Ästhetische Bildstörungen

Ästhetische Bildstörungen

Rolf Mallat zeigt seine Menschen-Bilder in der Galerie der BKG im hinteren Teil des Kolkmann-Hauses.

Die junge Frau schaut in die Ferne, eine Hand schützt vor der Sonne. Kein Blick für das zerfallende Haus hinter ihr. Warum auch? „Nur weg hier“ sagt ihr Gesicht. Oder ist ihr Blick doch nur sonnengeblendet? Rolf Mallat hat die Szene auf eine 110 mal 160 Zentimeter große Leinwand gebannt, ein Bild, das sich nicht im Vorübergehen erfassen lässt, das von Gegensätzen und Stilbrüchen lebt. Der Maler selbst spricht von „Bildstörungen“. Noch bis zum 24. Juni können die Wuppertaler den Bild-Täuschungen auf den Grund gehen und reflektieren — in der Galerie der Bergischen Kunstgenossenschaft (BKG) im hinteren Teil des Kolkmann-Hauses.

Der erste Kontakt fand 2016 statt. Rolf Mallat habe sich an ihn gewandt, weil er von der „alten BKG“ gehört hatte und in Wuppertal ausstellen wollte, erinnert sich BKG-Vorsitzender Harald Nowoczin. Das Interesse wurde schnell erwidert, und nun ist der freischaffende Maler und Grafiker der dritte externe Künstler, der dieses Jahr bei der BKG ausstellen kann. Nowoczin: „Eine Gegenausstellung in Troisdorf folgt.“

16 Werke, die der 1957 in Bonn geborene Mallat ab 2015 in unterschiedlichen Formaten geschaffen hat, sind ausgestellt. Darunter große Formate, kleinere und zwei Sammelbilder, die aus vielen kleinen Bildern bestehen. Mallat arbeite vor allem mit Acrylfarbe, aber auch Buntstiften, Sand, Spachtel und Sprühlacken, die er in mehreren Schichten auftrage, erzählt Nowoczin. Er verwendet bunte, aber abgetönte, nicht popartige Farben, durchbricht sie mit schwarz-weißen Flächen oder grafischen Mustern, die etwas Abstraktes und Unfertiges ins Bild bringen. Nowoczin: „Mallat durchlief mehrere Phasen, hat sich über das Aktzeichnen, grafische Arbeiten und Radierungen sowie eine eher abstrakte Phase zu wieder realistischeren Porträts entwickelt.“

Mallats Menschen blicken nüchtern bis nachdenklich und emotionslos, nur manchmal mit einem schmalen Lächeln in ihre Welt. „On the Road“ beobachtet auf 28 mal 34 Zentimetern kleinen Leinwänden unbemerkt Menschen, denen man auf der Straße begegnet, die ein Selfie machen, auf jemanden warten oder musizieren. Der Mensch sei zentrales Thema seiner gegenständlichen und sachlichen Malerei, sagt Mallat selbst. Er porträtiert ihn, stellt ihn in meist städtischen Alltagsszenen dar. Die hin und wieder an Edward Hopper und seinen amerikanischen Realismus erinnern.

Basis der Arbeiten sind Fotos, Motive aus dem Internet oder den Medien, die der Künstler am Computer bearbeitet und verändert. Bevor er sie schließlich malt, verdichtet, andere Bildausschnitte (durchaus auch mit offen kunsthistorischem Bezug zu anderen Malern wie Otto Dix und Peter Paul Rubens) oder grafische Elemente und Muster hinzufügt, einander ausschließende Ebenen abrupt nebeneinader stellt. Es entstehen sehr ästhetische, scheinbar geschlossene Kompositionen, die erst beim näheren Hingucken Widersprüche offenbaren. Die Frau im Straßencafé sitzt auf einem nur skizzierten Stuhl, das Fenster hinter ihr mit den sich spiegelnden Passanten steht seltsam frei, die Szene wird links mit Farbstreifen abgeschlossen, die an Barcodes erinnern, die man vom Einkaufen kennt.

Mallats Stil ist unverkennbar, spricht an. Veränderung nicht ausgeschlossen — denn der Künstler ist nach eigener Aussage neugierig geblieben.

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