Auf den Spuren des Kaufmanns Victor Bredt in Wuppertal-Barmen

Führung : Auf den Spuren des Juristen und Autors Victor Bredt

Nachfahren der weit verzweigten Familie machten bei der Führung durch Barmen mit.

. Auf den Spuren von Johann Victor Bredt (1879 – 1940), dem wohl bedeutendsten Angehörigen der traditionsreichen Barmer Kaufmanns- und Unternehmerfamilie, deren Wurzeln sich bis ins Jahr 1466 verfolgen lassen, wandelte am späten Donnerstagnachmittag eine Gruppe von rund 20 an der Heimatgeschichte Interessierten. Unter ihnen auch Mitglieder der weit verzweigten Familie Bredt und der damit verwandten Familie Molineus.

Sie lauschten gespannt den Worten von Stadtführerin Elke Brychta und Bernhard Lamprecht, dem Vorsitzenden der Johann-Victor-Bredt-Gesellschaft, konnten aber auch selbst bemerkenswerte, kenntnisreiche Beiträge zum Thema leisten.

Johann Victor Bredt war ein vielseitig begabter und interessierter Barmer, der zunächst eine Banklehre im Ehrfurcht gebietenden roten Sandsteinbau des Barmer Bankvereins (heute Commerzbank) absolvierte.

1898 begann Bredt sein Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie, immatrikulierte sich an der Universität Tübingen und setzte seine akademische Tätigkeit in Göttingen und Bonn fort. Er entschied sich für eine Universitäts-Laufbahn und belegte 1910 einen Lehrstuhl für Staats-, Kirchen-, und Völkerrecht an der Philipps-Universität in Marburg.

Aber auch politisch engagierte er sich und brachte es als Mitglied der Wirtschaftspartei im Kabinett von Reichskanzler Heinrich Brüning in der Weimarer Republik bis zum Justizminister. Als Mann von zunächst monarchistischer Grundeinstellung stellte er sich nach dem Ende des Kaiserreiches auf die neuen Gegebenheiten ein und versuchte, Einfluss im national-konservativen Sinne zu nehmen. Wie damals viele Menschen, erlag er dem Trugschluss, dass sich die Nazis – wenn mit Regierungsverantwortung betraut – in zivilisierte Menschen verwandeln würden. Er selbst erhielt 1930 die Entlassungsurkunde als Justizminister, blieb aber bis 1932 Abgeordneter im Reichstag.

Allerdings kam seine politische Laufbahn während des Rundgangs durch die verschiedensten Stationen seines Lebens in Barmen weniger zur Sprache. Ebensowenig die Tatsache, dass er als Soldat im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde. Das Hauptaugenmerk des Rundgangs durch diverse Stationen seines Wirkens richtete sich vornehmlich auf seine Arbeit auf geschichtlichem Gebiet und zeigte seine journalistische und schriftstellerische Begabung im Verfassen von familiengeschichtlichen Chroniken und anschaulich zu lesenden Beschreibungen der Geschäftswelt Barmens.

Sein „Blick aus dem Fenster der Gesellschaft Concordia“ hat den besonderen Gefallen von Thomas Helbig, Geschäftsführer des Verlags Edition Köndgen, erregt und soll demnächst im Köndgen-Verlag als heimatgeschichtliches Dokument neu aufgelegt werden.

Der Spaziergang durch Barmen begann im Mühlenweg, wo an Stelle der Nummer 45 das Geburtshaus von Johann Victor Bredt stand, das aber im Krieg zerstört wurde. Weiter ging es zur Viktorstraße, die kurioserweise nach seinem mit „C“ geschriebenen Vater benannt wurde. Wenige Schritte entfernt – heute ist dort ein Kinderspielplatz – der Familienfriedhof der Bredts, deren Grabsteine jedoch in unmittelbarer Nähe der Gemarker Kirche eine ständige Bleibe gefunden haben.

Die Bredts waren in vielfältigen Funktionen in Kommunalpolitik und Kirche einflussreich tätig. So wie der Großonkel von Johann Victor, Wilhelm August, der der erster Barmer Oberbürgermeister gewesen ist. Im kirchlichen Leben wirkten Familienmitgliederunter anderem als Gemeindeälteste. Fakten, die bei dem anderthalbstündigen Rundgang gleichfalls erwähnt wurden, ehe es in der Stadtbücherei im Barmer „Haus der Jugend“ Möglichkeiten gab, in Vitrinen Einblick in das Schaffen von Johann Victor als Heimatkundler und Schriftsteller zu nehmen. Eins seiner Werke: „Die Vermögens-Auseinandersetzung zwischen dem Preußischen Staat und der Königshause“, in dem Bredt auch sein brillantes juristisches Fachwissen einbrachte.

Im Alter von nur 61 Jahren verstarb der bedeutende Barmer Bürger am 1. Dezember in Marburg an den Folgen eines Herzinfarktes und wurde am 5. Dezember nach Wuppertal- Barmen ins Familiengrab überführt.

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