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Auf den Spuren Ronsdorfer Geschichte

Kriegshistorie : Auf den Spuren Ronsdorfer Geschichte

Bei einem Rundgang erklärte Dana Thiele die sechs Denkmäler der Parkanlage.

Der Stadtgarten von Ronsdorf. Eine kleine Parkanlage im Ort, ideal für Spaziergänger oder Hundebesitzer. Aber der Stadtgarten ist ebenso schon seit den 1930er-Jahren Gedenkstätte und Friedenspark. Bei einem Rundgang am Samstag führte Dana Thiele von der alten Synagoge, eine Gruppe von sieben Teilnehmern durch den Park. Dabei lag der Fokus auf der Hintergrundgeschichte der sechs Denkmäler.

Zunächst ging es um das große Ehrenmal, das im oberen Bereich der Parkanlage beheimatet ist. Dieses wurde als erstes Denkmal im Ronsdorfer Stadtgarten errichtet. Die Ronsdorfer militärischen Vereine hatten das 1929 beantragt. Mit dem Ehrenmal sollte an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1914-1918) erinnert werden. Der Barmer Architekt Clemens Julius Mangner entwarf das Denkmal, das aus einem Sockel aus Ruhrsandstein und vier Bronzetafeln besteht, auf denen die Namen der 450 gefallenen Ronsdorfer Soldaten verzeichnet sind.

Die Teilnehmer lauschten jedoch nicht nur Thieles Vortrag. Sie diskutierten mit ihr über die Bildsprache und die Stilmittel, welche die Denkmäler benutzten. „Es ist dabei auch immer wichtig, sich zu vergewissern, dass wir es hier größtenteils mit einer westdeutschen Erinnerungskultur zu tun haben“, betonte Thiele.

1981 wurde das Mahnmal „Nie wieder Krieg“ im Rahmen der „Ronsdorfer Friedenswoche“ enthüllt. Hier mache sich die westliche Erinnerungskultur am besten bemerkbar, erzählte Thiele. Das Denkmal mahnt vor dem Hintergrund der Friedensbewegung vor dem Wettrüsten der NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten. „Und die Bewegung entstand ja vorwiegend im Westen“, so Thiele.

Nach der Wende und zum Zeichen der deutschen Einheit ließ die Ronsdorfer CDU-Fraktion 1990 zudem eine Eiche im Stadtgarten pflanzen. Sechs Schilder der neuen Bundesländer umringten diese. Allerdings sind sie, wie Thiele annimmt, inzwischen wahrscheinlich verrottet.

23 Kriegsdienstverweigerer
wurden exekutiert

Das neueste Denkmal im Stadtgarten ist den in Ronsdorf erschossenen Wehrmachtssoldaten gewidmet. Es wurde am 1. September 2019 eröffnet, 80 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939-1945). Das Mahnmal beruht auf einem Entwurf von Schülern der Erich-Fried-Gesamtschule. Zwischen 1940 und 1945 wurden 23 Deserteure, die den Kriegsdienst verweigerten auf dem Schießplatz Erbschlö exekutiert.

„Und erst seit 2002 sind die Deserteure durch einen Bundestagsbeschluss offiziell als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt“, bedauert Dana Thiele. Leider gebe es auch immer wieder Schmierereien auf dem Denkmal, die aber zum Glück bisher gut entfernbar seien.

Neben den fünf sichtbaren Denkmälern, gab es im Stadtgarten aber noch ein sechstes, inzwischen nicht mehr vor Ort befindliches Mahnmal für die Kriegsgefangenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs, berichtete Dana Thiele.

Die Ronsdorfer Ortsgruppe des Heimkehrerverbandes errichtete dieses unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 25. Oktober 1952 – Schließlich vermissten noch Anfang der 1950er-Jahre viele Menschen ihre Angehörigen, Freunde oder Bekannte. Weil aber in der Inschrift: „Vergesst nicht die Kriegsgefangenen und Vermissten“ der Buchstabe „S“ wie SS-Runen aussah, wurde das Mahnmal von der Stadt 2007 entfernt. Die Stele lagert bis heute im Depot.

Einmal im Jahr am Volkstrauertag, versammeln sich viele Ronsdorfer Bürger im Stadtgarten, um der Gefallenen zu gedenken und für den Frieden einzutreten. „Oft werden auch Kränze niedergelegt“, weiß Passantin Andrea Wieser. Sie ist in Ronsdorf aufgewachsen und geht nun jeden Tag zweimal mit ihrer Mutter durch die Parkanlage, die durch die Denkmäler eine besondere Bedeutung hat. „Schließlich hoffen wir, dass es nie wieder Krieg gibt“, betont sie.

Derselben Meinung ist Gisela Dausend, die regelmäßig mit ihrem Hund durch den Park spaziert. Ein Onkel von ihr ist im Ersten Weltkrieg gefallen, zwei Vetter im Zweiten.