Aids-Hilfe sucht einen Weg aus der finanziellen Not

Aids-Hilfe sucht einen Weg aus der finanziellen Not

Die schwere Krankheit ist nicht mehr so in den Köpfen präsent. Dabei gibt es noch immer 360 HIV-Positive im Tal.

Die Aids-Hilfe Wuppertal braucht Unterstützung aus der Bevölkerung. Obwohl die Krankheit mehr und mehr aus den Köpfen verschwindet, ist Aids noch immer ein Thema im Tal. Rund 360 HIV-Positive leben in Wuppertal und Umgebung, davon hat knapp die Hälfte Kontakt zur Aids-Beratung. Nach wie vor machen homosexuelle Männer rund zwei Drittel der Neuinfizierten aus. Hinzu kommen vor allem Migranten aus Ländern mit hoher Verbreitung des Virus’, etwa aus Osteuropa.

Foto: Andreas Fischer

Gleichzeitig steht die Arbeit der Aids-Hilfe finanziell auf unsicherem Gerüst. „Wir haben ein strukturelles Defizit“, sagt Christian Freier, der den Verein als einer von vier Mitarbeitern verwaltet. Drei Vollzeitstellen entfallen auf die Beratungsstelle, doch laut Freier wurden die tariflichen Erhöhungen der Personalkosten bislang nicht abgefedert. „Im schlimmsten Fall müssten wir Personal abbauen und schließlich unser Beratungsangebot verkleinern“, sagt Freier.

Damit das nicht passiert, sammelt die Aids-Hilfe Spenden über die Plattform „Gut für Wuppertal“ — der Initiative von betterplace.org, Stadtsparkasse Wuppertal und WZ.

Das Kerngeschäft der Aids-Hilfe ist die Beratung. Dabei geht es um Themen wie die Unterstützung nach einem positiven Testergebnis, die Beratung zum Test, die psychosoziale Begleitung, die medizinische Versorgung und Informationen zu Safer Sex.

Betroffene kommen meistens direkt in die Räume der Aidshilfe, Simonstraße 36. „Manche trauen sich aber nicht, zu uns zu kommen, weil sie Angst haben, gesehen zu werden“, berichtet Freier. Daher leisten die Helfer auch aufsuchende Arbeit, gehen zum Beispiel in die Justizvollzugsanstalten, wo Aids im Zusammenhang mit Drogenkonsum ein Thema sein kann.

Doch Freier stellt klar, dass die unheilbare Krankheit nicht nur ein Problem von Drogensüchtigen und Homosexuellen ist. Menschen steckten sich auch heute noch außerhalb dieser beiden Szenen an. Rund 25 Prozent Frauen werden von der Aids-Hilfe betreut.

Neben der Präventionsarbeit an Schulen bieten die Helfer auch niedrigschwellige Angebote für HIV-Kranke sowie Freunde und Verwandte an. So gibt es etwa das „positive Frühstück“. Jeden Donnerstag von 10 bis 12.30 Uhr haben Betroffene die Möglichkeit, sich auf Augenhöhe auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Für Berufstätige ist das „Dinner for fun“, immer am letzten Dienstag des Monats um 19 Uhr, eine Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen zu treffen.

Durch die verbesserten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten haben sich auch die Herausforderungen der HIV-Erkrankten verändert. Das Thema Aids und Beruf nimmt einen größeren Raum ein. „Aidskranke sind in der Regel genauso leistungsfähig wie andere Menschen“, sagt Freier.

Die Aidshilfe öffnet montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16 Uhr, Tel. 45 00 03.

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