Auf der Nordbahntrasse läuft nichts: Behörde stoppt Eigenausbau

Auf der Nordbahntrasse läuft nichts: Behörde stoppt Eigenausbau

Die Wuppertal Bewegung darf an der Trasse nicht selbst Hand anlegen. Ein geplanter Volkslauf muss deshalb auf die Randstreifen ausweichen.

Wuppertal. Pfarrer Johannes Schimanowski ist als Kind des Ruhrgebiets kein Mann, der schnell die Flinte ins Korn wirft - im Gegenteil. Widerstand spornt ihn an. Zum Glück, denn sonst wäre der Volkslauf auf der Nordbahntrasse an der Nächstebrecker Schleife am 13. September endgültig gestorben.

Der Grund: Die Bezirksregierung will nicht zulassen, dass die Wuppertal Bewegung das Teilstück der stillgelegten Bahntrasse auf eigene Rechnung für die Läufer herrichtet. "Ich bin tief enttäuscht und kann die Entscheidung absolut nicht nachvollziehen", erklärte Schimanowski gegenüber der WZ.

Ähnlich argumentiert auch Carsten Gerhardt von der Wuppertal Bewegung: "Es gibt keine vernünftige Begründung dafür, uns zu verbieten, das Teilstück herzurichten." Zumal der Verein der Ehrenamtler den sogenannten vorzeitigen Maßnahmenbeginn aus eigenen Mitteln vorfinanzieren will. "Wir haben gesponsertes Material, Baufahrzeuge und ehrenamtliche Helfer, um die Trasse zu bauen. Aber wir dürfen nicht. Das ist schwer verständlich", so Gerhardt.

Die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde schiebt den Schwarzen Peter der Stadt zu. Die hat für die Wuppertal Bewegung die Formalitäten übernommen, aber in ihrem Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn wesentliche Punkte nicht berücksichtigt - so die Argumentation in Düsseldorf. "Es fehlen die Befreiungsbescheide nach dem Landschaftsgesetz, außerdem steht die inhaltliche und baurechtliche Prüfung durch die Stadt noch aus", zählte Gerhard Kaltwasser, Sprecher der Bezirksregierung, auf.

Dazu komme, dass das Gelände sich offiziell immer noch im Besitz der Bahn befinde. "Stimmt", sagt Gerhardt, aber auch bei den Verhandlungen der Stadt mit der Bahn vermisst er den nötigen Nachdruck, "um endlich einmal voranzukommen". Ein paar hundert Meter lauffähige Trasse würden ihm schon genügen, denn bei den Mitgliedern der Wuppertal Bewegung macht sich mittlerweile nur noch Unverständnis breit.

Grundsätzlich ist der Umbau der Nordbahntrasse zu einem Fuß- und Radweg nämlich gewollt, die Landesregierung hat bereits Städtebau- und Tourismusfördermittel zugesagt. Doch genehmigt ist noch nichts - und genau dieser Punkt ist für die Stadt entscheidend. "Wir haben alles unternommen, aber wir können noch gar nicht alle geforderten Angaben liefern", sagt Oberbürgermeister Peter Jung. "Deshalb darf das für die Stadt so wichtige Gesamtprojekt Nordbahntrasse wegen einer Einzelmaßnahme nicht gefährdet werden." Diese Gefahr bestehe, wenn man sich durch einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn angreifbar mache.

Pfarrer Schimanowski verhandelt heute noch einmal mit Polizei und Ordnungsamt. Er will den Lauf am 13. September auf jeden Fall anpfeifen. Die Strecke soll dann neben der Trasse entlang führen.

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