Offen gesagt: Achtung Fettnäpfchen

Offen gesagt : Achtung Fettnäpfchen

Nun ist er weg. Offiziell zumindest. Die Amtszeit Gerhard Finckhs im Von der Heydt-Museum lief am Dienstag dieser Woche ab. Das war und ist Grund genug, einem Mann zu danken, dem es in den vergangenen 13 Jahren gelang, das Museum auf eine andere Ebene zu heben.

Das Haus in der Elberfelder Innenstadt gilt etwas in der internationalen Kunstszene. Finckh hat ihm einen Ruf verschafft als verlässlicher Partner von Häusern auf fast allen Kontinenten der Erde, als sprudelnder Quell außergewöhnlicher Werke, die überall auf der Welt Ausstellungen ergänzen und bereichern können. So etwas erstens zu erkennen und zweitens für das Wohl des eigenen Museums zu nutzen, ist ein besonderes Talent. Gerhard Finckh hat es. Deshalb war jeder Dank, jedes Lob zu seinem Abschied verdient und nicht übertrieben. Deshalb ist es gut, dass er Wuppertal bis Ende nächsten Jahres als Berater erhalten bleibt.

Und umso notwendiger ist es, sich mit höchster Professionalität um die Nachfolge Gerhard Finckhs zu kümmern. Dass dieser Hinweis nach Ende der offiziellen Dienstzeit des Direktors notwendig ist, zeigt, dass Wuppertal es wieder einmal nicht geschafft hat, rechtzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Die nun bestehende Vakanz an der Spitze des Von der Heydt-Museums ist die wenig rühmliche Fortsetzung der Öffentlichkeitsarbeit nach der Absage von Finckhs letzter großer Ausstellung. Sie mit dem Hinweis auf akute Geldnot zu kippen, hat mögliche Nachfolger Finckhs vermutlich eher eingeschüchtert. Dass Finckh am Dienstag keinem Nachfolger den Schlüssel in die Hand drücken konnte, mag damit zusammenhängen.

Es könnte aber auch noch schlimmer sein. So nämlich wie es bei der Suche nach einem Dezernenten für Bürgerbeteiligung war, als Wuppertal den Erstbesten nahm und teuer auf die Nase fiel. Oder so, wie es bei der Schauspiel-Intendanz war, als sich schnell herausstellte, dass die auserkorene Kandidatin letztlich doch nicht zu Wuppertal passte. Und über dem Tanztheater schwebt immer noch das Damoklesschwert einer Rückkehr, die sich längst nicht jeder wünscht, der im Namen Pina Bauschs unterwegs ist.

All das zeigt, dass Wuppertals Rathaus bei der Auswahl von Führungspersonal nicht immer ein glückliches Händchen hat. Das wiederum führt dazu, dass teure Altlasten die ohnehin reichlich leeren Kassen zusätzlich belasten. So ein gescheiterter Dezernent beispielsweise blamiert sich und Wuppertal nicht kostenfrei in sozialen Netzwerken. Er lässt sich dafür noch bis 2023 von der Stadt fürstlich entlohnen.

Wenigstens das sollte den Damen und Herren im Rathaus eine Warnung sein. Denn das Von der Heydt-Museum braucht so eine erstklassige Führung, wie Oper, Schauspiel und Tanztheater sie nach kostspieligen Irrungen und Wirrungen heute haben. Das Beste ist gerade gut genug für das Museum und es ist nötig, weil rein gar nichts dafür spricht, dass Wuppertals Kultur zu mehr Geld kommt. Die Fettnäpfchen-Gefahr ist groß. Größer ist nur der Wunsch, dass Wuppertal ausnahmsweise einmal nicht hineintritt.

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