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7. Gesamtschule in Wuppertal: Was fürs Art-Hotel als Standort spricht und was nicht

Schulplanung : Siebte Gesamtschule: Was für das Art-Hotel spricht 

Die Verhandlungen mit dem Eigentümer laufen. Die Stadt spricht vom „Topfavorit“. Heckinghausen könnte als Stadtteil profitieren.

Der Topfavorit ist wieder im Spiel: Die siebte Gesamtschule könnte doch ins ehemalige Art-Hotel an der Bockmühle ziehen (die WZ berichtete). Aktuell verhandelt die Stadt – federführend Kämmerer Johannes Slawig – mit dem Eigentümer, der Bethe-Stiftung, über die ehemalige Fabrik und die dazugehörigen Hallen. Man sei optimistisch über einen positiven Abschluss, verkündete Schuldezernent Stefan Kühn noch am Donnerstag und machte keinen Hehl daraus, dass die Verwaltung die Schule am liebsten in Heckinghausen sehen würde. „Das war so und das ist so.“ Trotz eines Plan B, den man natürlich habe, wie GMW-Chefin Mirja Montag gegenüber der WZ betonte.

Heckinghausen würde definitiv von dem Projekt profitieren – denn eine weiterführende Schule gibt es aktuell im Bezirk nicht. Zudem würde sich die Gesamtschule in eine Reihe von Vorhaben einreihen, die bereits angelaufen oder schon abgeschlossen sind, um den Stadtteil nach vorne zu bringen. Kühn spricht von einer Achse mit dem Bayer-Park gegenüber dem Baumarkt, dessen Umgestaltung läuft, über das Stadtteilzentrum (im Bau) und den Gaskessel, bis hin zum Lazarus-Haus mit der Gustav-Müller-Anlage. Vieles davon finanziert über das Programm Soziale Stadt, das Millionen in den Stadtteil pumpte.

Stadt hat Entwicklung
des Umfeldes im Blick

Auch der Neubau des Stadtteilzentrums wurde dadurch gefördert. An der Stelle des ehemaligen Stadtteiltreffs, schräg gegenüber dem Gaskessel als Heckinghauser Leuchtturm, wächst gerade das neue Zentrum. Bis zum Sommer ist der Treff übergangsweise an der Bockmühle gegenüber dem Art-Hotel in einer ehemaligen Krawattenfabrik untergebracht – die die Stadt übrigens vor einigen Jahren von der Bethe-Stiftung kaufte. Als Ausweichquartier für den Stadtteiltreff während der Bauarbeiten, aber auch schon mit Blick auf die weitere Entwicklung im Quartier. Es gebe einige Ideen, so Kühn. Eine Kita zum Beispiel. Das, was ihm als zuständiger Dezernent angesichts des Bedarfs gerade in Heckinghausen natürlich immer wieder als erstes einfalle, wie er schmunzelnd erklärte. Grundsätzlich sei das aber nur eine Option für eine öffentliche Nutzung. Aber auch das Gelände drumherum soll weiter aufgewertet, die Anbindung an die Wupper verbessert werden. Zudem solle, so Kühn, ein neuer Brückenschlag über den Fluss gemacht werden. Zukunftsmusik, aber das habe man im Blick.

Christof Oliveri, Leiter des Stadtteiltreffs, würde jedenfalls eine Gesamtschule für Heckinghausen befürworten. „Das wäre ein Träumchen.“ Eltern und Kinder würden sich freuen über Plätze für den Stadtteil. „Alleine das ist schon super.“ Nach den Sommerferien soll der Umzug in den Neubau an der Heckinghauser Straße erfolgen. Die Umgestaltung des Außengeländes steht zudem an, mit einer offeneren Gestaltung, wie Oliveri ankündigt. Auch der große Nachbar des Zentrums, der Gaskessel, dürfte sich über jedwede Belebung Heckinghausens freuen. Das Industriedenkmal, das ein Investoren- und Architektenteam um Thomas Drescher umgebaut hatte, hat mit den Folgen der Corona-Krise hart zu kämpfen. Zuletzt kündigten die Macher eine Neuaufstellung an.

Eine neue Schule an der Bockmühle hätte noch einen ganz praktischen Vorteil: ein Quasi-Leerstand würde verschwinden. Das Hotel hatte vor Jahren seine letzten Gäste – und die waren, so hörte man immer wieder, oft alles andere als zufrieden. „Runtergewirtschaftet“ lautete das Urteil. Danach war erstmal Ruhe. Die Stiftung Regionale Verkehrsgeschichte brachte die Hallen mal als Standort für ein geplantes Mobilitätsmuseum ins Spiel, später mietete das Land das alte Hotel als Flüchtlingsunterkunft an. Im September 2019 schließlich wurde der Vertrag, der eigentlich bis Ende 2025 lief, wieder gekündigt – nachdem es zwischenzeitlich Kritik gegeben hatte, dass monatlich zwar 72 000 Euro an Miete flossen, aber nur wenige, zeitweise sogar gar keine Flüchtlinge dort untergebracht waren. Erich Bethe hatte stets betont, dass das Geld in Projekte der Stiftung für Flüchtlinge gesteckt werde.

Neben der Finanzfrage
gibt es noch ein paar Hürden

Die Stadt wiederum hatte früh ein Auge auf die Bockmühle als Standort für die siebte Gesamtschule geworfen. Nachdem die Verhandlungen stockten, aufgrund unterschiedlicher Preisvorstellungen sogar fast für gescheitert erklärt worden waren, haben sie jetzt offensichtlich wieder Fahrt aufgenommen.

Während Kühn & Co. verständlicherweise die Vorteile hervorheben, gibt es – neben der finanziellen Frage – doch auch ein paar Hürden. Zum einen die Altlasten, die die ehemalige Firma Zinn & Engels, ein Galvanik-Betrieb, hinterlassen hat. Eine genauere Untersuchung steht noch aus. Erst dann steht wohl fest, wie mit dem Erbe im Boden umgegangen werden muss. Heckinghausens stellvertretender Bezirksbürgermeister Christoph Brüssermann zweifelt deshalb an der Eignung des Standorts für eine Schule. Natürlich würde auch er gerne eine Gesamtschule im Bezirk sehen. „Aber nicht um jeden Preis.“

Ein zweites Problem ist die Fläche. Insgesamt würden es 20 000 Quadratmeter für die neue Schule dort sein. Vorgesehen waren 22 000, hieß es zuletzt. Und eine Sporthalle ist noch nicht mit eingeplant – aber Pflicht, wie Kühn erklärt. Wenn nicht auf dem Gelände selbst, dann im Umfeld. Man wolle eine Situation wie bei der Gesamtschule Langerfeld vermeiden. 2014 wurde deren Sporthalle eingeweiht – gut 25 Jahre nach Eröffnung der Schule. Karin van der Most (FDP), Vorsitzende des Schulausschusses, bringt deshalb die Badische Straße für die Sporthalle ins Gespräch. Das Areal steht auch für die siebte Gesamtschule zur Diskussion. Allerdings gab es vorab dort schon deutlichen Widerstand, etwa vom Sportverein Breite Burschen. Für eine Halle sei die Fläche aber eine Option, bestätigt das GMW.

Ein weiterer Kritikpunkt, der aus Heckinghauser Kreisen zum Art-Hotel zu hören ist: die Verkehrssituation. Das Umfeld der Schule sei zu eng, „Elterntaxen“ würden für Probleme sorgen. Das gelte aber vermutlich für jeden Standort, wirft Oliveri ein. „Die Diskussion kenne ich natürlich. Für mich überwiegen aber ganz klar die Vorteile.“