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Wirtschaft: Ab Sommer soll es aufwärts gehen

Wirtschaft : Ab Sommer soll es aufwärts gehen

Institut der Bergischen Uni analysiert Lage und Erwartungen der Wirtschaft.

Das Institut für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP) an der Bergischen Universität hat das aktuelle Konjunkturbarometer für die Bergische Region veröffentlicht. Laut einer Befragung von 229 Unternehmen mit rund 19 000 Beschäftigten ist die Stimmung in den Unternehmen des Städtedreiecks zu Beginn des Jahres 2020 deutlich optimistischer als im dritten Quartal 2019. Nach Einschätzung der Wissenschaftler sprechen erste Anzeichen dafür, dass eine Trendwende bevorsteht. Insbesondere die Schwächeperiode der Industrie könnte zur Jahresmitte hin durchbrochen werden.

Die befragten Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe waren zum siebten Mal in Folge mit ihrer Geschäftslage weniger zufrieden als im vorangegangenen Quartal. Deutlich schlechter als im letzten Umfragezyklus bewerten die Unternehmen der Elektroindustrie und Hersteller von Metallwaren ihre aktuelle wirtschaftliche Lage. Zum Jahreswechsel blickten die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe aber wieder deutlich optimistischer in die Zukunft. Der Saldo der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate liegt zwar weiterhin im negativen Bereich, die positive Änderungsrate deutet jedoch darauf hin, dass sich das Tempo der Abwärtsbewegung deutlich verlangsamt.

Innerhalb des Sektors zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. „Große Mittelständler mit einer ausgeprägten Exportorientierung sind deutlich zurückhaltender in ihren Geschäftserwartungen. Vor dem Hintergrund, dass die wesentlichen Unsicherheitsfaktoren im Außenhandel des vorangegangenen Jahres in 2020 weiterhin Bestand haben, ist dieses Ergebnis wenig überraschend“, sagt Jun.-Prof. Dr. Markus Doumet, wissenschaftlicher Leiter des Regionalen Konjunkturbarometers.

Auch im Dienstleistungssektor fallen die Bewertungen über die einzelnen Teilbereiche sehr unterschiedlich aus. Während die Unternehmen der Digitalwirtschaft sowie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ihre Geschäftslage sehr positiv bewerten, klingt die Einschätzung von Versicherungen und Finanzdienstleistern eher verhalten.

Das Baugewerbe zeigt sich unbeeindruckt von der Eintrübung. Nach einem Rückgang des Lagesaldos im dritten Quartal 2019, stieg dieser zum Jahreswechsel wieder an (+19,3 Prozentpunkte). Die Erwartungen für das erste Halbjahr 2020 fallen – wie auf nationaler Ebene – überwiegend pessimistisch aus. Demnach wird mit einem Rückgang der Nachfrage nach Bauleistungen gerechnet. Allerdings geschieht dies auf einem sehr hohen Niveau.

Im Handel hat sich die Lage, gegenüber dem dritten Quartal, erheblich verbessert (+26,7 Prozentpunkte). Hierbei handelt es sich aber zum Teil um einen saisonalen Effekt durch das für den Einzelhandel erfolgreiche Weihnachtsgeschäft. Laut dem Handelsverband NRW lagen die landesweiten Umsätze im November und Dezember 2019 drei Prozent über dem Vorjahresniveau.

Der Transport- und Logistiksektor rutschte im Bergischen erstmals in den negativen Bereich. Der Saldowert weist einen Rückgang um 25,2 Prozentpunkten auf, mit einem aktuellen Wert von minus 24,8 Prozent. Dieser Abwärtstrend ist auch auf nationaler Ebene zu beobachten.

Die Schwankungen wirken sich auf den Arbeitsmarkt aus. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im Bergischen Städtedreieck sinkt zum fünften Mal in Folge. „Die Einstellungsbereitschaft entwickelt sich zunehmend heterogener. Innerhalb einzelner Wirtschaftsbereiche sogar teils gegenläufig. Insbesondere größere Unternehmen zeigen sich dabei deutlich zurückhaltender in Bezug auf einen weiteren Stellenaufbau“, erläutert Prof. Dr. André Betzer, Vorsitzender des WIFOP. Für die erste Jahreshälfte 2020 sei mit einer weiteren Abkühlung der Arbeitsmarktdynamik zu rechnen. Eine Reihe von Branchen, etwa die Unternehmen der Digitalwirtschaft (+71,9 %), weisen einen unverändert hohen Bedarf an Fachkräften aus. Der aktuelle Konjunkturreport setzt einen Themen-Schwerpunkt mit dem Branchenreport „Software- und Weiterentwicklung“.