„An der Nordbahntrasse erkennt man: Wuppertal weiß, wie es geht“

Mobilität : „An der Nordbahntrasse erkennt man: Wuppertal weiß, wie es geht“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zukunftsfähige Mobilität in Wuppertal” zeigten Experten Möglichkeiten für ein mobiles Umdenken auf.

Kann und will ich auf mein Fahrzeug verzichten? Wie gestalte ich meinen Alltag und wie bewältige ich den Weg zur Arbeit? Fragen, die sich so ziemlich jeder Berufstätige stellt, wenn die Idee aufkommt: Verzicht aufs Auto oder nicht? Gerade in Zeiten sich wandelnder Mobilität, Forderungen nach dem Ausbau der Infrastruktur und des Nahverkehrs befassen sich immer mehr Initiativen, Vereine und Kommunen mit dem Thema Mobilität. Anlässlich der ersten von insgesamt sechs Veranstaltungen des Forschungszentrums TransZent referierten zu dem Thema „Mobilitätssuffizienz” in der Citykirche Susanne Varnhorst von der Stadt Wuppertal sowie der Korschenbroicher Unternehmensberater Markus Profijt.

Oscar Reutter vom Wuppertal Institut: „Wir freuen uns, dass wir zur vierten Staffel der Mobilitätsreihe wieder in unserer bewährten Spielstätte, der Citykirche, zu Gast sein dürfen. Seit der Gründung von TransZent 2013 ist das vordergründige Ziel, Grundlagen zu klären und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.”

Drei mögliche
Nachhaltigkeitsstrategien

Im Rahmen seiner Promotion befasste sich Markus Profijt mit der Mobilitätssuffizienz. Suffizienz steht für einen möglichst geringen Verbrauch an Rohstoff- und Energieverbrauch. Markus Profijt geht sogar weiter und regt zu einer Autofreiheit für Wuppertal an. „Sich nachhaltig mobil in der Stadt bewegen können”, nennt der Korschenbroicher das. „Es gibt drei mögliche Nachhaltigkeitsstrategien. Eine davon ist die Konsumentensicht.” Gegenstand seiner Promotion war die Fragestellung, was Privatpersonen dazu beitragen können, um bei der täglichen Mobilität die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. So ergab 2016 bereits eine deutschlandweite Umfrage, dass rund 91 Prozent der Deutschen überzeugt sind, dass ein Verzicht die Lebensqualität deutlich steigere. Zu Fuß gehen, das Fahrrad oder den ÖPNV nutzen, Wegelängen und die Anzahl verringern sind erste effektive Lösungen.

„Eine Motivation für den bewussten Verzicht ist beispielsweise die erhebliche Geldersparnis.” Wichtige Voraussetzungen, das geliebte Vehikel stehen zu lassen, sei von Seiten der Kommune und der Politik der Radwegausbau. „An der Nordbahntrasse ist bereits erkennbar, dass Wuppertal weiß, wie es geht”, so Profijt. Welchen tatsächlichen Nutzen die Trasse allerdings für die Stadt und deren Bürger bringt, sei bisher zu wenig untersucht, meint der Experte. Auch zum Ausbau von Car- und Bikesharingangeboten regt der Referent an.

Auf die Frage „Autofreie Stadt – geht das?“ hat Susanne Varnhorst vom Umweltdezernat der Stadt eine klare Antwort: „Ja!“ Autofrei mobil ist seit 2009 für Varnhorst Programm und „glücklicherweise inzwischen ein wichtiges Thema, dass vor 20 Jahren noch zu Anfeindungen in der Stadt geführt hat“. Seit 2007 zum ersten Mal die Europäische Mobilitätswoche stattgefunden habe, sei die Zeit langsam für Veränderungen reif gewesen. So will die Stadt das jüngst beschlossene Radkonzept 2019 in den nächsten Jahren umsetzen, so Varnhorst. „Es braucht auch weiterhin Menschen, die etwas bewegen.“

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