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Als im Tal die Bücher brannten

Als im Tal die Bücher brannten

Bücherverbrennung Zum 75. Jahrestag der Aktionen in Barmen gibt es seit rund einem Monat eine fein abgestimmte Vortragsreihe.

Wuppertal. Halbzeit für eine Vortragsreihe. "Verwerft, was euch verwirrt!", so die Überschrift von sieben Referaten, die seit dem 31. März jeweils montags um 19.30 Uhr in der Begegnungsstätte Alte Synagoge gehalten werden. Anlass ist der 75. Jahrestag der Bücherverbrennungen, jenes traurigen Aktes, der auf dem Barmer Rathausvorplatz und dem Brausenwerth in Elberfeld am 1. April 1933 und damit sogar sechs Wochen früher als in Berlin stattfand.

Die sorgsam aufeinander abgestimmten Vorträge begannen mit Michael Okroys Einführung in die Wuppertal Ereignisse von 1933, beleuchteten hernach die stramme publizistische Karriere eines ehemaligen Bücherverbrenners, um sich dann den Auswirkungen auf Wissenschaft und Kulturleben zu widmen.

Am vergangenen Montag erörterte Erhard Scholz die Vertreibung von Wissenschaftlern jüdischer Herkunft am Beispiel Göttingens - kein zufälliges Beispiel, denn die Hochschule der Stadt und gerade ihre jüdischen Mathematiker gehörten damals zur weltweiten Führungsriege.

Dass mit der Vertreibung von Emmy Noether, Paul Bernays oder Richard Courant diese Position untergraben wurde, war kein überraschendes Ergebnis des Vortrags. Weniger geläufig war die Eröffnung, dass die Nazi-Ideologen eine Typologie der Mathematik auf rassischer Grundlage zu erstellen suchten: Die geradlinigen Bereiche der Wissenschaft galten ihnen als deutsch, die komplexen, schwer verständlichen als jüdisch.

Während die Bücherverbrennung als symbolischer Akt vorrangig gegen die Literatur gerichtet war, ging sie doch zeitlich und ideologisch mit Denunziation und Vertreibung jüdischer Wissenschaftler einher. In einer anschließenden Diskussion mit dem Publikum vertiefte Scholz Detailfragen, darunter auch die von Dieter Nelles, ob die Verdrängung möglicherweise auch Ausdruck einer ideologischen Verbrämung schlichten Konkurrenzdenkens gewesen sein könnte. Die Begegnungsstätte erwies sich dabei als ein überaus tauglicher Ort, um wie in einem literarischen Zirkel bohrende Geschichtsfragen zu diskutieren und so als ein lebendiges Institut zur Erhellung dunkler Bereiche beizutragen.