Als ganz Elberfeld in Asche sank

Als ganz Elberfeld in Asche sank

Vor 325 Jahren: Wie der große Stadtbrand vom 22. Mai 1687 Elberfeld bis auf fünf Häuser vernichtete.

Elberfeld. Der schwärzeste Tag in Elberfelds Geschichte? Da fällt älteren Einwohnern mit Sicherheit die Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1943 ein, als 630 britische Bomber mehr als tausend Tonnen Spreng- und Brandbomben über dem Stadtteil abwarfen. Damals wurden mehr als 5.500 Gebäude zerstört oder beschädigt, und mehr als 1900 Menschen kamen ums Leben. Hätte man jedoch einen geschichtskundigen Elberfelder vor dem Jahr 1943 die obige Frage gestellt, so hätte er mit Sicherheit geantwortet: „Klar — der große Brand von 1687.“

Es war der 22. Mai 1687, heute vor 325 Jahren, als ein Feuersturm Elberfeld nahezu von der Landkarte tilgte. Nur fünf Häuser der Stadt wurden von den Flammen verschont — und es war wohl nur dem Feiertag Christi Himmelfahrt zu verdanken, dass das Feuer lediglich zehn Todesopfer forderte. Denn viele Menschen waren damals nicht zu Hause, sondern feierten — die einen beim Nachmittagsgottesdienst in der Kirche, die bessere Gesellschaft der Stadt bei einer Doppelhochzeit im Rathaus.

Aber der Reihe nach: Elberfeld zählte damals wohl etwa 2.500 bis 3.000 Einwohner und an die 400 Wohnhäuser zwischen der heutigen Klotzbahn im Norden und dem Island — dem Armenviertel jenseits der Wupper — im Süden. Die kleine Stadt erlebte gerade einen gewissen Aufschwung nach den Plünderungen und Epidemien des 30-jährigen Krieges, der auch im Wuppertal schwer gewütet hatte — eine neue katholische und eine Armenschule zeugten neben zahlreichen anderen Bauprojekten davon. Bis das große Feuer kam.

Glaubt man den zeitgenössischen Elberfelder Annalen, so brach das Feuer am Island aus. Angefacht von einem starken Südwestwind, verbreiteten sich die Flammen in Minuten über die ganze Stadt — die eng gebauten Fachwerkhäuser boten ihnen reichlich Nahrung. Alle Löschversuche waren vergebens — nicht mehr als drei Stunden dauerte es, und die Stadt einschließlich des Rathauses und der Reformierten Kirche (heute evangelische Citykirche) war bis auf die Grundmauern abgebrannt. In den Flammen starben eine Frau, drei Männer und sechs Kinder.

Nach dem Feuer stand die Stadt buchstäblich vor dem Nichts. Dass der Wiederaufbau dennoch recht rasch gelang, war unter anderem dem Kurfürsten Johann Wilhelm — noch heute als „Jan Wellem“ bekannt — zu verdanken. Der erließ der Stadt und jedem, der sich in ihr ansiedeln wollte, für 20 Jahre sämtliche Steuern. Das lockte wiederum Einwanderer an — unter anderem viele Protestanten aus dem nahen Köln. Zudem waren die schon damals sehr wichtigen Bleichen am Wupperufer vom Feuer verschont worden — so dass das Wirtschaftsleben in Elberfeld auch nach dem großen Brand rasch wieder anlaufen konnte.

Zwar sollte es auch danach in Elberfeld noch große Feuer geben — doch kein so verheerendes wie den Himmelfahrts-Brand von 1687. Das lag auch daran, dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein geregeltes öffentliches Feuerwehr-Wesen in der Stadt eingerichtet wurde — und daran, dass sich mit steigendem Wohlstand im Stadtbild das bergische Schieferhaus mit seiner sehr feuersicheren Fassade durchsetzte. Es blieb also der letzte Feuersturm in Elberfeld — bis im Juni 1943 die englischen Bomber kamen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung