1. NRW
  2. Wuppertal

Alarm in Wuppertal: Baumaterialien werden knapp

Wirtschaft : Alarm in Wuppertal: Baumaterialien werden knapp

Wuppertaler Handwerker bekommen den Rohstoffmangel zu spüren – sie rechnen mit steigenden Kosten für Verbraucher.

Die meisten Wuppertaler Handwerker konnten trotz Corona-Pandemie in den vergangenen 13 Monaten weiterarbeiten. Sie hatten - anders als viele Branchen - mit keinen großen Einschränkungen zu kämpfen. Doch jetzt haben Maler, Dachdecker und Maurer ein Problem: Die Rohstoffe werden knapp. „Alles was mit Kunststoffen zu tun hat, ist knapp“, sagt Oliver Conyn, Obermeister der Maler­innung Wuppertal. Und das ist mehr, als man auf den ersten Blick vermutet: Klebebänder, Folien, Kunststoffdispersionsfarbe, Styropor, Putz- und Spachtelmasse sind kaum oder gar nicht zu bekommen. Alle Großhändler haben ihre Kunden informiert, dass die Lieferzeit vier bis fünf Monate beträgt.

Auch die Kosten ziehen an. „Es gibt eine Preissteigerung um das Achtfache“, sagt Conyn. Ab dem 1. Mai gelten neue Preise – es ist die zweite Preiserhöhung in diesem Jahr. Das hat Folgen für viele Bauvorhaben. Die Kalkulation der Materialien, die etwa 40 Prozent eines Angebots ausmachen, kann nach Einschätzung von Oliver Conyn nur kurzfristig erfolgen. „Wer jetzt eine Fassadendämmung für den Sommer oder Herbst plant, kann nur den aktuellen Tagespreis nennen“, sagt er. In vier bis fünf Monaten könne „noch etwas draufkommen“. Das macht die Firma Artur Renker Bedachungen bereits. „Es gibt so starke Preisschwankungen, dass wir eine Preisgleitklausel einbauen“, sagt Carsten Renker.

Auch das Holz ist knapp. Der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V. schreibt, dass Palettenproduzenten und andere Holzpackmittelhersteller in Kürze nicht mehr ausreichend produzieren können, wenn die Rohstoffknappheit auf dem deutschen Holzmarkt weiter anhält. „Es drohen spürbare Beeinträchtigungen für den gesamten Warenverkehr“, heißt es auf der Homepage des HPE. Derzeit wird „alles Holz nach Übersee verschifft“, so Conyn.

Das bekommen die Dachdecker und Zimmerleute zu spüren, die für eine Dachlatte das Doppelte hinlegen müssen. Das läppert sich, wenn man bedenkt, wie viel Holz für einen Dachstuhl benötigt wird. „Wir haben uns mit Material eingedeckt“, sagt Carsten Renker. Aber nicht jeder kleine mittelständische Betrieb kann nach Angaben von Conyn „Material bunkern“.

In China wird viel
Material verbraucht

Der Rohstoffmangel hat viele verschiedene Ursachen. Durch die Pandemie gab es Lieferengpässe, auf der anderen Seite stieg die Nachfrage nach Rohstoffen in Asien und Europa. „In China boomt die Wirtschaft wieder. Die verbrauchen Material und Ressourcen ohne Ende“, sagt Conyn. Vor allem die Preise für Epoxidharze – wichtiges Bindemittel für viele Farben und Lacke – sind nach Angaben des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) zuletzt geradezu explodiert. Allein in den letzten beiden Monaten betrug die Kostensteigerung bis zu 60 Prozent. Kritisch ist die Situation auch bei Polystyrol für die Dämmstoffplatten der Wärmedämmverbundsysteme. Ein weltweiter Mangel an Containern trägt zur Verschärfung der Lage bei. Inzwischen werden leere Container von Europa nach Asien geschickt, um Waren zu holen.

„Wie wahnsinnig ist es, dass das Material nach China und die USA exportiert wird und wir müssen schauen, dass wir Holz aus Russland bekommen?“, sagt Arnd Krüger, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Wuppertal. Er rechnet mittlerweile mit einer Krise.

Der länger anhaltende Bauboom in Deutschland, der Mangel an Nachwuchskräften und der Rohstoffmangel führten dazu, dass „ein Stock in die Speichen gerate“ und das Rad schließlich stehen bleibe. Der Markt sei überhitzt, irgendwann werde es den Verbrauchern zu teuer und die Nachfrage pendele sich ein.

„Vielleicht öffnet uns das die Augen“, sagt  Malermeister Oliver Conyn. Natürlich seien die Produktionskosten in Deutschland höher als in China. Aber durch die globalen Abhängigkeiten stehe das Hochtechnologie-Land Deutschland gerade „mit heruntergelassenen Hosen“ da.