Auszeichnung für Macher der Holzshirts

Auszeichnung für Macher der Holzshirts

Die Wijld GmbH erhält den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Jungunternehmen setzt auf Umwelt und Mode.

Seit gut eineinhalb Jahren produziert und verschickt das Start-up „Wijld“ seine aus Holzfasern hergestellten T-Shirts, jetzt hat das junge Wuppertaler Unternehmen auch von offizieller Seite eine wichtige Anerkennung erhalten. Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis errang es den ersten Platz in der Kategorie „Change“. Die Auszeichnung wurde vor einigen Tagen in Düsseldorf überreicht. Timo Beelow, einer der drei Gründer der Wijld GmbH, freut sich über die Auszeichnung, gibt sich ansonsten aber bescheiden. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen würden“, sagt er.

Die Konkurrenz mit den anderen Start-ups sei einfach sehr groß gewesen. Immerhin gingen 164 Konkurrenten in dem Wettbewerb mit an den Start. Eine Geldsumme ist mit dem Preis nicht verbunden, dafür darf „Wijld“ mit dem Logo des Deutschen Nachhaltigkeitspreises auftreten, zudem erhält das Unternehmen Beratungsleistungen. Offenbar konnte das Start-up, das seinen Geschäftssitz im Wuppertaler Technologiezentrum W-Tec hat, mit seinem Konzept der „Woodshirts“ überzeugen. Dabei sei die Herstellung von Kleidungsstücken aus Holz nicht neu und schon seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, räumt Beelow ein.

Neu — und in diesem Sinne auch ein Alleinstellungsmerkmal — sei jedoch, dass das Unternehmen gleich drei wichtige Aspekte in seinem operativen Geschäft kombiniert: die Idee des fairen Handels, der nachhaltigen Herstellung und der Produktion in Europa. So lässt die Wijld GmbH die veganen T-Shirts sowie mittlerweile auch Sweatshirts und Kapuzenpullis in Portugal produzieren. Das genutzte Holz stammt ausschließlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft, zudem wird ein Anteil Bio-Baumwolle bei der Produktion dazu gegeben. Die Herstellung ist den Angaben zufolge sehr ressourcenschonend — so werden laut Wijld je produziertem T-Shirt 1000 Liter Wasser, 150 Milliliter Chemie und 600 Gramm Kohlendioxid eingespart.

Am Tragekomfort müssten gleichwohl keine Einschränkungen gemacht werden, erklärt das Unternehmen. Der Stoff ist „tatsächlich sehr weich und trägt sich wie eine zweite Haut“, sagt Mitgründerin Aline Hauck. Die aus Holz gewonnenen Fasern seien sehr glatt, wodurch die Reibung auf der Haut verringert werde. Zudem sei das Material robuster und langlebiger als reine Baumwoll-Kleidung. Dass Nachhaltigkeit und Hipness sich nicht ausschließen, beweisen die modernen Designs, in denen die T- oder Sweatshirts angeboten werden.

Dazu arbeitet das Unternehmen mit jungen Designern zusammen. Die Preise liegen zudem im marktüblichen Rahmen. Bislang hat Wijld nach Angaben von Beelow mehr als 10 000 Artikel verkauft. Derzeit vertreibt die Wijld GmbH seine T-Shirts vornehmlich über das Internet (www.wijld.com) - und das soll nach Angaben von Beelow auch so bleiben: „Wenn wir unsere Sachen über den stationären Handel anbieten, wird es zu teuer.“ Faire Preise könnten dann nicht mehr gewährleistet werden.

Zudem bietet das digitale Einkaufen dem Kunden die Möglichkeit, sich sein Kleidungsstück an Computer oder Smartphone auszusuchen und zu konfigurieren. Kleiner Nachteil: Die individuell konfigurierten T-Shirts können nicht mehr umgetauscht werden. Auch Unternehmen wird die Möglichkeit geboten, sich über einen T-Shirt-Aufdruck bekannt zu machen - und so an seinem „Corporate Design“ zu arbeiten.

Derzeit zählt die Belegschaft von Wijld fünf Mitarbeiter — in Wuppertal finden sich Verwaltung, Lager und Versand. Teilweise werden einige der Kleidungsstücke auch schon in einem Betrieb in Castrop-Rauxel bedruckt. Langfristig sei es zudem geplant, die Produktion nach Wuppertal zu holen, sagt Beelow. Damit könne das junge Unternehmen dann wieder an die lange Textiltradition am Standort anknüpfen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung