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Auf Streife in Wuppertal mit Nele Ernst und Max Bieringer

Kolumne : Auf Streife in Wuppertal mit Nele Ernst und Max Bieringer

Für die Leser der Westdeutschen Zeitung führen zwei junge Wuppertaler Polizisten ein Tagebuch.

Die ersten Monate sind um. Seit Sommer dieses Jahres sind Nele Ernst und Max Bieringer Polizisten in Wuppertal, gern, sehr gern sogar. Nachtschichten? Kein Problem. Langeweile? Kein bisschen. Die beiden gehen auf in einem Beruf, der ihnen gewissermaßen in die Wiege gelegt worden ist. „Meine Eltern sind Polizisten“, sagt Nele Ernst. „Mein Vater hat bis zu seiner Pension in einer Hundertschaft gearbeitet, meine Mutter ist im Bezirksdienst“, berichtet sie. Irgendwie lag es für die 23 Jahre alte Fachabiturientin aus Münster auf der Hand, dass sie in die Fußstapfen der Eltern treten würde. Sollte es je Bedenken gegeben haben, dann wurden sie in einem Praktikum noch während der Schulzeit ausgeräumt. „Danach wusste ich, dass ich Polizistin werden will, unbedingt“, erinnert sie sich.

Anscheinend ist Neles Werdegang typisch. „Mein Vater ist auch Polizist“, sagt Max Bieringer (22). Zweifel an seiner Berufswahl hatte er nie. Nach dem Abitur stieg er in den Dienst ein. Heute ist Barmen sein Revier, ein ebenso spannendes wie herausforderndes. „Bei uns in Vohwinkel ist es ein wenig ruhiger“, sagt Nele Ernst. Ganz ruhig ist es freilich nie, nirgendwo in Wuppertal, wenn die Stadt auch verhältnismäßig sicher ist. Lediglich ein Gebiet gilt seit Jahr und Tag als krimineller Brennpunkt. Um den Berliner Platz in Oberbarmen tummeln sich auffallend viele, die Recht und Gesetz ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen unterordnen. Max Bieringer weiß das, es ist auf Streife sein täglich Brot. Aber es ist nichts, das der junge Polizist überbewerten wollte. Seit es die Sonderkommission Rosenau gibt, ist die Lage ruhiger geworden. Und vor allem ist Wuppertal kein Vergleich mit Köln, wo die Polizei zwölf solcher Brennpunkte kennt.

Dennoch sind Kriminalität und Gewalt ebenso ständige Begleiter der Polizisten in Wuppertal wie Verkehrsunfälle und der Dialog mit Menschen. Der hat sich über die Jahre verändert, findet Nele Ernst. Ihre Eltern haben ihr von einem anderen Verhalten gegenüber Beamten berichtet. „Früher ist es wohl ein bisschen respektvoller zugegangen“, sagt sie. Umso wichtiger ist für die beiden Polizisten, dass sie Deeskalation gelernt haben. Der Umgang mit Menschen verschiedener Kulturkreise gehört heute zur Vorbereitung von Beamten im Streifendienst. „Das hilft sehr“, sagt Max Bieringer. Und es führt vielleicht auch dazu, dass Polizisten schon in jungen Jahren äußerst abgeklärt und erwachsen wirken. Nele Ernst und Max Bieringer sind dafür Paradebeispiele.

Das Vorbild der Eltern scheint bewirkt zu haben, dass die beiden sich ihrer Arbeit am Funktionieren der Gesellschaft unromantisch nähern. Die Darstellung von Polizeiarbeit im Fernsehen nötigt ihnen erst recht ein mitleidiges Lächeln ab, seit sie die Realität kennen. „Da sind mache Verfahrensweisen schon seltsam“, sagt Nele Ernst. Der Alltag ist auf jeden Fall anders. Er besteht aus Früh-, Spät- oder Nachtschicht. Er besteht aus harmlosen Nachbarschaftsstreitereien, kleiner, manchmal großer Kriminalität, er besteht aus Verkehrsunfällen und überwiegend daraus, den Menschen in Wuppertal ein Gefühl von Sicherheit zu geben. So empfinden offenbar die meisten die Begegnung mit der Polizei. Und auch das macht für die beiden den Reiz ihres Berufes aus. Es hilft, die Kehrseiten der Medaille zu verarbeiten. Ja, sagen sie, sicher hätten sie auch schon Leichen sehen müssen. Bei Nele Ernst war das gar im Praktikum der Fall. „Am Anfang ist das schwierig, aber wir müssen da schnell Professionalität entwickeln“, erklärt Max Bieringer. Den beiden sei das auch dank der Unterstützung älterer Kollegen schon ganz gut gelungen.

Was Nele Ernst und Max Bieringer auf Streife in Wuppertal erleben, werden sie den Lesern der Westdeutschen Zeitung im wöchentlichen Wechsel an jedem Mittwoch berichten und zeigen, dass die Stadt bei ihnen und ihren Kollegen in sehr guten Händen ist.