Auftrag der Stadt Wuppertal: Innen- vor Außenentwicklung

Stadtentwicklung : Verwaltung: „Der Auftrag der Stadt ist Innen- vor Außenentwicklung“

Die Angst, dass nur auf der grünen Wiese gebaut wird, ist laut Stadt unbegründet.

Die Stadt habe einen klaren Auftrag, sagt Frithjof Look, Abteilungsleiter Stadtentwicklung im Rathaus: „Innen- vor Außenentwicklung.“ Die Angst, die immer wieder geäußert werde, dass nur noch auf der grünen Wiese gebaut würde, „ist unbegründet“. Mit dem Innenentwicklungskonzept, das gerade in Arbeit sei, arbeite man daran, die Potenzialflächen im innerstädtischen Bereich herauszuarbeiten. Look nennt sie „Möglichkeitsräume“.

Was Wuppertal in dieser Hinsicht besonders, aber auch nicht ganz einfach mache: „Es ist sehr kleinteilig.“ Es gebe viele Gemengelagen, das Stadtgebiet sei durchsetzt von Gewerbebetrieben, „der DNA der Stadt“. Die Arbeit in Wuppertal sei deshalb spannend, sagt der Stadtentwickler, der seit 2018 im Rathaus sitzt, und schmunzelt. „Köln kann jeder.“

Die Kleinteiligkeit gelte zum Beispiel auch für die Eigentümerstruktur, es gebe viele Einzel- und Privatbesitzer. Man arbeite an Konzepten, diese noch besser zu erreichen. Insbesondere bei der Erschließung von Potenzialflächen sei dies ein wichtiger Punkt.

Ein wichtiges Ziel: Baulücken sollen geschlossen werden. Dass ein privater Investor zum Beispiel die seit Jahrzehnten als Parkfläche benutzte Fläche an der Luisenstraße derzeit bebaut und dort Büros und Wohnungen schafft, sei positiv, betont Look.

Parkplätze sind aktuell auch vorherrschend an der Aue in Elberfeld. Ein großer Bereich zwischen Burger King und Staples gehört einem Wuppertaler Investor — der bereits seit Jahren in den Planungen und mit der Stadt im Gespräch über eine Neuentwicklung der Flächen ist. Bald sollen auch erste Arbeiten beginnen, wie er gegenüber der WZ erklärt.

Angedacht ist dort unter anderem der Bau eines Verwaltungsgebäudes mit Büros, sowie eines Discounters mit einem mehrgeschossigen Parkhaus oben drüber. Letzteres dürften viele Kritiker positiv sehen, die bei den „klassischen“ Bauten von Lidl, Aldi & Co. von Platzverschwendung sprechen. Wohnen würde allerdings erst im zweiten Planungsabschnitt realisiert werden und zwar im Bereich von Staples. Das dauere aber deshalb noch ein paar Jahre länger, weil der Büroausstatter noch einen langfristigen Mietvertrag besitzt, so der Investor.

Look sieht aber auch noch andere Möglichkeiten durch Umnutzungen, etwa leerstehender Ladenlokale, für Wohnen. Was in Düsseldorf, das bekanntlich über einen hart umkämpften Wohnungsmarkt verfügt, weit verbreitet ist, ist in Wuppertal noch eine Ausnahme. Im EKZ Röttgen gibt es aber zum Beispiel bereits einen Investor, der den schon lange leer stehenden Supermarkt dort umbauen will. Dort sollen barrierefreie Wohnungen entstehen.

Look widerspricht Kritikern, wonach Wuppertal einen sehr großen Leerstand habe. „Das stimmt so nicht.“ Aktuell gebe es in der Stadt etwa 10 000 leerstehende Wohnungen, was einer Verringerung von gut 2500 Wohnungen in den vergangenen sieben Jahren entspräche. Und: „Wir haben auf jeden Fall Zuzug, auch aus anderen Städten.“ Was aber auch richtig sei, ist die Tatsache, dass viele dieser Leerstände einen dringenden Sanierungsbedarf haben.

Die Einflussnahme der Verwaltung, was Häuser oder Grundstücke angeht, sei aber begrenzt, wenn die Stadt nicht Eigentümer sei, so Look. Ein Negativbeispiel nennt er am Rott, wo ein Einzelhaus praktisch umgeben von Hallen- und Riegelbauten entstanden sei. Diese Fläche, heißt es aus dem Rathaus, hätte besser entwickelt werden können.

Als gelungenes eigenes Projekt sieht die Verwaltung die „Stadthäuser Harmoniestraße“: Auf 2300 Quadratmetern kommunaler Fläche, die vorher als Parkplatz genutzt worden waren, entstanden Wohnhäuser.

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