Absturz der Wuppertaler Schwebebahn - ein Zeitzeuge erinnert sich

12. April 1999 : Wie sich ein Zeitzeuge an den Absturz der Schwebebahn vor 20 Jahren erinnert

Der ehemalige WZ-Politikchef Alexander Marinos war zufällig einer der ersten Menschen an der Unglücksstelle, als die Schwebebahn am 12. April 1999 abstürzte

Alexander Marinos war als Anwohner einer der ersten Menschen an der Absturzstelle der Schwebebahn. Der einstige WZ-Politikchef und derzeitige stellvertretende Chefredakteur der WAZ arbeitete damals als Reporter für den WDR und berichtete live von der Unglücksstelle. Für die WZ ließ er seine Erlebnisse von vor 20 Jahren noch einmal Revue passieren.

Schwebebahn-Absturz 1999 - ein Zeitzeuge erinnert sich

Herr Marinos, Sie waren eine der ersten Personen, die die Schwebebahn in der Wupper liegen sah. Wie haben Sie reagiert?

Alexander Marinos: Das erste, was ich gemacht habe, ist zum Telefon zu rennen und die Feuerwehr anzurufen.

Und dann haben Sie berichtet, dass die Schwebebahn abgestürzt ist. Hat man Ihnen das geglaubt?

Marinos: Ich weiß noch ganz genau: Die erste Reaktion von der Leitstelle war Ungläubigkeit. Der Mann am Ende der Leitung hat mir das nicht abgenommen. Dann wurde ich ein bisschen lauter und wie ich inzwischen weiß, haben kurz danach auch noch andere Menschen angerufen, so dass die Feuerwehr und die Polizei dann geglaubt haben, dass da wirklich ein Unglück passiert ist.

Was ist in der Zeit passiert, bis die Rettungskräfte eintrafen?

Marinos: Ich bin gemeinsam mit einem Nachbarn die Treppe herunter gerannt und habe mir noch schnell Handtücher geschnappt, weil man sich ja denken konnte, dass die Menschen nass sind und frieren. Mein Nachbar ist dann sofort in die Wupper gesprungen und hat die Leute aus dem Fluss geholt und ich habe die Menschen in Empfang genommen, die teilweise blutverschmiert aus der Bahn kletterten.

Der ehemalige WZ-Politikressort-Leiter Alexander Marinos berichtete am 12. April 1999 live von der Unfallstelle. Foto: WZ/Daniel Neukirchen

Ist man in so einer Situation im Kopf trotz allem noch Journalist?

Marinos: Es war in den ersten zehn bis 15 Minuten kein Gedanke daran. Mir fiel eigentlich erst ein, dass ich hier auch noch einen Job machen müsste, als viele Rettungskräfte da waren.

Und dann konnten Sie umschalten vom Betroffenen zum Betrachter?

Marinos: Ich wusste gar nicht wie mir geschah. Ich wurde direkt durchgestellt ins Live-Programm von WDR2 und habe dann erzählt, was ich gesehen habe. Sehr professionell war das sicher nicht, aber ganz authentisch. Ich war irgendwann heilfroh, als andere Kollegen, die mehr Distanz zu dem Vorfall hatten, vor Ort waren und mich ablösen konnten.

War Ihnen da schon das Ausmaß der Katastrophe klar?

Marinos: Nein, es gab zu dem Zeitpunkt noch keine offiziellen Informationen, was genau passiert ist und wie viele Menschen vielleicht verletzt wurden oder auch gestorben sind. Ich bin dann später in unserem Hauseingang über zwei, drei Leute gestolpert und habe einen Polizisten gefragt, was mit denen ist. Da sagte er mir, dass das Todesopfer sind, die von den Rettungskräften zunächst bei uns in den Hausflur abgelegt worden waren.

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WZ-Reporterin Katharina Rüth zeigt auf die Absturzstelle, die sie 20 Jahre nach dem Unglück mit WSW-Sprecher Holger Stephan besuchte. Foto: Daniela Ullrich
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