„akzenta“ in Wuppertal - Kunden können eigene Behälter mitbringen

Plastikmüll vermeiden : Wuppertaler Supermarkt „akzenta“ packt Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen ein

Plastikmüll vermeiden, das wollen immer mehr Verbraucher in ihrem Alltag berücksichtigen. Der Handel reagiert. So auch der Supermarkt „akzenta“ in Wuppertal. Dort können Kunden den Käse in der eigenen Box mitnehmen. Ob dieser Service angenommen wird, wird sich zeigen.

Plastik überall. Die Meere ertrinken im Plastikmüll und erst kürzlich haben Forscher Plastikartikel im Stuhl von Menschen nachgewiesen. Die besorgniserregenden Botschaften sind nicht nur im EU-Parlament angekommen, wo diese Woche eine Richtlinie zum Verbot von Plastik-Wegwerf-Artikel verabschiedet wurde.

Doch auch immer mehr Verbraucher wollen so wenig wie möglich Plastik verwenden, um als Einzelner einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.  In Wuppertal hat nun der Supermarkt „akzenta“ darauf reagiert. An den Käse- und Wursttheken können Kunden ab sofort eigene Behälter mitbringen und dort die gekaufte Ware einpacken lassen. Bei Verbrauchern kommt das gut an. Der Facebook-Eintrag der Supermarktkette bekam über 440 Likes in sieben Stunden. Ob tatsächlich dieser Service angenommen wird, wird sich zeigen.

Schon 2016 starteten Edeka-Märkte in Baden-Württemberg dieses Mehrwegsystem, in Rewe-Märkte konnten in Duisburg und Dinslaken 2017 Kunden in einem Pilotversuch eigene Behälter an der Wurst- und Käsetheke abgeben. Dank der Tara-Funktion moderner Waagen, spielt das Gewicht der Mehrwegdosen keine Rolle.

Strenge Hygienvorschriften

Selbstverständlich ist das Mehrwegsystem nicht. Strenge Hygienevorschriften verbieten, dass von Kunden mitgebrachte Behältnisse hinter die Glasscheibe der Theke gelangen. Dort beginnt der „Hygienebereich“. Umgangen wird das mit einem Tablett, auf dem die Kunden ihre Behältnisse abstellen. Der Angestellte nimmt das Tablett, befüllt es mit dem gewünschten Lebensmittel und reicht das Tablett mit der offene Frischhaltebox. Der Kunde verschließt dann selber die Box. So soll vermieden werden, dass der Supermarktmitarbeiter mit der Box in Berührung kommt.

Eine bundeseinheitliche Hygiene-Empfehlung gibt es nicht. Es heißt lediglich in §3S.1 der Lebensmittelverordnung (LMHV): „Lebensmittel dürfen nur so hergestellt, behandelt oder in den Verkehr gebracht werden, dass sie bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung nicht ausgesetzt sind.“

Pilotversuch bei Rewe wieder eingestellt

Rewe sieht diese Handhabung kritisch. Auf Grund der schwierig einzuhaltenden Hygienevorschriften sowie der zurückhaltenden Kundenakzeptanz hat die Supermarktkette Abstand genommen von dem Mehrwegsystem an Wurst- und Käsetheke. „Der Hygienezustandes der mitgebrachten Behälter sind aus aus unserer Sicht schwer nachzuprüfen“, teilt der Pressesprecher Thomas Bonrath auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Zudem erfordert die Reinigung von Mehrwegbehältern in den Märkten ein hohes Maß an Energie und Temperatur, vergleichsweise aggressive, chemische Spülmittel und viel Wasser, da diese mit Spezialmaschinen erfolgen muss, um eine hygienische Reinheit in jedem Fall gewährleisten zu können.“ Rewe wolle aber weiterhin daran arbeiten, praktikable und für den Kunden zumutbare Lösungen zu finden.

Unverpackt-Läden waren Vorreiter

Angestoßen haben den Trend die Unverpackt-Läden, die sich vor allem in Großstädten etablieren. Dort werden alle Lebensmittel in eigens mitgebrachten Behältern abgefüllt.

Ganz so Plastikfrei werden die Kunden in Supermärkten nicht einkaufen können, doch immer mehr wird dafür getan. Wurden zuerst die Plastiktüten an der Kasse verbannt, so folgen nun die Einwegtüten an Gemüse- und Obsttheke. Viele Supermärkten bieten wiederverwendbare Netze an, in die das Obst oder Gemüse gepackt werden kann. Einweggeschirr aus Plastik sollen bis 2020 aus den Regalen von Rewe, Penny und den Baumärkten Toom verschwinden. Lidl will bis Ende 2019 Plastikartikel wie Besteck und Trinkhalme aus dem Sortiment nehmen.

Plastikverschweißte Gurken im Baumwollnetz

Ein begrüßenswerter Trend, doch wenn in Plastik verschweißte Gurken im Baumwollnetz landen, scheint das Bemühen der Kunden ins Leere zu laufen. Rewes Pressesprecher Bonrath verteidigt Plastik als Verpackungsmaterial für Gemüse und Obst. Die Produkte würden geschützt und die Haltbarkeit gesteigert. Für die meisten Produkte sei der Ressourcenaufwand für das Produkt wesentlich höher als für die Verpackung selbst. So leiste die Verpackung auch einen wichtigen Beitrag gegen Foodwaste. So haben eingeschweißte Gurken im Herbst und Winter einen langen Transportweg hinter sich. Würden die Gurken ohne Verpackung transportiert werden, so würde das mit mit hohen Qualitätseinbußen (u.a. Austrocknung, Beschädigungen, etc.) bis hin zu hohen Verlusten (Verderb) einhergehen. Oder eine Transportlogistik erfordern, die viel mehr Ressourcen verbrauchen (z.B. Treibstoff) und Emissionen freisetzen würde als dies bei der Produktion und Entsorgung der Produktverpackung der Fall ist, erklärt Bonhart.

Letztendlich entscheidet der Verbraucher aber selber wieviel Plastik er mitkaufen möchte. Plastik vermeiden endet nicht an der Wurst- oder Käsetheke.

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