Kultur Ausstellung an der Hofaue in Wuppertal zeigt Visionen für ein queeres Leben

Wuppertal · Die Werkschau richtet sich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung – auch mit plastischer Darstellung.

Im Austausch: Ida Schiele, Janosch Raudner, Anna Timtchenko, Jakob Plaß und Ben.Jasmin Schiele (v.l.).

Im Austausch: Ida Schiele, Janosch Raudner, Anna Timtchenko, Jakob Plaß und Ben.Jasmin Schiele (v.l.).

Foto: Anna Schwartz

Philine Halstenbach vom „Neuen Kunstverein“ sprach von einer Geste des Teilens und einer glücklichen Fügung, dass die jungen Künstler in den Räumen an der Hofaue ihre Werke zeigen können. Die Forderungen der Queeren Szene nach mehr „Space“, nach mehr Räumen sich darstellen zu können, sei nachvollziehbar. Und auch Anne Timtchenko ist der Meinung, dass solche Angebote für queere Menschen fehlen. Zusammen mit Ben.Jasmin Schiele, Ida Schiele, Janosch Raudner und Jako Plaß zeigt sie in der Ausstellung „Wanting to be human too, I sought for evidence that I was“ ihre künstlerischen Arbeiten.

Der Zusammenschluss der queeren Community als wehrhafte Technik gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung, als Darlegung der eigenen Existenz und Selbstversicherung. Sie setzen sich auseinander mit der jahrhundertealten Praxis, queeres Dasein zu stigmatisieren und auszulöschen, sowohl im privaten wie im öffentlichen Leben. Queeres Leben existierte oft nur im Verborgenen, wurde aus den Archiven ferngehalten.

In der Ausstellung zeigten die Künstlerinnen und Künstler, wie vielfältig diese Problematik verhandelt werden kann. Timtchenkos Bilder, auf denen eine Frau auf einem Tablett abgeschnittene Brüste präsentiert, liegt die Legende der heiligen Agatha zugrunde. Weil diese den Heiratsantrag des heidnischen Statthalters von Sizilien, Quintinianus ablehnte, da sie Jungfräulichkeit um des Himmels willen gelobt hatte, verschleppte dieser sie für einen Monat in ein Freudenhaus. Nach ihrer erneuten Ablehnung ließ er ihr die Brüste abschneiden. Dieses Element greift Timtchenko in ihren großen Bildern vor dem Hintergrund auf, dass bei Geschlechtstransformationen die Betroffenen bewusst und freiwillig  sich Geschlechtsteile entfernen lassen. Ergibt sich daraus die Frage „Was  ist man ohne  seine Geschlechtsteile?“ gibt es nur die Antwort „Der/dieselbe“.

Janosch Raudner zeigt zwei bedruckte Teppiche. „Ich beschäftige mich mir der historischen Einordnung queerer Codes.“  Ein altes englisches Lied, als Symbol für den Wandel, umrandet die von ihm selbst entworfene Szenerie. Sparten- und medienübergreifend werden in der Ausstellung institutionelle und medizinische Narrative hinterfragt. Die Thematik von cisgender und transgender, Weiblichkeit/Männlichkeit, eine Auseinandersetzung mit Körpern, Nacktheit und Lust durch plastische Darstellungen und Fotos.

Als Nächstes steht ein
Trans-Spieleabend an

Die Ausstellung  ist ein offener Diskurs der „...Leerstellen in den Archiven aufzeigt, queere Symbolik in der (Kunst-)Geschichte verortet und Visionen für ein queeres Leben im Jetzt und in der Zukunft imaginiert“.  Ein Rahmenprogramm mit Lesungen, lecture performances und Workshops ergänzt die Ausstellung und lädt ein, sich an einem diskursiven Forschungsprozess zu beteiligen und gemeinsame Utopien zu entwickeln.

Das Projekt wurde ermöglicht durch die Fakultät 8 der Bergischen Universität, dem queeren Zentrum Wuppertal Inside:Out und den Neuen Kunstverein Wuppertal. Die nächste Veranstaltung ist am 7. Juli um 19 Uhr. Dann gibt es einen Trans-Spieleabend. Die Ausstellung in der Hofaue 51 läuft bis zum 30 Juli und ist Donnerstag und Freitag von 17 bis 20 Uhr und Samstag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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