Wuppertal: Am Cronenberger Stammtisch ruht die alte Rivalität

Wuppertal : Am Cronenberger Stammtisch ruht die alte Rivalität

Die Freunde des Cronenberger SC und SSV Sudberg treffen sich seit acht Jahren regelmäßig.

Den Cronenberger Männerstammtisch gibt es seit acht Jahren - so lautet zumindest die erste Schätzung der Männer jenseits der 65 Jahre im Born Café. „Seit zehn Jahren“, korrigiert Otto Becker, der sich selbst den „Betreuer“ der Gruppe nennt. „Da kommst du nicht mit hin“, lautet ein Einwurf von rechts. Und schon reden die Männer durcheinander, diskutieren und ziehen sich gegenseitig auf. Die Stimmung ist schon am Vormittag so ausgelassen als würden da 15 überschäumende Pils auf dem runden Stammtisch des Born Cafés stehen. In Wirklichkeit werden aber Kaffee und Cappuccino geschlürft. „Wir sind eine Kaffee-Runde“, sagt Hartmut Schmahl.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs kristallisieren sich aber ein paar Fakten zur Entstehungsgeschichte der Männergruppe heraus. Ursprünglich gab es einmal zwei Stammtische: einen mit Anhängern des Cronenberger SC und einen mit Vertretern des SSV Sudberg.

Zwei Fußballvereine, die sich vor allem zur Glanzzeit der Sudberger mit Auftsiegen bis in die Landesliga die Vorherrschaft auf den Südhöhen streitig machten. Man sah sich, traf sich über Jahre immer wieder und „fusionierte“ schließlich. Dieter Scherff berichtet: „Beide Gruppen wurden altersbedingt immer kleiner. Da rückte man dann einfach zusammen, weil man sich kannte.“

Dass das so harmonisch funktionierte, war gar keine Selbstverständlichkeit, wie Otto Becker betont. „Als wir noch jünger waren, gab es zwischen den beiden Sportvereinen ja Rivalitäten. Da wäre ein gemeinsamer Stammtisch gar nicht gegangen, da hätte es Schlägereien gegeben“, sagt er mit schelmischem Blick. Ganz ernst meint er es nicht. Vor allem auch nicht den Nachsatz: „Wir sind vernünftiger geworden.“

Ein gehörige Portion Humor
sollte man schon mitbringen

Hartmut Schmahl findet es beachtlich, dass die Chemie bei den rund 18 Rentnern, die regelmäßig kommen, so gut ist. „Das gab es noch nie, dass mal irgendwer beleidigt war und die Runde im Streit verlassen hätte“, sagt Schmahl. Wahrscheinlich auch, weil sich die Männer eine große Portion Humor bewahrt haben und es einfach zum guten Ton gehört, dass man sich gegenseitig auch mal einen Spruch drückt.

Was für Elberfelder und Barmer mit empfindlicheren Ohren ein Grund wäre, tödlich beleidigt zu sein, das stecken die Cronenberger und Sudberger ganz locker weg. „Wir sind alles Leute, die total unkompliziert sind. Und dass, obwohl den Cronenbergern ja nachgesagt wird, dass sie ihre Eigenheiten haben.“

Obwohl der Männerstammtisch in der Regel montags und mittwochs im Kaisertreff und freitags im Born Café zweimal in der Woche zusammensitzt, gehen der eingespielten Truppe nicht die Gesprächsthemen aus. Becker sagt: „Wir reden über alles. Sport, Politik, Wirtschaft, die aktuellen Themen.“ Der Zusammenhalt ist so groß, dass sich die Männer auch darüber hinaus zu Aktivitäten wie Radtouren und einer traditionell gewordenen Wanderung mit anschließendem Essengehen treffen. Die Gruppe hält sich gegenseitig in Schwung. Klaus Niepmann stößt einen etwas nachdenklichen Ton an: „Die Alternative wäre, alleine zu Hause zu sitzen und zu warten, dass der Tag vorüber geht.“

Bei aller Harmonie: Der Männerstammtisch hatte auch schon eine Hürde zu überwinden: das neue Nicht-Raucherschutzgesetz. An früheren Stammtisch-Tagen war es noch ganz normal, dass die Männer im Dunst von qualmenden Zigaretten beisammen saßen.

Auf dem Stammtischt steht ein Schild mit der Inschrift „Männer“

Dabei gibt es in dem Kreis nur eine Handvoll Raucher. Als vor einigen Jahren Zigaretten aus allen Cafés und Kneipen verbannt wurden, hätte das laut Jürgen Breucking beinahe dazu geführt, dass der Stammtisch sich gar nicht mehr getroffen hätte. Schließlich konnten die Raucher nicht mehr rauchen. „Das war heftig“, sagt er und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Aber ich habe den Rauchern das abgewöhnt.“ Nun gibt es eben zwischen den lebhaften Diskussionen immer mal wieder eine Raucherpause. Doch die dauert nur wenige Minuten, dann ist der Stammtisch, auf dem das Schildchen „Männer“ steht, wieder gut gefüllt und die Unterhaltungen werden wieder lauter. Jemand in der Runde spricht das Thema Fußball an. Die nächste halbe Stunde geht der Gesprächsstoff schon mal nicht aus - garantiert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung