Kongress 90 Hebammen kommen in Wuppertal zum Austausch zusammen

Wuppertal · Kongress der AOK findet erstmals in der Region statt.

Anne Henkels (links) und Christiane Otto beim Hebammen-Kongress (AOK).

Anne Henkels (links) und Christiane Otto beim Hebammen-Kongress (AOK).

Foto: Andreas Fischer

Dafür, dass Anne Henkels eine für Familien so wichtige Tätigkeit ausübt, muss sie in ihrem privaten Umfeld selbst einige Einschränkungen hinnehmen. „Der Job ist arbeitsintensiv und nicht planbar“, sagte die freiberufliche Hebamme, die auch 1. Vorsitzende des Kreisverbandes Wuppertal des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen ist. Am Mittwoch nahm sich Henkels jedoch eine kleine Auszeit und besuchte in den Räumlichkeiten der Codeks Factory am Arrenberg in Wuppertal einen Kongress für Hebammen aus dem Bergischen Städtedreieck.

Rund 90 Hebammen aus der Städteregion nahmen sich für gut drei Stunden frei, um sich über medizinische Fragen rund um das Thema Geburt zu informieren, ihre Rolle im Gesundheitswesen zu diskutieren und sich miteinander zu vernetzen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg. Es handelte sich um die erste Veranstaltung ihrer Art in der Region. Das Interesse an dem Kongress sei schon im Vorfeld „riesengroß“ gewesen, freute sich die Regionaldirektorin Bergisches Land der AOK Rheinland/Hamburg, Christiane Otto.

Krankenkassen übernehmen die Kosten für Hebammen

Derzeit gibt es im Bergischen Städtedreieck fast 150 Hebammen – davon erschienen am Mittwoch immerhin fast zwei Drittel zu dem Kongress. Mit dem Treffen wolle die Krankenkasse dafür „danke sagen, was Sie jeden Tag leisten“. Zudem war die Veranstaltung auch ein Dienst an den Versicherten. Der Kongress solle auch dazu dienen, zu klären, wo „die Bedarfe der Menschen“ in Sachen Hebammen-Betreuung liegen, betonte Otto. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Einsatz der Hebammen, die Regelleistung wird jeder werdenden Mutter angeboten.

Eine Hebamme leistet nach Angaben der Krankenkasse wertvolle Unterstützung während der Schwangerschaft und Geburt. Die Hebamme gibt unter anderem Tipps zur gesunden Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit und berät Schwangere, wo sie ihr Kind zur Welt bringen möchten. Sie kann während der Schwangerschaft fast jede Vorsorgeuntersuchung durchführen – dazu gehören etwa Gewichtskontrolle, Blutdruckmessung, Feststellung der Lage oder Stellung und Haltung des Kindes. Ausgenommen sind Ultraschall-Untersuchungen, die nur von Ärzten durchgeführt werden dürfen. Überdies unterstützt eine Hebamme junge Mütter bis zu einem Zeitraum von zwölf Wochen nach der Geburt.

Positiv bewertete auch der Direktor der Landesfrauenklinik am Helios-Universitätsklinikum Wuppertal, Prof. Dr. Markus Fleisch, die Veranstaltung: Ein solches Treffen diene dem „Wohle junger Mütter und Familien“. Der Mediziner befasste sich in seinem Vortrag mit den Ursachen und der Betreuung von Frühgeburten. Immerhin sechs bis sieben Prozent aller neugeborenen Kinder kommen in Deutschland zu früh auf die Welt. Ursachen können Rauchen, das Alter der Schwangeren, Unter- oder Übergewicht der werdenden Mutter, schwierige soziale Bedingungen, Mehrlingsschwangerschaften oder auch eine In-Vitro-Fertilisation sein. Als Frühgeburt gilt ein Baby, das vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wird oder bei der Geburt weniger als 2,5 Kilogramm wiegt.

Für Anne Henkels war das Treffen im Codeks vor allem die Chance, die Vernetzung mit den Kolleginnen zu betreiben. Erfahrungsaustausch scheint auch deshalb nötig, weil ihr Job „immer stressiger“ geworden ist, bedauerte die Hebamme. Vor allem die administrativen Aufgaben, also die Bürokratie, hätten zugenommen und belasten den Arbeitsalltag. Bis zu sechs Schwangere und junge Mütter betreut Henkels im Monat. Zudem arbeitet sie auch noch in der Geburtshilfe des Helios-Klinikums.

Und wer über das Gesundheitswesen spricht, der darf die Kosten nicht ausblenden. So hoffen die Hebammen derzeit händeringend auf die Einführung einer neuen Gebührenordnung, die die Vergütung der Entbindungshelferinnen besser stellen soll, berichtete Henkels. Die letzte Aktualisierung der Gebührenordnung sei 2017 erfolgt, nun hoffe man, dass die neue Erhöhung noch in diesem Jahr umgesetzt wird.