Altenheime insolvent: 90 Senioren brauchen eine neue Bleibe

Altenheime insolvent: 90 Senioren brauchen eine neue Bleibe

Die Johanneshäuser sind insolvent. Für die 70 Mitarbeiter soll eine Transfergesellschaft gegründet werden. Bisher läuft der Betrieb noch weiter.

Wuppertal. Die Johannes Seniorendienste e.V. (JSD e.V.), Betreiber von Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege, sind insolvent. Wie der Kölner Insolvenzverwalter jetzt auf Anfrage der WZ bestätigte, sind in Wuppertal die beiden Pflegeeinrichtungen an der Briller Straße und an der Hans-Sachs-Straße mit insgesamt rund 90 Heimbewohnern betroffen. In den beiden Häusern sind 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Wuppertal. Der Betrieb in den Heimen wird derzeit noch vom Insolvenzverwalter Andreas Amelung aus Köln fortgeführt. Für die Heimbewohner und für die Belegschaft soll eine Lösung gefunden werden, um die Pflegeplätze und die Arbeitsverhältnisse zu erhalten, heißt es in einem Schreiben der Insolvenzverwaltung. Man müsse jedoch davon ausgehen, dass der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen zeitnah eingestellt wird und die Senioren in andere Einrichtungen verlegt werden. Nach WZ-Informationen ist den Bewohnern bereits zum 30. September gekündigt worden.

Die Belegschaft soll möglicherweise für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten in eine Transfergesellschaft überführt werden. „Der Insolvenzverwalter hat die Belegschaft über die Grundzüge einer solchen Transfergesellschaft unterrichtet und befindet sich im engen Dialog mit der Heimleitung und der Mitarbeitervertretung, um hier eine möglichst sozialverträgliche Lösung für alle Beteiligten zu finden“, heißt es in einem Schreiben, das der WZ vorliegt. Bis spätestens Ende August soll feststehen, wie es für die Bewohner der Einrichtungen und die Mitarbeiter weitergehen soll.

Zur finanziellen Schieflage des JSD war es laut Insolvenzverwaltung durch den defizitären Betrieb von Pflegeeinrichtungen in Wuppertal und im Schwarzwald gekommen. In Wuppertal gab es offenbar außerdem Meinungsverschiedenheiten mit dem Vermieter über notwendige Investitionen sowie Probleme bei der Belegung der teilweise denkmalgeschützten Räumlichkeiten. Bei den noch offenen Forderungen der Gläubiger geht es in erster Linie um Mietzahlungen sowie sonstige Lieferungen und Leistungen.

Möglicherweise ist aber für alle Betroffenen bereits eine Lösung in Sicht: Wie unsere Zeitung jetzt erfuhr, werden einige Bewohner wie auch Mitarbeiter und Führungskräfte voraussichtlich zur neuen Einrichtung der Altenhilfe Wichlinghausen wechseln. Die Stadt ist mit dem Ressort Soziales und der Heimaufsicht in die Pläne eingebunden. Wie berichtet, baut die Altenhilfe ihr Altenzentrum an der Hugostraße, ursprünglich eine Übergangslösung für Bewohner, deren stationäre Einrichtung umgebaut wird, in eine eigenständige Einrichtung um.

Das Haus am Nordpark soll zum 1. Oktober eröffnet werden und Platz für 80 Bewohner bieten. 50 neue Arbeitsplätze entstehen. „Wir haben schon Bewerbungen von Mitarbeitern wie Bewohnern vorliegen“, sagt Geschäftsführer Ingolf Tebert. Die Evangelische Altenhilfe Wichlinghausen gehört — wie auch die Johannes Seniorendienste — zum Dachverband der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe, beide sind aber unabhängig von der Diakonie Wuppertal.

Laut Presseamt gibt es in den städtischen Heimen immer nur einige über das Tal verstreute freie Restplätze. Ein großer Vorteil bei einem denkbaren Umzug an den Nordpark: Ganze Wohngruppen könnten gemeinsam umsiedeln — eventuell sogar mit dem gewohnten Pflegepersonal. Somit könnte die für die betroffenen Senioren ohnehin sehr belastende Situation zumindest etwas entschärft werden.

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