7500 wollten in den Knast

7500 wollten in den Knast

Das Interesse am Tag der Offenen Tür in der Jugendvollzugsanstalt übertraf alle Erwartungen.

Wuppertal. Das Leben kann sehr ungerecht sein. Mit Menschen, die vor dem Tor Einlass begehren, haben Mitarbeiter von Justizvollzugsanstalten aus verständlichen Gründen wenig Erfahrung. Doch beim Tag der Offenen Tür der Jugendvollzugsanstalt Ronsdorf, die im August in Betrieb genommen wird, gab es sogar einen regelrechten Ansturm.

Alle paar Minuten wiederholt Michael Lentes, der stellvertretenden Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes, im Innenhof der Justizvollzugsanstalt Ronsdorf den folgenden Satz: „Eigentlich wollten wir sie in Gruppen zu 25 Personen durch unsere Anstalt führen. Wir haben wirklich nicht mit diesem Ansturm gerechnet.” Vor Michael Lentes stehen jedes Mal rund 150 Besucher, die den Tag der offenen Tür nutzen wollen, um das noch leerstehende Gefängnis zu besichtigen. Draußen wartet eine gewaltige Menschenschlange geduldig darauf, dass sich für sie das große Tor öffnet.

Schon vor dem Start um neun Uhr standen die ersten Besucher dort. Als dann die ersten wieder nach Hause wollten, entwickelte sich zwischen dem an- und abfahrenden Verkehr auf den zugeparkten Baustellenstraßen, die zum Gefängnis führen, ein kaum zu bewältigendes Chaos. Auswirkungen bis auf die Parkstraße waren nicht zu vermeiden.

Innerhalb relativ kurzer Zeit richteten die Justizvollzugsbediensteten einen Einbahnstraßenring ein. Und anstelle der persönlichen Führungen wurden große Gruppen ohne Begleitung auf einen gut gekennzeichneten Rundweg geschickt. Vor allem die Sportanlagen und die großzügigen Werkhallen mit ihren Ausbildungsmöglichkeiten wurden von vielen Besuchern gelobt.

„Ich finde es gut, dass Jugendliche hier eine zweite Chance bekommen und sehe die moderne Anstalt dafür als Chance an”, sagt Friedhelm Otto aus Haan. „Es war weniger bedrückend, als ich es erwartet hatte. Ich werde weiter verfolgen, wie die Arbeit mit den Jugendlichen hier gelingt”, sagte Gisela Buchwald, die darüber nachdenkt, sich in dem Gefängnis ehrenamtlich zu engagieren. Abschreckende Wirkung hatte die Anlage trotz ihrer modernen Gestaltung auf Björn Tappert. „Es ist schlimm, wenn man nicht selbst bestimmen kann, wann man aus seiner kleinen Zelle raus darf”, sagte der 19-Jährige nach der Besichtigung des Zellentraktes.

Am Ende des Tages zog Anstaltsleiter Rupert Koch eine positive Bilanz. „Wir sind aber auch ganz schön geschafft nach rund 7 500 Besuchern. Es hat keine Zwischenfälle gegeben”, sagte er kurz nach 18 Uhr, als immer noch Besucher auf dem Weg zum Ausgang waren, der am Tag der offenen Tür natürlich allen offen stand.

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