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Abgezockt: Autofahrer zahlen Millionen an Spekulanten

Abgezockt: Autofahrer zahlen Millionen an Spekulanten

Wuppertal werden 20 Millionen Euro an Kaufkraft im Jahr entzogen. Grüne fordern Steuern auf Spekulationen.

Wuppertal. Vor Ostern hat viele Wuppertaler wieder die nackte Wut gepackt, als sie ihren Wagen tanken wollten. Die Benzinpreise zogen pünktlich zum Ferienverkehr an - es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Dabei werden die Wuppertaler Autofahrer - ebenso wie der Rest in Deutschland - von Spekulanten noch viel stärker gemolken, als ihnen bisher bekannt ist. 20 Millionen Euro zahlen die Autofahrer im Tal jährlich mehr, weil Hedgefonds, Investmentbanken, und internationale Pensionsfonds die Rohölpreise in die Höhe treiben.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben worden ist.

Das Hamburger Institut Energycomment hat errechnet, dass bei einem derzeitigen Preis von 85 US-Dollar pro Barrel etwa 30 US-Dollar durch Spekulationen erzielt werden. Umgerechnet auf die deutschen Spritpreise bedeutet dies, dass Autofahrer etwa 14 Cent pro Liter an die Spekulanten zahlen.

Bei jeder 50-Liter-Tankfüllung gehen zirka sieben Euro an Fonds und Investmentbanken. Fährt ein Autofahrer 13000 Kilometer im Jahr mit einem Wagen, der durchschnittlich 7,5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht, dann zahlt er 136 Euro an die internationalen Spekulanten.

Die Wuppertaler Grünen um den Bundestagsabgeordneten Hermann Ott haben die Ergebnisse dieser Studie auf die Stadt heruntergebrochen. Demnach sind in Wuppertal zurzeit etwa 150000 Autos zugelassen. Das heißt: Jährlich zahlen Wuppertaler Autofahrer 20 Millionen Euro an die Fonds; das ist Kaufkraft, die der Stadt entzogen wird.

Ott fordert daher, dass die Spekulationen bei Rohöl eingeschränkt werden. Seiner Ansicht nach muss die Bundesregierung über die EU Druck auf die US-Regierung und die englische Regierung aufbauen, in diesen Ländern wird Rohöl börslich gehandelt. Zudem spricht sich Ott für die sogenannte Tobin-Steuer aus. "Erdöl oder auch Lebensmittel und Wasser müssten für Finanzinvestoren tabu sein", fordert er. Es dürfe nicht sein, dass sich die Finanzinvestoren auf Kosten der Allgemeinheit bereicherten.

Was bedeutet dieser Kaufkraftverlust für Wuppertal? Bei der Industrie- und Handelskammer war man gestern zu keiner Stellungnahme bereit. Man wolle erst die komplette Studie sehen.