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Arzneimittelmarkt: „Die Luft wird dünner“ – Apotheken unter Druck

Arzneimittelmarkt: „Die Luft wird dünner“ – Apotheken unter Druck

Neben Konkurrenz im Internet zwingt der Preiskampf viele zur Aufgabe.

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p class="text"><strong>Wuppertal. Mehr als 30 Jahre hat er seine Kunden an der Poststraße mit Medikamenten versorgt - im Januar war Schluss. Eduard Schiemenz hat nach insgesamt fast 40 Jahren als Apotheker sein Geschäft aufgegeben. Eine Institution in Elberfeld - und eine von drei Apotheken in Wuppertal, die im Januar zumachen musste, neben der Brunnen-Apotheke am Werth und der Anker-Apotheke in der Südstadt. Seit Jahren ist die Zahl der Apotheken im Tal rückläufig. Und mit dem angekündigten Einstieg der Handelsketten Schlecker und Rewe in den Arzneimittelmarkt (wir berichteten) drohen der Branche weitere Erschütterungen.

Wuppertal hat seit 1990 fast 50 Apotheken verloren

"Die Luft ist dünner geworden", sagt beispielsweise Dr. Klaus Quinke, Ex-Vorsitzender des Apothekerverbandes Bergisch Land und Kreisvertrauensapotheker. Gab es 1990 zwischen den Höhen noch gut 130 Apotheken, so sind es jetzt noch 83. Die Gründe dafür: Schwindende Kundenfrequenz in den Außenbezirken, harter Wettbewerb in den Innenstadtlagen. So schildert zumindest Regine Borghoff, Sprecherin der Wuppertaler Apotheker, die Situation im Tal. "Die Apothekenbranche ist nicht das Paradies, als das man sie gerne beschreibt", erklärt die Langerfelder Apothekerin.

"Wenn die Ketten kommen, sind wir weg." Regine Borghoff, Apothekerin

Sie, Quinke und andere Branchenkollegen sehen die Lage anders: Zwar sind die Preise für rezeptpflichtige Medikamente reguliert (siehe Kasten) - doch umso härter toben die Rabattschlachten bei frei verkäuflichen Präparaten wie Aspirin, Nasenspray und Co. "Es wird so oft gesagt, wir hätten keine Konkurrenz - ich habe 82 erbitterte Konkurrenten allein in der Stadt", sagt Borghoff und spricht von bis zu 50-Prozent-Nachlässen für manches Präparat.

Dazu kommt die Konkurrenz zu den schon jetzt erlaubten Versandapotheken im Internet wie der holländischen Firma DocMorris. "Die picken sich dann die Rosinen raus", so Quinke. Für die niedergelassenen Apotheker wirke sich das in spürbaren Umsatzrückgängen bei den teuren, meist neuen Präparaten mit vergleichsweise höheren Gewinnmargen aus.

Weil aber gerade in den Wuppertaler Außenbezirken sowohl Laufkundschaft als auch niedergelassene Ärzte immer weniger werden, dünnt dort auch die Apothekenlandschaft aus. "In Ronsdorf, Dönberg oder Cronenberg findet man kaum noch Kollegen", so Borghoff.