1. NRW
  2. Wuppertal

Ärger um Wuppertaler Eigentumswohnung: 2 Jahre warten auf den Einzug

Ärger um Eigentumswohnung in Wuppertal : Zwei Jahre warten auf den Einzug am Hesselnberg

Sven van Garsel und seine Frau wollen in eine Wuppertaler Eigentumswohnung der Küpper-Brüder einziehen – und werden seit März 2018 vertröstet.

Sven van Garsel (39) und seine Frau Jessica (32) wollen so langsam nicht mehr. Ihnen ist die Lust auf das Eigenheim mittlerweile vergangen. Es bedeutet für sie nur Stress und Ärger. Und warten. Langes Warten, mit immer neuen Daten für Übergabe und Einzug.

Die beiden haben 2017 einen Vertrag über den Kauf einer Wohnung an der Straße Hesselnberg abgeschlossen – im ehemaligen Gemeindehaus, das seit 2015 von der Firmengruppe Küpper umgebaut wird. Bis heute konnten sie nicht einziehen.

Dabei hat es mehrere Übergabetermine gegeben. Sie sollten erstmals im März 2018 die Wohnung übernehmen, dann wurde der Familie mitgeteilt, dass sie zum 31. August 2018 einziehen können soll. Die Sachen seien gepackt gewesen, sagt van Garsel. Die alte Wohnung gekündigt. Der Termin wurde aber verschoben. Seitdem wohnen sie bei den Eltern in Solingen. „Wir leben aus Kartons. Was man nicht so häufig braucht, das packt man ja nicht mehr aus“, sagt van Garsel.

Einzugstermine gab es mehrere – keiner wurde gehalten

Für Sven van Garsel sei die Situation nicht leicht. Er sei an Multipler Sklerose erkrankt, Pflegestufe 2, und könne so langsam nicht mehr so gut die Treppen gehen. Daher sei ihm die Wohnung im Erdgeschoss des Hauses in Unterbarmen wichtig – und ein Einzug, bevor sich sein Zustand weiter verschlechtere. Vor zwei Jahren sei das noch ok gewesen, aber das sei nicht dauerhaft so.

Zwischendurch gab es mehrere angestrebte Übergabetermine – 2018, 2019, 2020. Bis jetzt sind die van Garsels nicht umgezogen.

Das habe natürlich auch finanzielle Folgen. Eigentlich wollten die van Garsels jetzt die Wohnung abbezahlen – also den Kredit. Stattdessen zahlen sie laut van Garsel Bereitstellungszinsen für das bisher nicht in Anspruch genommene Geld der Bank. „Normalerweise fallen die nicht an“, sagt van Garsel. Weil ein Kredit in der Regel innerhalb eines kurzen Zeitraums nach Bewilligung auch genommen würde. In ihrem Fall müsse die Bank aber das Geld weiter bereithalten. Und für die ausbleibenden Zinsen nimmt die Bank eben vorab Zinsen. Thilo Küpper, der das Projekt die meiste Zeit verantwortet hat, zahlt den van Garsels seit Dezember 2018 die Miete sowie seit Juni 2019 die Kosten etwa für eingelagerte Möbel. Laut van Garsel sind da die Zinsen eingerechnet. Zudem hat Küpper Sonderwünsche in der Ausstattung übernommen. „Die vertraglichen Zahlungen decken auf den gesamten Zeitraum gesehen nicht alle Unkosten“, merkt van Garsel aber an.

Und zudem gebe es bis jetzt Streitpunkte: Etwa weil im vergangenen Sommer ein Wasserleck gefunden worden war, dass sich laut einer E-Mail vom Januar 2020 „längst zu einem umfangreichen Wasserschaden ausgeweitet“ hat, schrieb van Garsel. Das im September 2019 verlegte Parkett habe inzwischen darunter gelitten. Küpper habe nicht rechtzeitig reagiert, um weiteren Schaden abzuwenden, sagt er.

Was noch offen und für van Garsel wichtig ist, ist der ebene Durchgang zur Terrasse. Bisher sei der nicht verbaut. Ohne den könnte er später mit Rollstuhl aber nicht nach draußen.

Thilo Küpper sagt, inzwischen sei eine Aluschiene angebracht, der ebene Gartenzugang gesichert, und auch der Grund für den Wasserschaden an der Außenwand sei behoben. Jetzt müssten die Wände getrocknet werden. Er sagt, ihm sei der Schaden erst seit einem Monat bekannt.

Generell sei die Baustelle am Hesselnberg nicht gelaufen wie geplant. „Fünf Jahre sind keine normale Bauzeit“, sagt er. „Da ist – unverschuldet – alles schief gegangen, was schief gehen konnte“, räumt er ein. Er nennt verschiedene Gründe: „anderer Verlauf der Grundwasserleitungen als in den städtischen Plänen, statische Ertüchtigung der Außenwände und des Treppenhauses, vorgefertigter Dachstuhl musste auf Grund eines Aufmaßfehlers ersetzt werden“, und noch mehr.

Damit begründet er auch die Verzögerungen beim Übergabe- oder Einzugsdatum. Generell seien die Daten immer offen und transparent kommuniziert worden. Es habe regelmäßige Besichtigungen gegeben. Er betont, es sei „keine böse Absicht“, die Käufer so zu verstimmen. Aber von den sieben bisherigen Käufern sei keiner abgesprungen und es gebe keine juristischen Beschwerden.

Die bisher verkauften Wohnungen sollen am 8. April übergeben werden können. Familie van Garsel will vorher einen eigenen Gutachter durch die Wohnung gehen lassen. Sie haben das Vertrauen in die Zusagen verloren.