AiCuris ist das Wuppertaler Unternehmen des Jahres

Wirtschaftspreis : „Wir retten Leben - jeden Tag“

AiCuris erhält den Wirtschaftspreis 2019 und bleibt dem Standort Wuppertal treu.

Es war ein großer Moment für AiCuris, als die Unternehmensgründerin Helga Rübsamen-Schaeff und Geschäftsführer Holger Zimmermann stellvertretend für das Team im November 2018 den Deutschen Zukunftspreis aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entgegen nahm. Angesichts der bundesweiten Anerkennung der Forschungserfolge auf dem Gebiet antiviraler und antibakterieller Wirkstoffe zur Behandlung von schweren und potenziell lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten steht außer Frage, dass AiCuris bereits 2018 ein ganz heißer Kandidat für den Wuppertaler Wirtschaftspreis war. 2019 ist nun der Zeitpunkt gekommen, nachdem das 2006 als Spin-out der Bayer-Infektionsforschung gegründete Unternehmen die Entscheidung getroffen hat, in Wuppertal mehrere Millionen Euro auf dem Elberfelder Bayer-Geländezu investieren. „Es kommen weitere Räume dazu und wir werden die Labore auf den modernsten Stand bringen“, sagt Geschäftsführer Holger Schmoll.

AiCuris hat als eines der weltweit wenigen Biotech-Unternehmen mit Letermovir beziehungsweise Prevymis, wie der Markenname des AiCuris-Lizenzpartners MSD in der EU, den USA und Japan lautet, ein eigenes Medikament auf den Markt bringen können. Es ist zur prophylaktischen Behandlung des humanen Cytomegalovirus (HCMV) bei Patienten nach Knochenmarkstransplantationen zugelassen. Dieses in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Virus ist eine der größten Gefahren für Menschen deren Immunsystem nicht funktioniert. Letermovir wird auch nach der Zulassung für weitere Indikationen weiterentwickelt. Derzeit wird nach Angaben von AiCuris eine Zulassungsstudie zur HCMV-Prophylaxe in Nierentransplantierten durchgeführt. Ein weiteres Produkt - Pritelivir, ein Wirkstoff zur Hemmung der Replikation von Herpes-simplex-Viren - wird in einer Phase-II-Studie an Patienten getestet. Und der Wirkstoff AIC649 wurde bereits an Patienten mit chronischer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus getestet. Ziel ist es, mit AIC649 erstmals eine Heilung von Hepatitis B zu erreichen.

Neben der Forschung auf dem Gebiet der Virologie sieht AiCuris große Aufgaben auf dem Gebiet der Bakteriologie. Im Bereich antibakterieller Wirkstoffe konzentriert AiCuris sich auf die Erforschung innovativer Behandlungsmöglichkeiten gegen lebensbedrohliche (multi-)resistente Keime. „Da die großen Pharmakonzerne sich fast komplett aus dieser Forschung verabschiedet haben, sehen wir eine medizinische Verantwortung auf diesem Gebiet, weiter zu forschen“, sagt Holger Zimmermann. Die großen Konzerne scheuen große Investitionen in neue Antibiotika, da sie den Patienten oft nur über einen Zeitraum von 14 Tagen verschrieben werden und die Preise den Nutzen, schnell Leben zu retten, nicht widerspiegeln.

AiCuris will der Antibiotika-Forschung treu bleiben und hat eine Kooperation mit dem Biotechnologie-Unternehmen Lysando AG vereinbart, die die gemeinsame „Entwicklung und Optimierung humanmedizinischer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von relevanten Infektionen mit Gram-negativen und Gram-positiven Bakterien mittels Lysandos Technologieplattform Artilysin“ zum Ziel hat. „Mit unserer besonderen Expertise in der Entwicklung von Medikamenten gegen Infektionskrankheiten sind wir bestens gerüstet und fest entschlossen, den Kampf gegen Resistenzbildung mit neuartigen Behandlungsansätzen wie z.B. den Artilysinen voranzutreiben. Ohne neue Antibiotika steuern wir in eine Katastrophe, so Zimmermann. Allein in Krankenhäusern in den USA infizieren sich jährlich zwei Millionen Menschen mit bakteriellen Infektionen, 90000 Patienten sterben.

 In der Virologie und Bakteriologie gibt es noch viele Herausforderungen für das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern am Standort. „Wir sind inhaltlich getrieben - und nicht über das Wachstum. Wir wollen uns unsere Flexibilität erhalten“, sagt Zimmermann. Die eigene Mission beschreibt AiCuris so: „Wir retten Leben. Jeden Tag.“

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