, noch die beste Freundin, selbst wenn es nur darum geht, zu beurteilen, ob das neue Sommerkleid gut aussieht. Allgegenwärtig ist die Künstliche Intelligenz AISS, die sich um die Bevölkerung kümmert. Negative Emotionen wie Wut sind verboten. In so einer Welt lebt die 18-jährige Mae. Sie spürt diese verbotenen Emotionen. Um einen idealen Partner zu finden, muss sie an einem Auswahlprogramm teilnehmen – ohne, dass sie auffliegt. Mae ist die Protagonistin in Franzi Kopkas neuem Dystopie-Roman „Honesty. Was die Wahrheit verbirgt“, der Ende Februar beim Fischer Sauerländer Verlag erschienen ist.

Wer das Buch aufschlägt, entdeckt eine Karte von Sestiby, einem fiktiven Deutschland, in dem Mae mit ihrer Familie lebt. Sestiby ist in acht Ringe aufgeteilt. München ist die Hauptstadt, während Wuppertal, die Stadt, in der Franzi Kopka aufgewachsen ist, zwischen Ring sechs und sieben zu verorten wäre.

Franzi Kopkas Interesse an Dystopien begann mit der Reihe „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins. „Erst bin ich da über viele gesellschaftliche Themen gestolpert, in die ich aber dann gut reingefunden habe“, sagt sie. „Und dann kam die erste Faszination und auch die Frage: ‚Warum lässt eine Gesellschaft das mit sich machen?‘ und ‚Wie komme ich da überhaupt hin?’ Und durch das Gedankenspiel kamen auch meine eigenen Ideen.“

Die Idee zu „Honesty“ hatte Kopka bereits 2011, stammt also aus einer Zeit, in der von Pandemie noch keine Rede und Künstliche Intelligenz noch nicht so weit entwickelt war. Weitere Versionen folgten, bis die finale Fassung 2021 ins Lektorat ging. „Es war auch einfach die Gesellschaft, die da mit reingespielt hat, die dann einfach dafür gesorgt hat, dass ich es noch einmal anders entwickeln und umschreiben musste“, erzählt sie.

Die gesellschaftlichen Themen, die in Dystopien beleuchtet werden, machen für sie den Reiz des Genres aus. „Eine Dystopie nimmt sich in der Regel immer einen Aspekt, den wir heute haben, der ins Extreme weitergesponnen wird. Man kann dadurch vieles verpacken, das einen jetzt schon beschäftigt.“ Wie etwa die Entwicklungen bei Künstlichen Intelligenzen. „Obwohl ich Dystopien schreibe, also eher die nicht positiven Zukunftsszenarien, habe ich auch immer ein paar utopische Ansätze mit drin. Also gerade, wenn es um Gendergerechtigkeit oder Geschlechtsidentitäten geht, das kann ich immer total schön mit einbinden.“ So ist „Honesty“ auch komplett geschlechtsneutral geschrieben.

Mit dem Schreiben hat sie schon in frühen Jahren begonnen. „Meine Mutter ist gelernte Buchhändlerin, hat auch hier in Wuppertal gearbeitet, ihre Ausbildung auch hier gemacht und das heißt, dass wir immer Bücher im Haus hatten“, erzählt Kopka. „Ich bin also mit Geschichten aufgewachsen.“ Bereits in der Grundschule schrieb sie ihre ersten Gedichte und Kurzgeschichten und fing mit zehn Jahren an, ihren ersten Roman zu schreiben.

Im Jahr 2023 kam ihr Debüt heraus, der Roman „Gameshow – Der Preis der Gier“. Der Roman ist ebenfalls eine Dystopie und verfolgt die Geschichte von Cass, die in einem gesellschaftlichen System lebt, das komplett auf lebensgefährlichen Wettspielen aufgebaut ist. Das Werk war auch für den Phantastikpreis „Seraph“ in der Kategorie „Bestes Debüt“ nominiert, der bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse verliehen worden ist.