August-Jung-Weg in Wuppertal: Anwohner halten an Kritik an fest

Wohnbebauung : Anwohner halten an Kritik an Bebauung fest

OB Andreas Mucke versuchte, bei einem Ortstermin am August-Jung-Weg zu vermitteln.

„Wir sind gegen jede weitere Zupflasterung des Katernbergs und kämpfen deshalb auch gegen eine weitere Bebauung des August-Jung-Weges“, heißt es seitens der von André Helsper und Rainer Bott angeführten Initiative der Anwohner. Die hatte am Montag um 14.30 Uhr zu einem Ortstermin eingeladen, zu dem Oberbürgermeister Andreas Mucke, sein Büroleiter Michael Telian und Marc Walter (Ressort Bauleitplanung) aus dem Rathaus gekommen waren. Sie informierten sich an der 24 000 Quadratmeter großen, für eine Bebauung vorgesehenen Wiese über die Argumente der rund 70 Anwohner, die trotz Temperaturen nahe der Frostgrenze und der für Arbeitnehmer frühen Stunde gekommen waren. Die von Wald umgebene Wiese ist seit 2005 als Bauland vorgesehen und entspricht auch wohl dem, was sich der Rat der Stadt vorgestellt hat, als er die Verwaltung anwies, Flächen für Wohnbebauung zu schaffen.

Jegliche Bebauung erzeugt bekanntlich nicht nur eine Versiegelung der Flächen sondern blockiert auch, wenigstens zum Teil, die Frischluftzufuhr zur Stadt, wie die Anwohner argumentieren, denen weitere Häuser (17 sind es laut Investor Arealcon GmbH, vertreten durch Matthias Gülich) in ländlicher Idylle ein Dorn im Auge sind. „Häuser von rund zehn Metern Höhe passen überhaupt nicht ins Ortsbild“, ist die Meinung der Anwohner des August-Jung-Weges und der Nachbarn aus dem Umland. Sie befürchten neben einem weiteren Schlag gegen den Klimaschutz durch die nachhaltige Schädigung der Frischluftschneise und der Zerstörung des Lebensraums für Pflanzen und Tiere auch, dass die Abflussmenge bei Starkregen das zu installierende Rohrsystem überfordern und das Regenwasser beispielsweise ungehindert in die Beek und die Grundstücke der dortigen Häuser abfließen würde.

Anwohner kritisieren
aufgestellte Modellrechnung

„Die aufgestellten Modellrechnungen gehen nicht auf“, so André Helsper, der auch auf die durch zusätzliche Besiedlung hervorgerufene Verkehrsmisere in der 30-km/h-Zone am August-Jung-Weg hinwies.

„Das Nadelöhr am denkmalgeschützten Fachwerkhaus würde auch durch eine Verbreiterung der Straße nicht durchlässiger“, lautete ein weiterer Hinweis der Ortsansässigen an das Stadtoberhaupt und seine Mitarbeiter. Nach dem anschließenden Spaziergang zur Terrasse des Ausflugslokals „Karpathen“, ergriffen Mucke und Walter das Wort, sprachen von ergebnisoffenen Diskussionen im Rathaus, ließen aber dabei das Ziel, nämlich Wohnraum auch für anspruchsvolle Bedürfnisse zu schaffen, nicht aus den Augen. „Ich hoffe, dass ein Kompromiss gefunden wird“, meinte Andreas Mucke abschließend.

Matthias Gülich vom Investor Arealcon, die das Areal 2014 von einer Erbengemeinschaft erworben hat, zu den Argumenten der Initiative befragt, stellte klar: „Bisher haben wir neun Interessenten für die insgesamt 17 Häuser vorgemerkt, die Baugrundstücke für 650 bis 1100 Quadratmeter erwerben wollen. Bei keinem der bisherigen möglichen Bauherrn sind Häuser von zehn Metern Höhe geplant. Es stehen etwa 24 000 Quadratmeter zur Verfügung, von denen lediglich 13 000 bauwirtschaftlich genutzt, aber auch bepflanzt werden sollen. Der Rest bleibt auch weiterhin Naturfläche“.

Außerdem weist Gülich darauf hin, dass alle, die jetzt keine weitere Bebauung wollen, selbst einmal auf der „grünen Wiese“ gebaut oder dort bestehende Häuser erworben haben. Was die Verwirklichung der Baupläne angeht, ist Gülich zuversichtlich. „Ich hoffe, dass bis Ende 2020 alle Grundstücke verkauft sind und dass die Baumaßnahme Ende 2022 abgeschlossen ist.“