Alle Jahre wieder: Trassenweihnacht

Alle Jahre wieder: Trassenweihnacht

Am Sonntag werden erneut Hunderte zum Gottesdienst am Bahnhof Loh erwartet.

Loh. „Damals, bei der Premiere, lag der Schnee fast bis zur Bahnsteigkante“, sagt Prädikant Jens Peter Iven von der Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen. Der Mitinitiator des Weihnachtsgottesdienstes am Trassenbahnhof Loh erinnert sich noch gut an das erste Treffen am Heiligen Abend. Im Jahr 2010 war das, und angesichts des Wetters sei er gespannt gewesen, ob und wie viele Wuppertaler der Einladung wohl tatsächlich folgen würden. Eine halbe Stunde vor Beginn sei der Bahnsteig noch leer gewesen. „Aber 15 Minuten später kamen die Menschen im dichten Schneegestöber zum Loh.“ Etwa 60 Neugierige hatte der erste Heiligabend-Gottesdienst auf der Nordbahntrasse, schätzt Iven. „Im vergangenen Jahr waren wir an die 300.“

Der Gedanke sei damals gewesen, einerseits die Trasse bekannter zu machen und sie andererseits als alternativen Gottesdienst-Ort zu nutzen. „Es war ja das erste Teilstück, das fertig geworden war, und ich fand: Das ist doch ein spannender Ort für einen solchen Gottesdienst.“

In diesem Jahr ist es bereits das achte Mal in Folge, dass Pfarrer Dieter W. Albat und seine Mitstreiter von der Rotter Kirche an den Bahnhof einladen, um sich mit Musik, Gesang, Gebet und einer Spielszene auf das Christfest einzustimmen. Pfarrer Albat verkörpert dabei wieder den „Stationsvorsteher“: „Seit Anbeginn gibt es diese wiederkehrende Figur, die den Leuten versucht zu erklären, dass der Zug abgefahren ist.“ Im Verlauf der Andacht zeige sich dann natürlich, dass sie dennoch nicht vergebens zum Loh gekommen sind.

Der Ort erzähle ebenfalls eine Geschichte: der verwaiste Bahnhof ohne Anschluss — das sei stimmig und passe auch zum biblischen Bericht von Menschen, für die jeder Zug abgefahren zu sein scheint.

Zahlreiche Stammgäste hat die Veranstaltung schon: „Es sind Leute dabei, die von sich sagen, dass sie ansonsten keinen Gottesdienst am Heiligen Abend besuchen, zur Trasse aber kommen“, sagt Iven: „Vielleicht, weil es eine andere Form des Gottesdienstes ist.“

Unterstützt wird die Andacht wieder von den Musikern des Posaunenchors Blechwerk Unterbarmen und auch von der Wuppertalbewegung: „Wir freuen uns, dass die schon traditionelle Veranstaltung erneut stattfindet“, sagt Hadumod Ingrid Bartölke vom Verein. „Hoffentlich spielt das Wetter mit.“

Doch Schnee und Regen würden wohl auch in diesem Jahr kaum jemanden davon abhalten, zum Bahnhof Loh zu kommen. Und dem Weihnachtstrubel ein halbes Stündchen in frischer Luft und entspannter Atmosphäre zu entgehen.

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