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500 Menschen diskutieren im Freien die Zukunft des Schauspielhauses

500 Menschen diskutieren im Freien die Zukunft des Schauspielhauses

Vor dem Gebäude diskutieren Experten vor 500 Zuhörern über die Zukunft des Schauspielhauses.

Elberfeld. Eines hätte man dem Wuppertaler Schauspielhaus in jedem Fall gewünscht: Dass immer so viele Besucher erschienen wären wie am gestrigen Montagabend, als die „Schauspielhaus Wuppertal Initiative“ zur Podiumsdiskussion über die Zukunft des Hauses auf den Vorplatz geladen hatte.

Unter blauem Himmel, der den enormen Zulauf von etwa 500 Gästen gewiss förderte, verlas Initiator Stephan Rieck zunächst die Forderungen: Rücknahme der Kürzungen im Kultur- und Theateretat; Durchführung der einst vom Stadtrat beschlossenen Sanierung; ein finanzierbares Konzept für die gemeinsame Nutzung des Hauses durch das Tanztheater und weitere Kulturschaffende; Einführung eines sozialen Kulturtickets.

Nachdem die Podiumsgäste ihre Statements abgegeben hatten, meldete sich der Musiker Ulrich Rasch mit einer strengen Anmerkung. „Die gesamte Veranstaltung hätte gut eine Stunde kürzer sein können, denn all das, was hier gesagt wurde, ist längst bekannt.“ Dagegen fehle ein Ausblick darauf, was man tun wolle, um das Schauspielhaus zu retten. Die Bühnen hätten sich an Subventionierung gewöhnt, die freie Szene hingegen immer schon auf eigenes Risiko gewirtschaftet. Auf dem weiteren Weg gehe es um mehr Solidarität zwischen beiden.

Als Wuppertaler Neubürger empörte sich der Schauspieler Claus Wilcke darüber, dass weder Kulturdezernent Matthias Nocke noch Oberbürgermeister Peter Jung erschienen waren. Nockes Erklärung, so sagte Rieck, sei nun mal, dass er es befürworte, wenn die Etablierung eines Tanzzentrums im Schauspielhaus vorausgehe und dies die anderen Sparten mitziehe.

Holk Freytag, ehemaliger Generalintendant der Wuppertaler Bühnen, betonte die Bedeutung des Hauses als „eines der schönsten Theater, die ich kenne“. Das Haus sei nicht zu groß für die Stadt, die kulturpolitischen Ideen aber vielleicht zu klein.

Scharf ging der ehemalige Intendant des Bremer Theaters, Klaus Pierwoß, mit Wuppertals früherem Intendanten Gerd Leo Kuck ins Gericht, der den Schrumpfungsprozess in die Wege geleitet habe. Beschuldigungen folgten freilich noch viele, Lösungsansätze und Perspektiven dagegen wenige.