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Lärmschutz: Anwohner kämpfen für mehr Lärmschutz an der A 46

Lärmschutz : Anwohner kämpfen für mehr Lärmschutz an der A 46

Der Verkehrslärm ist unabhängig von Wahlterminen und über alle Parteigrenzen hinweg ein Problem, das die Lebensqualität der Menschen, vornehmlich die der Anwohner an Hauptverkehrswegen, erheblich belastet.

Die Bürgerinnen und Bürger, die rund um die Waldesruh, den Pickartsberg und den Boltenberg wohnen, können ein Lied davon singen, denn sie kommen in den „Genuss“ der Dezibel, die vom Sonnborner Kreuz zu ihnen herüber „wehen“.

Um dies auch den Vertretern der Bundespolitik deutlich zu machen, hatte der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) vergeblich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer („hat gar nicht geantwortet“) angeschrieben und den parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium Enak Ferlemann („hat abgelehnt“) kontaktiert. Stattdessen war der für Verkehrsfragen zuständige stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol der Einladung seines Parteigenossen zu einem Vor-Ort-Termin gefolgt, zu dem sich am Montagmittag rund 25 Kommunalpolitiker und betroffene Anwohner eingefunden hatten.

Als Experten führten der kenntnisreiche Anwohner Armin Brost und Professor Klaus Schilling, der die Daten aufbereitet hatte, durchs Quartier, in dem der Straßenname „Zur Waldesruh“ eher wie Hohn klingt. Das wurde schon an der ersten Station deutlich, als auf einer von Bäumen begrenzten, prächtigen und wohl auch für eine mögliche Wohnbebauung ins Auge gefassten Wiese die optische Idylle durch den von der B 7 und der A 46 herauf schallenden Lärmpegel empfindlich gestört wurde.

Ähnlich am Boltenberg, wo die Anwohner Eberhard Kranemann und Paul Lorenz die Teilnehmer bei dem alles andere als ruhigen Spaziergang in Haus und Garten ließen. Rund 65 Dezibel („Die hat man praktisch Tag und Nacht“, so Lorenz) hatte der mitgehende Stadtverordnete Johannes van Bebber auf seinem i-Phone gemessen.

„Hier muss Lärmschutz hin“, war man sich einig. Dabei merkte Sören Bartol an, dass man zwar versuchen könne, die Situation der Anwohner Stück für Stück zu verbessern, „aber sie werden keine Autobahn erleben, auf der es mucksmäuschenstill ist“.

Sören Bartol will das Problem
mit Andreas Scheuer besprechen

Und Helge Lindh bestätigte auch, dass die Gegend um das Sonnborner Kreuz nicht die einzige lärmintensive Stelle in Wuppertal sei. „Es macht auch keinen Sinn, die einzelnen Stadtteile gegeneinander auszuspielen“, so Lindh, der eine Bürger-Task-Force A46 ins Leben gerufen hat. „Helge Lindh macht seinen Einfluss geltend, damit die zulässigen Lärmwerte herab gesenkt werden“, bestätigte Bartol. Er gab aber zu bedenken: „Die Planung bei Verkehrsproblemen ist hochkomplex und dauert oft sehr lange. Und wir sollten nicht vergessen, dass wir alle Teil des Lärmproblems sind.“

Den zweifelhaften „Höhepunkt“ des rund anderthalbstündigen Rundgangs bildete nahe der Rutenbeck zweifellos ein Besuch der Brücke über die A 46 am Sonnborner Kreuz, wo rund 70 Dezibel und mehr, je nach jeweiliger Verkehrsstärke, Kommunikation praktisch nur per Zeichensprache möglich machte.

Ein Eindruck, den Bartol und die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Rückweg mitnahmen. „Man hat schon eine andere Wahrnehmung, wenn man selbst vor Ort war und den Lärm selbst erlebt hat“, so der Verkehrsexperte der SPD-Fraktion in Berlin. „Es ist unbedingt wichtig, dass in große Baumaßnahmen der Lärmschutz einfließen und die Möglichkeiten bestehen muss, nachzurüsten.“

Und Professor Klaus Schilling stellte fest: „Wer heute plant und baut, soll nicht nur an die Gegenwart, sondern auch schon an 2035 denken.“

Helge Lindh wird in den nächsten Tagen bei Karl-Heinz Görrissen, Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium, vorstellig werden und auf die Probleme an der A 46 hinweisen. „Und Sören Bartol hat Erfahrung mit schwierigen Gesprächspartnern. Er wird das beim Bundesverkehrsminister zur Sprache bringen“, meinte Lindh schmunzelnd im Hinblick auf den seit der Autobahn-Maut nicht mehr unumstrittenen Andreas Scheuer.