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Aus Wuppertal in die Welt - Der rastlose Entwicklungshelfer

Aus Wuppertal in die Welt - Der rastlose Entwicklungshelfer

Klaus Dieter Peters ist seit 50 Jahren weltweit unterwegs.

Katernberg. Klaus Dieter Peters ist gerade 75 Jahre alt geworden, hat seinen Geburtstag in Myanmar als Leiter eines Entwicklungshilfeprojekts der Deutschen Welthungerhilfe verbracht und ist gerade erst nach Hause zurückgekommen. Doch auf dem Tisch des Katernbergers liegen schon wieder zwei Anfragen. Wenn der gebürtige Wuppertaler eines nicht kennt, dann ist es, sich zur Ruhe zu setzen und Däumchen zu drehen.

Irgendwie schade, denn auf Sumatra oder in Neu Guinea, in Sambia oder Sierra Leone kommt er nicht dazu, weiter am Manuskript über seine Erinnerungen zu arbeiten. Zu erzählen hat er eine ganze Menge. Er stammt aus einer achtköpfigen Familie, hat selbst vier Kinder und sechs Enkel. Klaus Dieter zog es früh aufs Land und in die Welt: Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre bei der Stadtgärtnerei und danach ein Praktikum bei einem Bergbauern in der Schweiz, rückblickend gesehen „mit die härteste Prüfung“ seines Lebens.

Nach einer Fahrt mit dem Fahrrad über die Alpen nach Italien und Frankreich sowie drei weiteren Lehr- und Wanderjahren zurück in der Heimat, schaffte er es dann im Studium bis zum Diplom-Agraringenieur. Es war sein jüngerer Bruder Jürgen, Maschinenbauingenieur von Beruf, der für die Rheinische Mission als technischer Lehrer nach Nord-Sumatra ging und ihn davon überzeugte, dass auf junge Christen eine Aufgabe in Übersee warte. Die Mission suchte dringend einen Landwirt für das heute zu Indonesien gehörende West Neu Guinea. „Ich war dann der gesuchte Agrarfachmann, der für fünf Jahre diese Herausforderung annahm.“ Weitere Arbeitgeber in Übersee waren später unter anderem die Hoechst AG, Christian Aid und die Welthungerhilfe.

Das Volk der Yalis in den Bergen von Neu Guinea, bei dem er dann seinen ersten Einsatz machte, hatte Jahrhunderte in Isolation von der übrigen Welt gelebt und betrieb steinzeitlichen Gartenbau im Hochgebirge. Die Yalis kannten noch den Kannibalismus als einen Racheakt, der an den schlimmsten Feinden vollzogen wurde. Die Sprache ist der Schlüssel zum Herzen der Menschen, sagte sich Peters, weshalb er vor Ort etwas von der grammatisch sehr schweren Sprache lernte, genau so wie später Indonesisch oder das in Westafrika gesprochene Krio. Sein entwicklungspolitisches Credo lautet: Immer die zumutbare Eigenbeteiligung einfordern und nie etwas verschenken. Ob ein Brunnen gebohrt oder eine neue Kartoffelsorte angebaut werden soll: „Die Menschen müssen der Überzeugung sein, dass ihnen die neue Herangehensweise persönlich nutzt. Wenn sie einmal Feuer gefangen haben, setzt das erworbene Wissen ungeahnte Energien frei.“

Oberlehrer und Besserwisser aber bleiben besser zu Hause. „Wir arbeiten an Problemlösungen, um den Leuten zu helfen, und sind keine Apostel der Zivilisation.“ 50 Jahre Entwicklungshilfe waren für ihn, meint er rückblickend, ein „erfolgreiches, schönes, interessantes, aber nicht immer sehr bequemes Leben“