Aktionswochen in Wuppertal: Der Blick aufs Unscheinbare am Wegesrand

Mirke : Aktionswochen: Der Blick aufs Unscheinbare am Wegesrand

Wildwuchs ist Thema: Zum Auftakt stand auch ein Kochkurs auf dem Programm.

. Am Bahnhof Mirke mit der Utopiastadt wurde am Sonntag der Startschuss zu den fünften Aktionswochen Wuppertals Urbane Gästen (AWUG) gegeben, zu denen die gleichnamige IG, vertreten durch Michael Felstau, eingeladen hatte. Vom 5. bis zum 19. Mai werden die Bürgerinnen und Bürger in den verschiedensten Veranstaltungen nahezu täglich auf Auffälliges und Unscheinbares in Gärten und am Wegesrand aufmerksam gemacht.

Was es unmittelbar neben dem Rad- und Wanderweg der Nordbahntrasse zwischen und neben dem Schotter zu bestaunen gab, das zeigte zum Beispiel die pflanzenkundige Heilpraktikerin Sinja Borner, die eine Gruppe von gut 30 Interessierten um sich geschart hatte. Nicht zu einer Kräuterwanderung, sondern zu einem kleinen Spaziergang, auf dem sie ihre Zuhörer mit einem kleinen Flecken „Unkraut“ vertraut machte. „Unkraut“, eher ein Unwort, werden doch so Pflanzen bezeichnet, deren Wert sich für den Laien nicht auf den ersten Blick erschließt. Dabei dienen diese nicht nur Tieren als Nahrung, sondern sind für Insekten wichtig und nützlich und lassen sich von Kundigen als wohlschmeckende Beilagen für Salate verwenden.

So der eher geringschätzig erachtete Löwenzahn. „In ihm sind Bitterstoffe enthalten, die den Speichelfluss und die Verdauung anregen“, verriet die Expertin, die ihre Zuhörerschaft auch raten ließ, was da so auf einem kleinen Fleck grünte und blühte. „Das ist eine Knoblauchrauke“, wusste Klaus Lüdemann (Bündnis 90/ Die Grünen), der ebenso wie seine Fraktionskollegin Bettina Brücher, nicht in offizieller Mission, sondern nur aus „grünem Interesse“ mit dabei war.

Nur die Kräuter verwenden,
die man identifizieren kann

Was mit den Wildkräutern, so die korrekte Bezeichnung, Delikates angestellt werden kann, das zeigte der Stand von „Kopp auf!“, Verein für Nachhaltigkeit. Giersch, Löwenzahn oder Brennnesseln wurden dort in Nudelteig gemischt und daraus wohlschmeckende Pasta-Mahlzeiten gekocht, wie Johannes Berg als Mitglied des Kopp-Auf!-Teams versicherte.

„Allerdings sollte man nur die Kräuter verwenden, die man auch eindeutig identifizieren kann“, warnte Helmut Leopold vom Stand der Bergischen Gartenarche, wo es gleichfalls eine kleine Pflanzenkunde zu besichtigen galt. „Dabei nicht nur auf Bücher verlassen, sondern lieber Sachkundige fragen, denn nicht alles, was hier so wächst, ist auch genießbar.“

Einen lustigen „Ökospaß“ für Kinder hatte die „Station Natur und Umwelt“ parat – „Seedbombs“, zu Deutsch „Saatbomben“. Ostereiergroße Kugeln, geformt aus Erde, Tonerde ohne Torf und Samen einheimischer Pflanzen, die man – aufbewahrt in Zeitungspapier oder Eierkartons – zu Hause im Garten in die Erde geben kann.

„Die bilden dann die richtigen Nahrungsquellen für Wildbienen, Schmetterlinge und Insekten“, erklärte Tamina Rammes von der Umweltstation und appellierte, keine Steinwüsten vor dem Haus oder im Garten anzulegen.

Die Rettung der Wildbienen hat sich die Wuppertaler Grafik-Designerin Anja Eder, auch mit einem informativen Bildband, auf die Fahnen geschrieben. Ihr inhaltsreicher Vortrag zum Thema, auch gleichbedeutend mit dem Erhalt der Artenvielfalt und Ratschläge, wie man etwas dafür tun kann, stand am Nachmittag auf dem Programm.

Dem Forscherdrang junger Besucher trug die Station Natur und Umwelt auch mit zwei Mikroskopen Rechnung, unter denen Käfer, Libellenlarven oder Wespennester betrachtet werden konnten.

Wie man selbst zum Ökogärtner werden kann, das wurde von Dieter Hofmann verraten, der wusste, wo sich mit Saatgut vorbereitete Parzellen von 50 Quadratmetern pachten lassen. „Hegen, Pflegen, Ernten“ heißt das Motto, unter dem man auch der Natur beim Wachsen und Blühen zuschauen und sich dabei vom Alltagsstress entspannen kann.

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