Auf der Wuppertaler Nordbahntrasse besteht seit fünf Jahren freie Fahrt

Ein Projekt mit Erfolg : Fünf Jahre freie Fahrt auf der Nordbahntrasse

Nachgehakt Die laufenden Bauarbeiten kosten rund drei Millionen Euro und sollen 2020 abgeschlossen sein. Weitere Sanierungen der Strecke stehen an.

Einmal ungehindert über die Straßen sausen, keine störenden Ampeln, andere Fahrzeuge oder parkende Autos in zweiter Reihe – das ist ein Traum vieler Fahrradfahrer, die sich in Städten den wenigen Platz mit zahlreichen Fahrzeugen teilen müssen. In Wuppertal ist das Radfahren wegen der steilen Hänge eine zusätzliche Herausforderung. Seit fünf Jahren gibt es aber eine Erleichterung: die Nordbahntrasse. Der rund 22 Kilometer lange, breit ausgebaute Weg für Fußgänger, Radfahrer und Inlineskater zieht sich von Westen nach Osten durch das nördliche Stadtgebiet. Die ehemalige Eisenbahnstrecke ist fast kreuzungsfrei und vollkommen flach.

„Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte“, sagt Lutz Eßrich, stellvertretender Vorsitzender der Wuppertalbewegung. „Ganz Wuppertal hat sich dadurch verändert.“ Es habe einen Stimmungsaufschwung gegeben und die Wuppertaler könnten sich mit der Strecke identifizieren. Das liegt nach Einschätzung Eßrichs auch daran, dass der Verein die Bevölkerung bei dem Projekt mitgenommen hat. Freiwillige leisteten insgesamt 200 000 Arbeitsstunden. „Etwa 80 Trassenpaten achten darauf, dass die Strecke sauber bleibt, und melden, wenn etwas kaputt geht“, sagt Eßrich.

Seit der Freigabe im Dezember 2014 ist die Nordbahntrasse für die Wuppertaler Bürger weitgehend fertig. Die Bauwerke unterhalb der Trasse sind aber baufällig und müssen saniert werden. Die Stadt Wuppertal investiert bis 2020 etwa drei Millionen Euro. Aktuell wird am Kuhler und am Westkotter Viadukt gearbeitet sowie an der Brücke Germaniastraße. Das Kuhler Viadukt wurde 2014 abgedichtet und die Fahrbahn als Teil der Nordbahntrasse hergestellt. „Am Kuhler Viadukt arbeiten wir uns jetzt seitlich am Mauerwerk nach unten“, sagt Torsten Warning, Abteilungsleiter Konstruktiver Ingenieurbau im Verkehrsressort der Stadt Wuppertal.

Die Bauwerke entlang der Trasse haben einen Unterhaltungsstau

Die Sanierung erfolgt durch Austausch von Steinen und Neuverfugung an den Stellen, an denen Steine und Fugen lose oder stark verwittert sind. Anschließend werden die Bögen, Ansichten, Untersichten und Pfeiler bearbeitet. „Die Bauwerke haben einen erheblichen Unterhaltungsrückstau“, sagt Warning über die Brücken und Viadukte, die von der Bahn übernommen wurden. „Routinemäßige Bauwerksprüfungen haben ergeben, dass Handlungsbedarf besteht.“ Dort wo das größte Gefahrenpotenzial besteht, würden Bauwerke zuerst saniert. Teilweise hängen schon Netze, die herausfallende Steine aufhalten sollen.

Am Westkotter Viadukt soll die Abdichtung des Bauwerks durch den Einbau einer Betonplatte und einer Entwässerungsrinne dauerhaft hergestellt werden. Die Sanierung der stark geschädigten Fassadenflächen der Mauerwerksbögen ist in einem zweiten Bauabschnitt vorgesehen. Die Nordbahntrasse wird über die gesamte Bauzeit von etwa 13 Monaten auf eine Durchgangsbreite von 2,5 bis 3 Meter verengt sein. In den Phasen des Gerüstaufbaus kommt es zu Einschränkungen auf der Westkotter Straße. Für wenige Wochen werden Spurbreiten verengt werden, in einzelnen Nächten muss die Westkotter Straße auch voll gesperrt werden.

Die Nordbahntrasse wird die Stadt länger beschäftigen

„Die Unterseiten der Brücke Germanenstraße werden wir voraussichtlich noch in diesem Jahr bearbeiten können“, sagt Torsten Warning. Das liege daran, dass das Bauvorhaben verhältnismäßig klein sei. Die Sanierung der Gewölbebrücke umfasst zum einen die Sanierung des Mauerwerkes, zum anderen die Abdichtung des Brückenbauwerks sowie die Wandkopfverstärkung der Flügelwände an den angrenzenden Böschungen. Während der Bauarbeiten wird die Nordbahntrasse auf 2,50 Meter eingeengt.

Die Stadt Wuppertal plant weitere Sanierungen, unter anderem des Bartholomäus-Viadukts und des Wichlinghauser Viadukts. „Die Nordbahntrasse wird uns einige Jahre beschäftigen“, kündigt Torsten Warning an. Die Höhe der Kosten für diese Sanierungen steht noch nicht fest.

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