Ausstellung Gesichter als Landkarten der Emotionen

Wuppertal · Es sind große Porträts, gezeichnet mit Bleistift auf ungrundierter Leinwand, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Zu sehen sind die Werke bis Ende November bei Ryzek Wort und Bild.

 Galerist Peter Ryzek vor einem Werk von Ali Zülfikar.

Galerist Peter Ryzek vor einem Werk von Ali Zülfikar.

Foto: Fries, Stefan (fri)

Es sind beeindruckende menschliche Studien und ausdrucksstarke Gesichter, die sich dem Betrachter bieten, wenn er dieser Tage die Galerie ryżek wort + bild besucht. Am Samstag fand die Ausstellungseröffnung „Surfaces –Yüzeyler“ des Zeichners Ali Zülfikar statt. Die Detailgetreue der überlebensgroßen Porträts und die filigrane Ausführung der Zeichnungen versetzen in Erstaunen. Das Zusammenspiel von Hautlinien, Haaren und Licht erzeugt eine fast fühlbare Plastizität. Jedes Bild ist eine emotionale Momentaufnahme und schaut dabei hinter die Fassade des Porträtierten.

Der 1971 in der Türkei geborene Ali Zülfikar arbeitet großflächig. Seine Materialien sind der Bleistift und die ungrundierte Leinwand. Der politisch engagierte Künstler studierte von 1989 bis 1995 an der Universität Firat in Elazığ, musste aber 1997 seine Heimat verlassen. Heute lebt und arbeitet er in Köln. Seit 2014 hat er sich auf Porträts spezialisiert. Als Vorlage benutzt er meist Fotos. Seine Modelle sind sowohl Bekannte und Freunde als auch Persönlichkeiten aus Politik und Kunst. Die aktuelle Ausstellung zeigt unter anderem Bilder von Merkel, Picasso oder Tupac. In seinen Werken versucht er die Geschichte hinter den Gesichtern herauszuarbeiten. Gesichter sind für ihn „Landkarten der Emotionen“, denen er gerecht werden möchte. Die Arbeit auf Leinwand ist dabei eine besondere Herausforderung, da jeder Strich im Voraus geplant sein müsse. „Mein Kopf arbeitet wie ein Computersystem“, sagt er lachend, „ich weiß ganz genau, wo ich meine Striche setzen muss.“

Nächste Arbeit wird sich um das Thema Rassismus drehen

Den Galeristen Peter Ryżek hat der Künstler bereits 2017 kennengelernt. Eigentlich sollte seine Ausstellung schon im Frühjahr stattfinden, doch dann kam Corona dazwischen. Nun können seine Zeichnungen in der kleinen, gemütlichen Galerie im Luisenviertel präsentiert werden. Hier veranstaltet der Galerist sechsmal im Jahr Ausstellungen unterschiedlichster Ausrichtung. Die Porträts von Ali Zülfikar werden sowohl in der Galerie als auch schräg gegenüber, in den Räumen des Wahlkreisbüros von Helge Lindh (SPD), ausgestellt.

Aktuell arbeitet der Künstler Ali Zülfikar an einer Auftragsarbeit für die Alevitische Gemeinde des Kreises Unna. Auf einer Leinwand von 480 x 150 cm werden unter anderem die Porträts der „Zwölf Imamen“ dargestellt. Und er hat bereits neue Ideen im Kopf, unter anderem eine Arbeit, die den Rassismus in Deutschland thematisieren soll.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 28. November an der Obergrünewalder Straße 13, jeweils dienstags, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr.