Angela Merkel in Wuppertal: „Sie war scheu, aber offen“

Angela Merkel in Wuppertal: „Sie war scheu, aber offen“

1993 besuchte „Kohls Mädchen“ die CDU im Breuer-Saal und sprach als Bundesministerin für Frauen und Jugend über Familienpolitik. Altbürgermeister Hermann Josef Richter wurde an diesem Tag Fan.

Als die CDU am 28. Oktober 1993 Angela Merkel zu Gast im Breuer-Saal hatte, ging das noch ohne großes Polizei- und Medienaufgebot. Schließlich war damals „nur“ die Bundesministerin für Frauen und Jugend zu Gast. WZ-Fotograf Kurt Keil erinnert sich noch an das Auftreten der jungen Ministerin: „Die war ganz unbekümmert.“ Damals habe man sich schon erzählt, dass Merkel ein aufgehender politischer Stern ist.

Peter Hintze hatte Angela Merkel nach Wuppertal eingeladen. Als ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerin für Frauen und Jugend (1991 bis 1992) war Merkel seine ehemalige Chefin. Der Bundeskanzler hieß Helmut Kohl, Merkel galt als sein „Mädchen“. In Wuppertal stimmte man sich gerade auf den Kommunalwahlkampf 1994 ein und war gespannt auf die Gastrednerin aus der ehemaligen DDR.

Der spätere Bürgermeister und damalige Wuppertaler CDU-Kreisvorsitzende Hermann-Josef Richter erinnert sich noch an den Besuch. Positiv war ihm damals bei ihrer Rede über Familienpolitik aufgefallen: „Die sprach die Sprache der Leute. Heute wird sie ja dafür kritisiert, dass sie das nicht mehr könne.“ Komplizierte Zusammenhänge habe Merkel für alle verständlich auf den Punkt gebracht.

Später habe man sich dann noch mit der Politikerin ausgetauscht. Dabei fiel auf, so erinnert sich Hermann-Josef Richter: „Sie war scheu, aber offen.“ Dass Merkel aus der ehemaligen DDR stammte, war nur drei Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands noch ein Thema gewesen. „Das war für uns schon noch exotisch“, erinnert sich Richter. Es habe daher auch „wechselseitige Berührungsängste“ gegeben. Die auf die Wuppertaler etwas schüchtern wirkende Angela Merkel habe aber sehr gut zuhören können. „Ich bin bis heute ein großer Anhänger von ihr“, sagt Richter. Und: „Wir hatten damals schon das Gefühl, dass sie mehr kann, als man ihr das damals noch zugetraut hat.“

In späteren Jahren besuchte Angela Merkel Wuppertal noch einige weitere Male. Ende der 90er Jahre nahm sie an einem Fundraising-Event teil und 2004 besuchte sie das Tal im Wahlkampf. 2013 empfing sie der ehemalige Oberbürgermeister Peter Jung in der Historischen Stadthalle. Auch wieder voll im Wahlkampfmodus. Mit Polizeiaufgebot, viel Medienrummel und einer Hand voll Demonstranten.

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