Aufräumen nach der Apokalypse: Ehrung für die Trümmerfrauen

Aufräumen nach der Apokalypse: Ehrung für die Trümmerfrauen

Seit Dienstag erinnert eine Tafel an die vielen Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Schutt der Bombenangriffe auf Wuppertal wegräumen mussten.

Wuppertal. Viele weilen nicht mehr unter uns oder sind mittlerweile weit über 80 Jahre alt: Die Frauen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Wuppertals Trümmer kämpften, um der Stadt wieder ein vorzeigbares Gesicht zu verleihen. Nachdem ihre Männer verschollen, an der Front gefallen oder in Kriegsgefangenschaft geraten waren, blieb ihnen allein die knochenharte Arbeit.

Manch eine Frau dürfte diese Arbeit als Strafe für das empfunden haben, was Deutschland durch die Kriegsschuld den Nachbarn an Elend zugefügt hat. Was die Frauen wirklich fühlten, wird nun immer mehr in Vergessenheit geraten. Denn die Zeitzeugen sterben.

Helga Stefes aus Wichlinghausen hat als eine der letzten Trümmerfrauen im vergangenen Jahr einem Fernsehteam von ihren Erlebnissen berichtet. Dabei erzählte sie auch, dass sie wegen ihrer Schwangerschaft an den schwersten Arbeiten nicht mehr teilnehmen durfte und deshalb für die Essenszuteilung sorgte.

Als am Dienstag zum Gedenken an Deutschlands Kapitulation am 8. Mai 1945 im Rathaus eine Erinnerungsstele für Wuppertals Trümmerfrauen eingeweiht wurde, da konnte Helga Stefes diese Ehrung nicht mehr miterleben. Sie, die ihre letzten sieben Lebensjahre in einem Pflegeheim verbracht hatte, ist kürzlich verstorben.

Auf fünf Millionen Tonnen wird der Schutt geschätzt, der nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs über Wuppertal verstreut lag. Es kostete unvorstellbare Mühe, in diesem gespenstischen Chaos wieder Ordnung zu schaffen. Seit langem ist es Zeit, die Arbeit der Aufräumerinnen durch eine Gedenktafel zu würdigen. Doch erst der 2009 gegründete Förderverein „Trümmerfrauen Wuppertal“ nahm die Aufgabe in Angriff.

Die Idee gehe auf das Jahr 2008 zurück, sagte die Vereinsvorsitzende Ingeborg Galbrecht am Dienstag im Rathaus. Sie sei damals auf Einladung des VdK nach Hamm gereist und habe dort an der Einweihung eines solchen Denkmals teilgenommen. Auf dieses Schlüsselerlebnis folgte der Zusammenschluss mit weiteren Frauen der Nachkriegsgeneration. Der Rest sei mühevolles Werben um Mitglieder, Sponsoren und Förderer gewesen.

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