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„Auch Hunde sind Geschöpfe Gottes“

„Auch Hunde sind Geschöpfe Gottes“

Beim WZ-Mobil zum Missbrauch der Wichernkapelle als Hundeklo kommen Kirche und Hundehalter erstmals ins Gespräch.

Barmen. Als Hundehalterin Renate Schönneis die Vorwürfe las, dass die 2015 errichtete und als Ort der inneren Einkehr gedachte Wichernkappelle auf der Nordbahntrasse nahe dem Bahnhof Wichlinghausen als Hundeklo missbraucht würde, und dass die Hundebesitzer auf Vorhaltungen aggressiv und uneinsichtig reagieren würden, ging es ihr wie dem Schneider Böck in Wilhelm Buschs „Max und Moritz“, wo es heißt: „Aber, als er(sie) dies erfuhr, gings ihm (ihr) wider die Natur“. Sie war mit einer ganzen Gruppe von Hundefreunden zum WZ-Mobil gekommen und traf dort auch die „Gegenseite“, nämlich Pfarrer Johannes Schimanowski und Johann Wagner, den Geschäftsführer des Wichernhauses, die zudem ständigen Vandalismus, Diebstähle der angebrachten Kreuze und Schmierereien zu verzeichnen hatten.

Auch wenn naturgemäß keine Einigkeit in den Ansichten erzielt werden konnten, sprach man am WZ-Mobil diesmal nicht übereinander, sondern miteinander. „Ich habe noch nie gesehen, dass jemand von uns seinen Hund in die Kapelle hineingejagt hätte. Klar, die Hunde gehen auch mal in die Kapelle, aber, wenn da mal etwas hingemacht wurde, dann ist das auch sofort von uns entfernt worden“, versichert Melanie Scheer. Und Dirk Bläser, der Projektleiter der Skate-Halle an der Trasse, pflichtet ihr bei: „Diese massiven Anschuldigungen, dass hier eimerweise Hundekot aus der Kapelle entfernt werden musste, kann ich nicht bestätigen. Auf dem Bergischen Plateau sind täglich viele Menschen unterwegs, die für ein gedeihliches Miteinander aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Ich bin aber der Meinung, dass Hunde in der Kapelle nichts zu suchen haben.“

Dem widersprach Renate Schönneis energisch: „Auch Hunde sind Geschöpfe Gottes. Denken Sie mal an die Arche Noah“, riet sie Dirk Bläser und stellte klar: „Man darf auch nicht alle Hundebesitzer über einen Kamm scheren. Wir sind eine Gruppe von über 20 Hundehaltern, die sich - wie auch unsere Hunde aller möglichen Rassen - bestens miteinander verstehen, und da achtet einer auf den anderen. Beschmutzungen der Kapelle durch Mitglieder unserer Gruppe kann ich ausschließen.“ „Wir werden doch überall verjagt, dabei machen wir keinen Lärm, keinen Dreck und zerstören nichts“, beschwert sich Marco Weber. „Gebt uns doch eine abgezäunte Fläche, auf der wir unsere Hunde frei laufen lassen können, denn ständig angeleint werden sie natürlich eher aggressiv. Wir halten diese Fläche dann schon in Ordnung. Vielleicht sollt sich mal der Herr Mucke darum kümmern“, ist der Vorschlag von Renate Schönneis, der auch bei Hundehalterin Svetlana Abramorych Anklang findet: „Wir halten den Platz hier sauber und kämen nicht auf die Idee, etwas in die Kapelle zu werfen. Das sind Jugendliche, die dort Alkohol und Drogen konsumieren“, sagt sie, und ihre Tochter Zhanna bestätigt: „Wenn wir hier Hundehaufen sehen, finden wir das doch selbst eklig.“ Pfarrer Johannes Schimanowski hat nach Zeugenaussagen das Gegenteil gehört: „Nachbarn haben bestätigt, dass die Hundehalter Bälle in die Kapelle geworfen haben“, so der Theologe, der nach wie vor nicht in den freundlichen Drogenabhängigen und lauten Jugendlichen, sondern in den Hundehaltern das Problem sieht.

Eine andere Meinung hat Johann Wagner, der Geschäftsführer des Wichernhauses, dessen Mitarbeiter nahezu täglich für Sauberkeit im strittigen Abschnitt sorgen: „Man kann nicht alle Hundehalter in einen Topf werfen, aber alle sollten beachten, dass diese Kapelle Privatbesitz ist, und dass dort weder Alkohol noch Drogen konsumiert noch Hunde durchgejagt werden dürfen.“ Verständnislos reagiert Wagner auch auf die Beschädigungen und Diebstähle der Kreuze. „Wir haben nun ein schlichtes Kreuz ohne die Christusfigur angebracht und hoffen, dass das nun respektiert wird. Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.“

Hans Peter Bockhorn (Jahrgang 1941) ist der Anlass für den Streit ohnehin unverständlich. „Ich habe die Zerstörungen durch den Krieg erlebt und verstehe nicht, wie man schöne Dinge wie die Kapelle sinnlos kaputtmachen kann.“