Als die Rathaus-Galerie die Einkaufs-Malls nach Wuppertal brachte

Entwicklung : Als die Rathaus-Galerie die „Mall“ nach Wuppertal brachte

Vor 25 Jahren ist das Einkaufszentrum in Elberfeld eröffnet worden. Nach starken ersten Jahren geht es mittlerweile eher abwärts für das Haus.

Am 24. Oktober kommt Christian Anders in die Rathaus-Galerie. Zur Autogrammstunde und Vorstellung seines neuen Albums. Und irgendwie passt sein großer Hit, mit dem der gebürtige Österreicher einst die Charts stürmte,  zum Ort. „Es fährt ein Zug nach nirgendwo.“ Denn wohin die Rathaus-Galerie steuert, ist aktuell ziemlich unsicher. „Abwärts“ oder „Sackgasse“ werden viele behaupten, wenn sie nur nach dem äußeren Eindruck und den vielen Leerständen gehen. Das war mal ganz anders.

Vor ziemlich genau 25 Jahren wurde die Rathaus-Galerie hinter dem Elberfelder Verwaltungshaus, das viele Wuppertaler eben Rathaus nennen, eröffnet — gerade Mal fünf Monate nach dem Richtfest. Voll war es damals. Richtig voll, der Willy-Brandt-Platz „schwarz vor Menschen“. 75 000 Besucher strömten am ersten Tag in den Bau. Auch die weiteren Zahlen waren beeindruckend, die die WZ damals auflistete. 130 Millionen DM Gesamtinvestition, 40 Geschäfte auf drei Ebenen, 800 Arbeitsplätze, davon 500 neue. „Ein neuer Meilenstein des Einzelhandels“, schrieb die Zeitung.

„So etwas gab es hier ja noch nicht“, erinnert sich der langjährige WZ-Fotograf Kurt Keil, der damals dabei war. Für den Neubau, der nicht nur die Geschäfte, sondern auch Büros umfasste, war im Prinzip ein ganzes Quartier neu sortiert worden. Investor Bernd Matthes brachte der Stadt, als der Begriff hierzulande noch gar nicht bekannt war, die erste „Mall“. Einkaufszentren dieser Art gab es im Bergischen Land damals nicht.

Noch nicht — und das war auch der Vorteil, wie viele aus heutiger Sicht sagen. Die ersten Jahre lief es wie am Schnürchen, erinnert sich auch Keil. „Man konnte einkaufen. Und wenn man nichts gekauft hat, hat man einen Kaffee getrunken und Leute getroffen.“ Viele Veranstaltungen gab es, auch der eine oder andere Promi ließ sich in Elberfeld sehen. Alfred Biolek lud zum Beispiel zur Talkrunde.

Auch architektonisch machte die Galerie einiges her. 1996 gab es sogar einen Design-Award. Gelobt wurde unter anderem, dass es aufgrund der Hanglage gelungen war, jede der drei Geschosse mit einem ebenerdigen Eingang zu versehen.

Den Erfolg, sagt Matthes heute, habe aber auch ausgemacht, „dass wir die Galerie persönlich vor Ort  geführt haben“. Es sei ein Familienbetrieb gewesen, „Wir haben uns alle darum gekümmert.“ Hochwertige Geschäfte seien als Mieter eingezogen, erzählt der einstige Erbauer, der das Eröffnungsdatum, den 29. September 1994, immer noch auswendig kennt. Auch als die City Arkaden neu aufmachten, habe das nicht geschadet, erklärt Matthes. „Die waren kommerzieller.“ Das Publikum sei ein anderes gewesen.

2006 schließlich verkaufte er die Galerie. „Da lief es noch gut“, hebt er hervor. Mittlerweile hat Matthes seine berufliche Heimat in Düsseldorf, arbeitet zum Beispiel mit großen Hotelketten. „Ich wohne aber noch in Wuppertal“, erzählt er. Und sein Friseur sei immer noch in der Rathaus-Galerie. „Ich vermeide es aber, groß da durchzugehen“, sagt er. Dass sich das Einkaufszentrum schwer tue, sei kein Geheimnis. „Aber viele Shoppingcenter sind rückläufig.“ Und was die Rathaus-Galerie angehe, „ist die Zeit der Klein-Klein-Läden vorbei“.

Dass die Zeiten deutlich besser waren, sagt auch Domenico Ongeri, Mit seiner Encoteca San Lorenzo ist er Mieter der ersten Stunde. „Ich liebe meinen Laden“, sagt und zeigt aufs Interieur. „Ich habe mir viel Mühe gegeben.“ Doch unter den Nachfolgern von Matthes sei es bergab gegangen, die Folge: ein großer Leerstand. „Nichts wurde mehr gemacht“, ärgert sich Ongeri, der vor allem mit der Edinburgh House Gruppe, bis vor zwei Jahren Besitzer, hart ins Gericht geht. „Da kam immer nur bla, bla, bla.“ Einen großen Kritikpunkt sieht er praktisch direkt vor der Ladentüre: den Karlsplatz. Da, wo Ongeri seine Außengastro hat, „laufen regelmäßig Ratten“, ärgert er sich. „Niemand macht was dagegen.“ Und dafür müsse er auch noch teure Gebühren an die Stadt zahlen.

Der neue Eigentümer müsse endlich tätig werden, fordert er. Seit 2017 ist das eine Gesellschaft mit Sitz in Berlin. Auch die hat offenbar erkannt, dass Handlungsbedarf herrscht. Man müsse eingestehen, dass man die Folgen der Vernachlässigung durch die Vorbesitzer unterschätzt habe, heißt es in einem Schreiben an die Mieter. Bauliche Investitionen werden darin angekündigt, eine Modernisierung. Zudem wolle man den Mietermix optimieren und den Leerstand bereinigen. Langfristige Bindungen statt Schnellschüsse. Ein weiterer Schritt: Seit Anfang September ist ein neues Centermanagement im Einsatz. Man blicke positiv und zuversichtlich den Herausforderungen entgegen, ist in dem Schreiben zu lesen. Die Galerie wieder flott zu bekommen, dürfte eine Herkulesaufgabe werden.