Ärger um Ehrenmal an der Nevigeser Straße: Stadt beauftragt Steinmetz

Wuppertal : Nevigeser Straße: Stadt reagiert nach Ärger um das Ehrenmal

WZ-Leser hatte sich über den Zustand beschwert. Die Stadt engagiert jetzt einen Steinmetz.

. Vom Regen in die Traufe? Eigentlich sollte das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Vereins SV Germania in der Grünanlage an der Nevigeser Straße eine neue Heimat bekommen. Praktisch gegenüber dem ehemaligen Sportplatz, wo es Jahrzehnte hinter dem Jugendhäuschen stand, dann aber in Vergessenheit geraten war. Die Steine wurden im vergangenen Jahr umgesetzt, nachdem das Sportplatzhaus abgerissen worden war. Auf dem Gelände sollen bekanntlich eine Sporthalle und ein Discounter gebaut werden. Doch auch am neuen Standort sieht es für das Ehrenmal offenbar nicht rosig aus. Die Stadt verspricht allerdings, in Kürze zu handeln.

„Ich habe einmal nachgeschaut, was inzwischen aus dem Ehrenmal geworden ist“, schreibt ein verärgerter Leser der WZ. „Kurz gesagt: nix. Ein trauriger Anblick. Wer nicht weiß, um was es sich handelt, hält es für Bauschutt. Motto: Ist das Kunst oder kann das weg?“ Die Steine lägen demontiert und lieblos umzäunt direkt an einem der Eingänge der Grünanlage. Zur Krönung hatte beim Besuch des WZ-Fotografen ein Hundehalter offenbar noch eine Tüte Kot auf den Steinen drapiert.

Das Ehrenmal, das beim Umsetzen, wie es im vergangenen Jahr hieß, etwas in Mitleidenschaft gezogen worden war, besteht eigentlich aus drei Blöcken übereinander und hat eine Grundfläche von etwa 1,30 mal 2,20 Meter. Die Höhe beträgt gut 1,60 Meter. Es war 1921 aufgestellt worden vom damaligen Verein SV Germania, um an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu erinnern. 39 in fünf Kolonnen in den Stein eingemeißelte Namen verdeutlichen, welche Verluste der Verein damals erlitten hat.

Stadt: Steinmetz soll bald
mit der Restaurierung beginnen

Über die Jahre geriet das steinerne Bauwerk allerdings in Vergessenheit und fristete hinter dem Jugendheim ein trostloses Dasein. Der SV Germania schloss sich 1975 mit dem VfL Wuppertal 1912 zum neuen Verein SV Borussia Wuppertal 07/12 zusammen. Anfang der 2000er Jahre starteten dann der damalige Vorsitzende von Borussia, Hans-Gerd Krieger, und sein Mitstreiter Rolf „Rolli“ Duhr einen Versuch, die steinernen Zeugnisse der Vereinshistorie wieder mehr ins Blickfeld zu rücken. Die Stadt versprach Unterstützung, doch die Bemühungen verliefen im Sande. 2004 schloss sich die Borussia dann dem WSV an.

Wegen des Neubauprojekts auf dem Sportplatz musste ein neuer Standort gefunden werden – was sich nicht ganz einfach gestaltete. Interesse bekundete unter anderem Hans Ermels, Vorsitzender der IG Am Anschlag, und bot einen Platz auf dem Gelände der Siedlergemeinschaft an. Bei seinen Mitgliedern fand er aber keine Rückenddeckung für seinen Vorschlag.

Maria Schürmann (CDU) brachte dann die Grünanlage ins Spiel. Eine Lösung, mit der sich alle Beteiligten einverstanden zeigten. „Rolli“ Duhr freute sich im vergangenen Jahr noch darüber. „Das können die gerne so machen.“

Doch jetzt ist auch Maria Schürmann enttäuscht und sie hat bereits die Stadtverwaltung kontaktiert. Diese gelobt Besserung, verweist jedoch auch darauf, dass das Ehrenmal nun einmal nicht oberste Priorität genießen könne. Das sei auch eine Kostenfrage. Man habe aber bereits einen Steinmetz gefunden, der sich des Ehrenmals annehmen will. Sobald im Arbeitskalender des Handwerkers Platz sei, so heißt es aus dem Presseamt, soll es losgehen, dann soll das steinerne Denkmal wieder in Schuss gebracht werden. est

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