An der Grenze zwischen Berg und Mark

An der Grenze zwischen Berg und Mark

Nächstebreck liegt an der Grenze zwischen Herzogtum Berg und Grafschaft Mark. Über Jahrhunderte siedelten Bergische in den Nächstebrecker Hofschaften.

Nächstebreck. Nächstebreck ist ein Grenzgebiet, lag es doch genau an der Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und der Grafschaft Mark. Die Ostgrenze des Herzogtum Berg ergab sich durch den relativ offenen Übergang zur Grafschaft Mark, etwa auf der Linie Schwelm — Wipperfürth — Gummersbach. Daher siedelten sich über Jahrhunderte immer wieder Bergische in den Nächstebrecker Hofschaften an.

Die Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck hatte für Samstagnachmittag zu einer Führung an Orte eingeladen, an denen sich nachweislich Bergische niedergelassen hatten. Etwa ein Dutzend Teilnehmer konnte Heiko Schnickmann, Presbyter der Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, dazu begrüßen.

Den Bezug zum nahen Bergischen stellte er bereits am Startpunkt, der Hottensteiner Kirche, fest, wurde diese doch 1819 von einem Wichlinghauser Baumeister errichtet. Die Gemeinde bestand jedoch schon zwei Jahre zuvor und und hatte in der Felsenburg seinen Treffpunkt, noch erkennbar an dem Kreuz im Giebel. „Genau hier unter der Brücke, die nun über die Nordbahntrasse führt, war der damalige Hof ein Ort der Selbstverwaltung“, erzählte Schnickmann.

Der Elberfelder Dietrich von Wichlinghausen kaufte hier ein Gut und war verschwägert mit dem Gutsherr Dicke, erfuhr man am „Ecksteinsloh“. Ursula von der Beeck, die Tochter des Elberfelder Bürgermeisters Johann von der Beeck heiratete ebenfalls nach Nächstebreck.

Im Namen Mählersbeck ist noch die Bezeichnung Hof Beck versteckt und erklärt auch die Häufigkeit des Namen Beckmann. Schnickmann gab auch verschiedene Kuriosa zum Besten. So war der erste Passagier der Rheinischen Eisenbahnstrecke von Düsseldorf nach Hattingen eine Kuh aus Nächstebreck, die nach Elberfeld transportiert wurde.

Doch auch ein Historiker kann noch etwas lernen. Eine Teilnehmerin klärte ihn darüber auf, woher der Name des Restaurants „Haus Elfriedenhöhe“ stammt. Keine Bergische Einheirat sondern von einer gleichnamigen Kuh, die früher immer dort auf der Weide stand.

„In Grenzbereichen entsteht immer viel Industrie“ so Schnickmann an der Straße „Beule“. Der gleichnamige Bach bildete die Grenze zwischen Rheinland und Westfalen. An der Grenze zu Barmen stand 1601 das östlichste Bleichergut. Weiter ging es an einem Bildnis des ehemaligen Bauernhauses der Familie von Eynern vorbei. 1974 wurde das 400 Jahre alte Gebäude abgerissen. Einige ansässige Teilnehmer erinnerten sich daran.

Schnickmann erzählte vom Garnbleichen, das auch in Schwelm betrieben wurde und von erfolgreichen Klagen gegen das Elberfelder und Barmer Privileg. Viele Kaufleute gewannen dadurch ihren Reichtum. Keine Bergische Zuwanderung fand der Historiker im Gebiet Haarhausen, jedoch wieder an der Straße Junkersbeck. Dort wohnte kein adeliger Junker sondern der Bauer Peter Erlenkötter. Nach seiner Heirat mit einer verarmten Adeligen aus Haan namens „von Bawyer“ wurde er spöttisch zum Junker aufgewertet.

„Gut vorbereitet“, lobten die Teilnehmer die historische Exkursion, „gepaart mit Fachwissen.“ Zum Abschluss ging es in die Hottensteiner Kirche, dort war sogar einmal Königin Silvia von Schweden zur Hochzeit ihres Neffen anwesend.

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