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50 000 Wuppertaler können schlecht oder gar nicht lesen und schreiben

Förderung : Jobcenter setzt auf „Leichte Sprache“

Hilfen zur Bildung und Teilhabe werden in einer Broschüre leicht verständlich erklärt.

Nach Angaben von Sozialdezernent Stefan Kühn sind rund 50 000 Menschen in Wuppertal nicht in der Lage, Dokumente zu lesen und zu verstehen. 15 Prozent aller Erwachsenen sind Analphabeten oder werden als funktionale Analphabeten eingestuft. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Hilfsangebote aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bisher nicht ausreichend nachgefragt werden. Welche Leistungen von den Familien abgerufen werden, hängt auch davon ab, wie gut die Eltern über die Möglichkeit der Förderung informiert werden. Um den Kreis zu erweitern, hat das Jobcenter Wuppertal nun die erste Broschüre in „Leichter Sprache“ veröffentlicht, um Verwaltungsakten zu übersetzen. Texte und Bilder wurden von Büros für „Leichte Sprache“ der Lebenshilfe erstellt.

Stefan Kühn stellte klar, dass ganz viele Leistungen, zum Beispiel 4000 Klassenfahrten oder in 5000 Fällen das Schulmittagessen, über das Bildungs- und Teilhabepaket gefördert werden. „Wir sind auf diesem Gebiet besser als viele andere Städte, wollen uns aber weiter verbessern“, so Stefan Kühn. Andreas Mucke begrüßt das Angebot des Jobcenters. „Teilhabe ist ein wichtiges Kriterium. Es muss auch Menschen in armen Familien möglich sein, ihre Kinder zum Musikunterricht zu schicken“, sagt der Oberbürgermeister.

„Wir nehmen die Kritik unserer Kunden an der Verständlichkeit unserer Sprache sehr ernst und gehen mit dieser Sprachversion einen ganz neuen Weg“, sagt Thomas Lenz, Vorstandsvorsitzender des Jobcenters. Ein großes Anliegen sei daher, dass die Leistungen bei denen ankommen, die Anspruch darauf haben. Die Mitarbeiter des Jobcenters seien beim Ausfüllen der Anträge behilflich. Auf der Homepage des Jobcenters seien zusätzlich Erklär-Videos zu sehen.

Anspruch auf Leistungen über das Bildungs- und Teilhabepaket haben sowohl Hartz-IV-Bezieher als auch Anspruchsberechtigte von Wohngeld. Außerdem Menschen, die Hilfen zur Grundsicherung erhalten oder über das Asyl-Bewerber-Leistungs-Gesetz beziehen. Die Broschüre „Bildung und Teilhabe für Kinder und junge Erwachsene“ liegt in Filialen des Jobcenters aus. In Auftrag gegeben wurde eine Veröffentlichung in fünf Sprachen. ab