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ADFC: "In Wuppertal fehlt es Kindern an Routine auf dem Fahrrad"

Verkehrswende : „Kindern fehlt die Routine auf dem Fahrrad“

Interview Klaus Lang (ADFC) über Sicherheit für radfahrende Kinder.

Eigentlich sollten am Sonntag Hunderte Kinder auf der B7 Radfahren. Sie sollten Aufmerksam machen auf das Defizit an sicherer Verkehrsinfrastruktur für Kinder. Klaus Lang vom ADFC, der die Fahrraddemo „Kidical Mass“ mitorganisiert hat, über Kinder im Verkehr und woran es in Wuppertal fehlt.

Wie viel Fahrrad fahren Kinder in Wuppertal?

Lang: Nicht viel. In Wuppertal gehen wir davon aus, dass insgesamt zwei bis drei Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt werden. Darunter fallen dann auch die Kinder. Man sieht sie sonntags auf der Trasse. Aber alltägliche Wege wie zur Schule werden fast gar nicht mit dem Rad zurückgelegt.

Was ist das Problem?

Lang: Ich kenne das selbst, dass Lehrer sagen, die Kinder sollen gar nicht mit dem Rad kommen, das sei viel zu gefährlich. Fahrräder spielen hier eben keine Rolle.

Kinder werden vielfach in die Schule gefahren. Stichwort: Elterntaxi.

Lang: Aber auch weil die Eltern das Gefühl haben, die Rad- und Fußwege sind nicht sicher. Das ist das Dilemma.

An Grundschulen gibt es aber Verkehrserziehung. Da soll doch Radfahren vermittelt werden.

Lang: Das, was die Polizei macht, ist häufig praxisfern. Das machen Leute, die selbst selten auf dem Rad sitzen. Häufig ist es den Beamten vor allem wichtig, dass das Rad Lichter hat, dass die Kleidung leuchtet, dass die Kinder das Abbiegen anzeigen. Dass sie dabei Schlenker auf die Fahrbahn machen würden und unterm Auto landen können, kommt nicht zur Sprache. Dass auch helle Kleidung nichts nutzt, wenn Autos an Kreuzungen die Sicht blockieren, ebenso wenig. Wichtiger wäre doch, dass die Kinder sinnvoll und sicher fahren lernen.

Aber ist es denn falsch, den Kindern richtiges Abbiegen und sichtbare Kleidung nahezulegen?

Lang: Nein. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Mir ist es hier zu theoretisch. In anderen Städten, wo es mehr Radverkehr gibt, mehr Polizisten selbst Rad fahren, sieht der Unterricht eben anders aus. Näher am Leben. Es ist ein komplexes Konstrukt, wie man Kindern Radfahren beibringt.

Was ist dafür wichtig?

Lang: Routine. Kindern fehlt die Routine auf dem Rad. Das steht und fällt erst einmal mit den Eltern, die das Fahrrad selbst im Alltag nutzen. Und mit Strecken, die im Alltag genutzt werden können, etwa zu Schulen. Das muss in Wuppertal viel mehr in den Fokus. Heute sind die Kreuzungen zugeparkt, Kinder können nichts sehen, können aber auch nicht gesehen werden. Auch das muss sich ändern.

Wuppertals Typografie wird immer als Argument genommen, dass man hier eh nicht Radfahren könne.

Lang: Klar, Kinder fahren ohne Motoren, die kämpfen sich die Berge hoch. Und sie müssen lernen, bei Gefälle die Bremsen richtig zu nutzen. Das ist alles schwierig hier. Aber es geht. Und später können sie auch E-Bikes fahren. Das wäre auch eine Möglichkeit für viele Eltern. Heute nutzen das vor allem die Großeltern.