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Ausreißerinnen halten Wuppertaler Polizei auf Trab

Wuppertaler Polizei-Tagebuch : Ausreißer halten die Polizei auf Trab

Nele Ernst berichtet von einer Schlägerei und Familienärger.

In einem meiner Nachtdienste wurden wir mit weiteren Einsatzfahrzeugen aus Elberfeld zu einer Schlägerei gerufen. Vor Ort konnten wir nur noch das verletzte Opfer und zwei Zeugen antreffen. Dem Verletzten schien es körperlich zunächst einigermaßen gut zu gehen, sodass wir ihn und die Zeugen zunächst zur Fluchtrichtung der Täter befragen konnten. Mit einem schwarzen Audi seien sie davongefahren, nachdem sie den Geschädigten und seinen Arbeitskollegen aus dem Nichts zusammengeschlagen haben.

Da sich der Arbeitskollege nicht mehr vor Ort befand, vermutete der Mann, dass er in das Fluchtfahrzeug gezerrt und entführt wurde. Es wurde also sofort eine Fahndung nach den unbekannten Tätern eingeleitet. Außerdem teilte der Mann uns mit, dass er zuckerkrank sei und dringend Zucker brauche. Da zu diesem Zeitpunkt noch kein Rettungswagen vor Ort war, mussten wir also improvisieren. Glücklicherweise hatte ein unbeteiligter Anwohner eine Packung Traubenzucker und Zuckerwasser für den Geschädigten. Parallel galt es, den Sachverhalt aufzunehmen und alle relevanten Informationen an die Leitstelle und die weiteren Einsatzkräfte weiterzugeben.

Zu Beginn war also alles etwas hektisch und wir mussten uns erstmal einen Überblick verschaffen. Da wir aber immer mindestens zu zweit unterwegs sind, kriegt man auch das gemeistert. Der Geschädigte wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Die flüchtigen Täter und das Fluchtfahrzeug wurden an diesem Abend nicht mehr gefunden. Nun ermittelt unsere Kriminalpolizei.

Zu unserem Alltagsgeschäft zählen auch Einsätze der Häuslichen Gewalt. Das sind insbesondere Streitigkeiten innerhalb von Familien oder Partnerschaften. Ob sich diese Einsatzanlässe aufgrund der bekannten Ausgangseinschränkungen für die Bürger vermehrt haben, wird sich statistisch noch zeigen.

Aus Eifersucht hatte ein Beschuldigter seiner Partnerin ins Gesicht geschlagen, während sich die beiden Kinder der Frau in der gemeinsamen Wohnung aufhielten. Als meine Kollegin und ich vor Ort waren, um den Sachverhalt für die anschließende Strafanzeige aufzunehmen, fing die Frau immer wieder an zu weinen. Sie war von dem Ereignis sichtlich schockiert – so etwas sei in ihrer Partnerschaft bisher noch nie vorgekommen. Der Beschuldigte war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr vor Ort. Ihn konnten wir etwas später an einer anderen Adresse antreffen und ihm eine Wohnungsverweisung sowie ein zehntägiges Rückkehrverbot für die gemeinsame Wohnung aussprechen. Dadurch wird sowohl seiner Partnerin als auch ihm zunächst genügend Freiraum gegeben, um sich über die Geschehnisse Gedanken machen zu können.

Letzte Woche kam es unmittelbar vor unserem Feierabend noch zu einem weiteren Einsatz. Eine Frau gab an, dass sie aus der Nachbarwohnung über sich lautes Gepolter und Schreie wahrnehmen könne. Zum Einsatzort ging es also mit Sonder- und Wegerechten. An der Wohnungstür angekommen, konnte schnell geklärt werden, dass es sich diesmal um keine häusliche Gewalt handelte. Es ging um die minderjährige Tochter, die nicht verstehen wollte, dass sie sich um sechs Uhr morgens, insbesondere zu Zeiten von Corona, nicht mit ihren Freunden draußen treffen darf. Auch als meine Kollegin und ich auf sie einredeten, zeigte sie wenig Verständnis.

Wenig später klopfte es bei der Familie an der Wohnungstür und eine weitere besorgte Mutter stand vor uns. Ihre minderjährige Tochter sei wieder die ganze Nacht über verschwunden. Es stellte sich heraus, dass die beiden Ausreißerinnen beste Freundinnen sind und das gleiche Hobby teilen: Nachts, zu für sie verbotenen Zeiten, durch Vohwinkels Straßen zu ziehen und dadurch immer wieder Polizeieinsätze auszulösen.