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An der Marienstraße 60 ist nach einer Dekade wieder ein Friseur

Stadtentwicklung : Nach mehr als einer Dekade wieder Friseursalon

Nach über einem Jahrzehnt ist in den Räumen der Marienstraße 60 ein Friseursalon eingezogen. Zuvor war das Ladenlokal zum Sinnbild für Gentrifizierung geworden.

Nach über einem Jahr ist in den Räumen der Marienstraße 60 wieder Leben eingekehrt. Mit Friseurmeisterin Sheila Menzel ist nach mehr als einer Dekade wieder ein Friseursalon in das Gebäude eingezogen. Zuletzt war der „Lale Kiosk“ dort - den Betreibern wurde aber gekündigt. „Ich hatte das als Tipp bekommen. Habe mir das von außen angeschaut und gesagt, das will ich unbedingt haben. Entstanden ist daraus das hier“, erzählt die Pfälzerin mit Akzent von der Idee im August - die Eröffnung folgte am 4.Mai.

Als die Genehmigung kam,
kam auch Corona

Eigentlich wollte die seit sechs Jahren in Wuppertal lebende Friseurin am 1. März eröffnen. „Da gab es aber noch Genehmigungsprobleme mit dem Bauamt“, berichtet Menzel vom schwierigen Start. Dann, fast Zeitgleich mit der Genehmigung, kam Corona. „Natürlich machst du dir dann Gedanken und dir geht vieles durch den Kopf. Zumal ich ja im Februar bei meinem alten Arbeitgeber gekündigt hatte“, erzählt Menzel. Aber sie bleibt positiv. „Ich weiß, dass wir in einer Branche arbeiten, die nicht in Gefahr ist, und ich mich wieder auf meine Kunden freuen darf.“ sagt die Neu-Ölbergerin.

Auch wenn man es in der Marienstraße vielleicht nicht mutmaßt, mit ihrem Geschäft bringt die Friseurmeisterin Handwerkliches Selbstvertrauen in die Straße. Denn ein Herrenhaarschnitt für unter zehn Euro bekommt man bei Menzel nicht. „Unser Handwerk hat schon seinen Preis. Ich will ja auch, dass sich jeder hier wohl fühlt und gehe auf jeden individuell ein. Dazu bilde ich mich persönlich zwei, bis dreimal im Jahr aus“, sagt die Friseurin, die damit aber keine Bewertung zu den Kollegen abgeben möchte: „Jeder macht seine eigene Kalkulation.“

Zumindest viele ihrer Stammkunden scheinen das Handwerk von Menzel wertzuschätzen. „Für mich war das gar keine Frage, dass ich der Sheila folge. Wir haben uns die ganze Zeit bei ihr erkundigt, wann es losgeht. Und wie sie ihren Laden eingerichtet hat, passt genau zu ihr“, sagt Sarah Kudlek, die wie andere Kunden eigens aus Barmen jetzt immer zum Ölberg kommen.

„Ich bin gut ausgebucht“, sagt Menzel, die sich nicht über zu viele weiße Flecken in ihrem Terminkalender beschweren kann. Mit der Zeit möchte sie auch noch eine Mitarbeiterin einstellen.

Das Lokal war 2018 zu so etwas wie einem Politikum geworden. Kiosk-Betreiber Beser Sarikaya hatte dort ausziehen müssen - und auf dem Ölberg ging die Debatte um Gentrifizierung los, inklusive Flyern von links und politischem Graffiti. Auch weil der Kiosk nicht das einzige Geschäft war, das zu der Zeit weichen musste.

„Natürlich“, habe sie auch von den Diskussionen um die Leerstände im Viertel und auch über ihrem Ladenlokal im speziellen am Rande was mitbekommen. Aber ihre „Vorgänger“, die Familie Sarikaya hätten sie herzlich empfangen, und sie würde dort auch regelmäßig einkaufen. „Wir kommen gut miteinander aus“, sagt Menzel.