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Wuppertal / NRW: Armin Pionteks Kampf gegen den Stau

Wuppertal / NRW : Armin Pionteks Kampf gegen den Stau

Wie ein genervter Wuppertaler Bürger seit Jahren seine Staulösungen an Behörden und Parteien zu bringen versucht.

Düsseldorf. Es ist Plenumswoche im Düsseldorfer Landtag. Die Besuchergruppen drängeln sich durch das Foyer, Bürger und Landespolitik begegnen sich. In der Regel handelt es sich um eine eher ehrfürchtige Begegnung: das imposante Gebäude, die Landtagsprominenz, ein Blick in die Debatte — alles live. Hier sitzen also die Experten und treffen die Entscheidungen. Fotos werden gemacht, man staunt ein bisschen und sammelt Eindrücke für die Erzählungen zu Hause.

Armin Piontek will nicht nur Eindrücke sammeln. Er will seine Ideen anbringen, wie man die Staus im Land reduzieren kann. Der 55-Jährige ist kein Politiker, auch kein Stauforscher, er ist nur Pendler. Jeden Tag ist er unterwegs, morgens von Wuppertal-Barmen nach Köln-Bayenthal über die A 46 und die A 3, abends wieder zurück über die Kölner Rheinuferstraße, die Leverkusener Brücke und die A 1. Er hält es nicht mehr aus.

Drei Jahre hat Piontek über die Staus nachgegrübelt, während er selbst drinstand. Dann meinte er die Lösung zu haben. Er hat sie niedergeschrieben, auf elf Seiten, mit Skizzen, Karten und Zeitungsausschnitten. Die Lösung trug die Überschrift „Ein Vorschlag zur Verbesserung des Verkehrsflusses oder ,Die Diebe der Zeit’“ und ging an den Landesbetrieb Straßenbau NRW; es war im November 2014.

Man kann sich gut vorstellen, was Ingenieure und Fachinformatiker denken, die seit Jahr und Tag mit Verkehrsfragen befasst sind, wenn ihnen ein Pendler auf elf Seiten seine Lösung präsentiert. Augen rollen, stöhnen, löschen. Die Sache ist im Sande verlaufen, wie auch sein Vorstoß bei der Kölner Stadtverwaltung. Danach war er sicher: Bei diesem Thema helfen nur noch einflussreiche Leute, die für Öffentlichkeit sorgen können oder Verbindungen zum Verkehrsminister haben.

Am liebsten hätte er Michael Groschek direkt angeschrieben, doch auf die Schnelle war vom SPD-Verkehrsminister keine Mailadresse zu finden. Aber da gab es ja im Juni 2016 die Überschrift „CDU: NRW braucht neue Ideen im Kampf gegen den Stau“ in dieser Zeitung. In dem Artikel wird auch Klaus Voussem zitiert, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Piontek macht einen neuen Anlauf, diesmal auf vier Seiten — und dringt endlich durch.

Armin Piontek, Pendler

Voussem, auch Vizepräsident der Landesverkehrswacht NRW, nimmt sich nicht nur Zeit, er hat mit Christian Metzner auch gleich den Fachreferenten der Fraktion mitgebracht. Und Piontek legt los. Für ihn sind die „Reindrängler“ das größte Problem und zwar gerade an den Auffahrten. Da fordert er mobile Ampeln für die Pkws, die auffahren, einen klaren Vorrang für den Verkehr auf der Autobahn und eine deutliche Trennung der Fahrbahnen mit durchgezogenen Linien. Das soll die notorischen Spurwechsler im Zaum halten.

Piontek hat auch noch weitere Vorschläge in petto: bei Fahrbahnverengungen und beim Wegfall einer Fahrspur. Klaus Voussem hört sich das alles an, spricht davon, die Ideen gerne weitergeben zu wollen, aber auch noch eine wissenschaftlich fundierte Meinung zu benötigen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach wird Pionteks Vorschläge demnächst auf dem Tisch haben.

Und während der Verkehrspolitiker zur namentlichen Abstimmung in den Plenarsaal entschwindet, skizziert Piontek in einer Sitzgruppe seine Lösungen schon wieder mit Kugelschreiber auf einem Din-A4-Papier.

Ob sie erneut im Sande verlaufen? Wahrscheinlich ist nichts anderes zu erwarten. Die komplexe Arbeitsteilung der parlamentarischen Demokratie, der Ministerien und Behörden ist nicht kompatibel mit Bürgern, die ungeduldig die Lösung erwarten, die sie selbst gerade für offensichtlich halten. Aber Piontek wird weitermachen. „Es ist unbefriedigend, seine Zeit zu verplempern.“ Er meint die Zeit im Stau.