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Auch „Manet“ besuchte seine Ausstellung

Auch „Manet“ besuchte seine Ausstellung

WZ-Tag im Von der Heydt-Museum: 1200 Leser tauschten ihre Zeitungsseite gegen einen Besuch der Manet-Ausstellung.

Edouard Manet lebt — diesen Eindruck musste gewinnen, wer am Samstag im Von der Heydt-Museum war. Das Haus war voller Menschen, die mit ihrer WZ-Sonderseite zur Ausstellung über den berühmten Impressionisten gekommen waren, um diese bei freiem Eintritt zu besuchen. Mittendrin wandelte der Maler selbst durch die hohen Räume, stilvoll im schmalen Gehrock, den hohen Zylinder auf dem Kopf und den Gehstock in der Hand. Die fünfjährige Emilia wollte ihn unbedingt ihrer Oma vorstellen, weil die behauptet hatte, der Mann sei tot.

Hinter dem Unmöglichen — Manet lebte von 1832 bis 1883 —

steckte eine einfache wie bezaubernde Idee. Der 19-jährige Jan Junghardt absolviert derzeit am Museum ein Jahrespraktikum und erprobt „nebenbei“ sein schauspielerisches Talent. Als das Museumsteam überlegte, was es zum WZ-Tag besteuern könnte, kam es darauf, den jungen Mann für die Kinderführung einzusetzen. Und so wurden die 18 kunstinteressierten Fünf- bis Zehnjährigen nicht nur von einer Museumsführerin, sondern vom Künstler selbst durch die Ausstellung geleitet. Das kam nicht nur bei den Kids bestens an — auch Erwachsene reagierten positiv, baten den Maler um ein Selfie.

Junghardt selbst freute sich, hatte sich, mit Hilfe des Kostümfundus der Wuppertaler Bühnen, eingekleidet und auf seine Rolle extra vorbereitet. „Immerhin war Manet eine große Persönlichkeit, der ich so nahe wie möglich kommen wollte“, erklärte er.

Die Zahlen sind beeindruckend: Über tausend Leser tauschten ihre Sonderseite am Samstag gegen Kunst ein. Hauptkassiererin Iris Jäger hatte kaum einen Moment der Ruhe. Nicht gezählt die „normalen“ Besucher, die am Samstag den Weihnachtseinkaufstrubel unterbrachen, um die weit über Wuppertal hinaus strahlende Ausstellung zu besuchen. „Das ist eine gute Sache“, lobte ein älterer Wuppertaler, der mit seiner Frau schon frühere Impressionisten-Ausstellungen im Von der Heydt-Museum besucht hatte und dem besonders Manets, der Spanienmode huldigendes Kinderbildnis „Der kleine Lange“ gefiel. „Ein wunderbares Geschenk“, „einfach genial“ — das im Foyer ausliegende Gästebuch war voll des Lobes.

Viele schauten sich vor ihrem Rundgang durch die elf Räume den Film zur Ausstellung an und ließen sich von Museums-chef Gerhard Finckh, „der Kunstgeschichte einfach gut vermitteln kann“, so ein Besucher, ins Thema einführen.

Dessen Aufbereitung überzeugte auch Eva Schroeder aus Wuppertal und Uta Schumacher aus Bochum. Die Freundinnen hatten sich eigens zum WZ-Tag im Museum verabredet, studierten die biografischen Informationen zum Künstler und seinen Bildern an den Wänden, lobten, dass Manet im Kontext seiner Zeitgenossen präsentiert werde.

„Ich finde es sehr gut, dass gezeigt wird, dass die französischen Impressionisten in engem Kontakt standen, sich auch gegenseitig Modell standen. Man sieht, dass sie ihrer Zeit voraus waren, da sie auch Menschen gemalt haben, die außerhalb der Gesellschaft standen“, meinte Uta Schumacher, die Manets Werke auch wegen ihrer Farbigkeit und ihres Pinselstrichs schätzt. Aus Düsseldorf angereist war Ruth Misch, die bisher noch keine so umfangreiche Manet-Ausstellung gesehen hat. Und die Wuppertaler Susanne Mohr und Tochter Noelle, die an der Schule Kunst-Leistungskurs gewählt hat, lobten schlicht „die gute Ausstellung“.

Die kleinen Besucher drückten ihre Begeisterung in Bildern aus, malten im Museumsatelier auf große Lebkuchenlaibe Motive von Manet: sein Landhaus in Reuil, seine Boote oder seine Stillleben. Eifrig dabei war auch Emilia, einen Zettel von Manet in der Hand, auf dem er ihr viele Grüße für ihre Oma ausrichten ließ.