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Auf der Wuppertaler Sambatrasse gegen den Lagerkoller

Freizeit : Auf der Sambatrasse gegen den Lagerkoller

Radfahrer und Jogger halten sich meistens an die Regeln und wahren den Abstand.

Sport zu treiben auf die gewohnte Weise, das fällt in der aktuellen Situation schwer. Die Corona-Pandemie sorgte für Schließungen von Fitnessstudios und Sporthallen, Vereine mussten den Trainings- und Wettbewerbsbetrieb einstellen. Alternativen ergeben sich dadurch nur im Eigenheim oder an der frischen Luft. Ohnehin kann, wer sich draußen bewegen will, das nicht auf gewohnte Weise tun. Kontakte sollen schon seit Längerem minimiert werden.

Nun hat die Bundesregierung darüber hinaus angeordnet, sich nur zu zwei Personen oder mit dem engen Familienkreis zu treffen. Die Maßnahmen rund um Corona betreffen also längst nicht mehr nur jene, die geregelt Sport treiben möchten, sondern auch Spaziergänger.

Auf der Sambatrasse in Wuppertals Süden bietet sich dennoch ein lebhaftes Bild. Radfahren, Joggen und Nordic-Walking erfreuen sich nach wie vor reger Beliebtheit. Auch gehen viele gerade jetzt zu Fuß vor die Tür, weil „Sauerstoff gut tut“, wie Anne Schnittert findet. Die Rentnerin gehört mit ihren über 80 Jahren zur von dem Virus gefährdeten Gruppe. Sie empfindet den Spaziergang nicht als riskant: „Ich bin allein draußen, man kann nicht nur zu Hause bleiben.“ Auf der Sambatrasse sei sie nicht gefährdeter als in anderen Alltagssituationen, einkaufen müsse sie ja ohnehin noch. Darum will sie sich auch in Krisenzeiten gern bewegen, denn: „Gott sei Dank kann ich noch laufen“, sagt Schnittert und schmunzelt. „Wenn ich meine Runde gedreht habe, dann ist mein Tagwerk vollbracht.“

Das Tagwerk zu vollbringen, darum geht es auch Familie Schabedoth. „Wir wollen verhindern, dass uns zu Hause das Dach auf den Kopf fällt“. Darum ist die vierköpfige Familie einmal täglich zu Fuß unterwegs, bleibt davon abgesehen aber strikt daheim. „Es gibt eine klare Empfehlung, wir versuchen, uns daran zu halten.“

Auch mit dem Sport soll der Lagerkoller umgangen werden. Zwei Nordic-Walkerinnen bewegen sich behelfsmäßig auf der Sambatrasse, „weil unser Sportstudio geschlossen ist“. Auch sie halten die Betätigung an der Luft für wichtig, sehen in ihr aber keine besondere Infektionsgefahr: „Man muss sich ja bewegen, dabei halten wir immer Abstand.“ Eine allgemeine Ausgangssperre, wie sie bisher noch nicht beschlossen wurde, halten die beiden Sportlerinnen für möglich. Auslöser könnten in ihren Augen jedoch vielmehr unbedachte Partys sein. „An den Sportlern wird es nicht liegen“. Dem schloss sich eine Fahrradfahrerin an, die auf der Trasse einen bewussten Umgang mit dem Thema Corona wahrnimmt. „Hier halten sich alle überwiegend an die Richtlinien.“ Der Ernst der Lage ist also den Menschen hier durchaus bewusst, wie Lucian Stein bestätigt. Beruflich ist der Radfahrer in der Pflege beheimatet und weiß deshalb: „Das Ganze ist kein Spiel.“

Im Café Podzelny gibt es noch
„Seelentröster“ zum Mitnehmen

Das allgemeine Bewusstsein bemerkt auch Silke Möseler-Lecce. Die Inhaberin des Café Podzelny am Cronenfeld zeigt Verständnis für die ergriffenen Maßnahmen. Zwar kann die Terrasse direkt an der Sambatrasse nicht mehr genutzt werden, der Thekenverkauf ist aber weiterhin möglich. Dabei wird Abstand gewahrt, nur zwei Personen gleichzeitig werden ins Café gelassen.

Die Kundschaft bricht ihr wegen der Corona-Krise nicht weg: „Als Fußgänger hat man ja oft ein Ziel, das ist nun nicht mehr die Terrasse, sondern die Kuchentheke“. Auch Sportler sieht sie weiterhin auf der Trasse: „Vormittags sind viele Jogger unterwegs, weil die Arbeit wegfällt“. Einige ihrer Kunden kommen auch ohne geregelten Betrieb, sie habe gehört, man wolle „die Läden unterstützen, die noch geöffnet haben“. Vor allem in schwierigen Zeiten könne die Konditorei helfen, meint Möseler-Lecce: „Ich verkaufe Seelentröster“.