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Alles für den Fiskus: Ein Auktionator im Justiz-Keller

Alles für den Fiskus: Ein Auktionator im Justiz-Keller

Wie der Wuppertaler Justizangestellte Robert Klammer hilft, die klamme Staatskasse aufzubessern.

Wuppertal. Natürlich hat Robert Klammer ein Büro. Im fünften Stock des sogenannten ADAC-Hauses sitzt der 52-Jährige und schaut hinunter auf die Kluse. Schöne Aussichten. Doch Klammers wahres Reich ist ganz tief unten im Haus. Auf mehr als hundert Quadratmetern stapelt sich das, was die Staatsanwälte in den vier Stockwerken darüber irgendwann einmal beschlagnahmt haben.

Kurios die Geschichte eines Kinderwagens. Den hatte ein Wuppertaler Pärchen mit einer Klauschürze präpariert. Brecheisen - das Handwerkszeug des gemeinen Einbrechers - sammelt Klammer gleich hundertfach. "Die wandern irgendwann auf den Schrott", sagt er. Altmetall bringt bekanntlich auch Geld. "Wer hier zum ersten Mal reinkommt, kriegt den Mund nicht mehr zu", sagt der gebürtige Kölner und freut sich.

Dazu hat der 52-Jährige allen Grund. Der Wahl-Wuppertaler kann nicht nur unglaubliche Geschichten erzählen, er bringt der klammen Staatskasse auch noch bares Geld. Seit einem Jahr bietet die Staatsanwaltschaft ihre Asservate zum Verkauf an. Im Internet darf für Playstations oder auch beschlagnahmte Autos geboten werden. Der Erlös geht an den Fiskus. Im Pilotjahr 2007 kamen so bereits 17000 Euro zusammen.

Zum Vergleich: Als es die Justiz-Internet-Auktionsplattform noch nicht gab, übernahmen Gerichtsvollzieher den Verkauf der Asservate. Klammer winkt ab: "Das war doch ziemlich lieblos." Und offenbar ziemlich ertragsarm. Justiz-Auktionator Klammer hat sich jedenfalls ehrgeizige Ziele gesteckt.

Den "Gewinn" des Jahres 2007 will er verdoppeln. Die Chancen stehen gut. Heute geht die Auktion eines Mercedes 50 AMG zu Ende. Ende Februar wurde das 349-PS-Geschoss zum Verkauf freigegeben. Seither gibt es mehr als 60 Bieter. Der Preis ist auf 7000 Euro angestiegen. Der Wagen gehörte einst einem Steuersünder. Klammer denkt kurz nach, fährt mit der Hand über den Lack: "Da ging’s um mehrere Millionen."

Der Geschäftssinn der Wuppertaler Justiz hat übrigens klare Grenzen. Der Verkauf von Waffen aller Art, Zigaretten und Alkohol ist absolut tabu. Computer werden erst dann verkauft, wenn sämtliche Dateien der Vorbesitzer gelöscht worden sind. Für die Qualitätsprüfung steht Robert Klammer übrigens persönlich gerade: Diverse Playstations hat der 52-Jährige selbst getestet: "Ich kann den Leuten doch keinen Schrott verkaufen."

www. justiz-auktion.de